Gestern habe ich hier darüber geschrieben, dass uns die Sprachpolizisten nun auch das Wort „Elfenbeinküste“ verbieten wollen, genauso wie die Wörter Kiew oder Weißrussland – wobei es im Fall des afrikanischen Landes besonders absurd ist, weil „Côte d’Ivoire“, wie wir künftig sagen sollen, nichts anderes ist als die französische Übersetzung von „Elfenbeinküste“ – und die Regierung des Landes selbst hat sich diesen Namen gegeben. Auch wenn diese Entscheidung den Moralkriegern nicht gefällt, weswegen sie sie offenbar durch die Hintertür aushebeln wollen. Noch drastischer ist die Sprachpolizei bei bestimmten Begriffen, die sie uns mittlerweile gänzlich verbieten will – wie etwas das Wort „Neger“. Wer es auch nur in den Mund nimmt, muss mit der Exkommunikation rechnen – Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer hat das erlebt (siehe meinen Text „,Er hat Neger gesagt‘ – Hetzkampagne gegen Boris Palmer: Ein Fall für Psychologen statt für Journalisten“). Genau mit diesem Thema hat sich Staranwalt Ralf Höcker befasst – hier sein wunderbarer Text, den ich Ihnen wärmstens ans Herz lege:
Die „Bild“ schreibt hier die Geschichte um:

„Neger“ war in den 80ern eben kein „klar rassistischer“ Begriff und es ist wichtig, immer wieder darauf hinzuweisen (dazu später mehr).
Wie die Älteren wissen, war „Neger“ bis weit in die 80er ein völlig neutrales, weder positiv noch negativ konnotiertes Wort, das übersetzt heute wie damals nichts anderes bedeutete als „Schwarzer“ (lat.: niger). Und „schwarz“ darf man Schwarze ja bis heute nennen, wenn auch in Schriftform nur mit großem S, warum auch immer.
Glaubt denn ernsthaft jemand, dass ausgerechnet Europas größte Jugendzeitschrift Begriffe nutzte, die nach damaliger Wahrnehmung rassistisch waren? Selbst in meinem Schulatlas gab es in den 80ern Diagramme, die den Anteil der „Weißen“- und „Negerbevölkerung“ in US-Städten anzeigten. Und Schulbuchverlage sind wohl die letzten, denen man vorwerfen könnte, auch nur unüberlegt rassistische Begriffe verwendet zu haben.
Nein, weder hatte und hat das Wort „Neger“ eine rassistische Grundbedeutung, noch wurde es auch nur assoziativ mit einem Anflug von Abwertung verwendet. Wer dabei war, erinnert sich.
Linke Sprachklempner
Wenn aber weder die Denotation noch die Konnotation eines Wortes negativ ist, dann bleibt kein Raum mehr für den Vorwurf, dass es rassistisch ist. Die rassistische Bedeutung wurde irgendwann einfach behauptet, also schlicht erfunden. Nach meiner Erinnerung war dies Mitte/Ende der 80er Jahre und ich weiß noch, wie es mich störte, dass ein völlig harmloses Wort von einigen wenigen linken Sprachklempnern plötzlich mit der falschen Behauptung für tabu erklärt wurde, dass es rassistisch sei.
Mich machte nicht nur die sprachliche Bevormundung, sondern vor allem die offenkundig unwahre und konstruierte Begründung wütend, zumal sie einen unberechtigten Vorwurf an die Nutzer des Wortes enthielt. Die meisten störten sich jedoch nicht am Phänomen der dreisten Umdeutung von Begriffen. Sie zuckten mit den Schultern, akzeptierten die neue Regel und sagten ganz einfach nicht mehr „Neger“. Es gab ja noch andere Worte. Irgendwann ging auch die Negerpuppe und ganz zum Schluss der Negerkuss.
Und so wurde aus einer ursprünglich dreisten Lüge schließlich eine selbsterfüllende Prophezeiung: Heute hat „Neger“ tatsächlich einen negativen Beiklang. Ob man den Schwarzen einen Gefallen damit getan hat, dass die lateinische Übersetzung ihrer Hautfarbe zu einer rassistischen Beleidigung umgelogen wurde, bezweifle ich.
Die üblichen Bedenken
Ich sehe nun schon die Kommentare vor meinem inneren Auge:
„Weshalb ist es dir denn so wichtig, „Neger“ sagen zu dürfen?“
„Kannst du nicht verstehen, dass es Menschen gibt, die den Begriff verletzend finden?“
Es geht mir überhaupt nicht um den Begriff an sich. Es geht mir um die Mechanik: Ich wehre mich dagegen, wenn politische Ideologen mit offenkundig falschen Begründungen Begriffe umdeuten und mir vorschreiben wollen, wie ich zu sprechen habe. Denn Sprache ist politisch. Wer Sprache kontrolliert, übt politische Macht aus.
Hinzu kommt: Wenn selbst die wenig woke Bild-Zeitung heute behauptet, dass „Neger“ schon in den 80ern ein rassistischer Begriff gewesen sein soll, dann wehre ich mich auch gegen eine solche falsche Umschreibung der Geschichte.
Absurde Tabuisierung
Und was die angeblich verletzten Gefühle angeht: Dazu sage ich immer das Gleiche, nämlich, dass meine Rechte nicht dort enden, wo die Gefühle anderer beginnen. Und sie enden schon gar nicht dort, wo nur taktisch vorgetäuschte Gefühle anderer beginnen.
Und ein Letztes: Vollkommen idiotisch ist es, sogar die glatt beschreibende Verwendung eines Begriffes auf der diskursiven Metaebene zu tabuisieren und wie BILD selbst in einem solchen Kontext anstatt „Neger“ nur etwa „N****“ oder „N-Wort“ zu schreiben. Niemand erleidet eine posttraumatische Belastungsstörung, wenn er ein „böses Wort“ in einem solch harmlosen Zusammenhang auch nur ausgeschrieben sieht.
Mein Appell: Nicht auf unsere Wortwahl müssen wir besonders achten, sondern auf ideologisch motivierte Versuche, sie zu beeinflussen.
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Der Autor: Ralf Höcker ist einer von Deutschlands bekanntesten Rechtsanwälten. Parallel ist der gebürtige Kölner, der ehrenamtlich kurzzeitig auch Sprecher der Werteunion war, als Autor tätig. Seine Facebook-Seite, auf der auch der obige Text steht, ist sehr empfehlenswert – siehe hier. Auf X können Sie ihm hier folgen. Sein „Neues Lexikon der Rechtsirrtümer“ können Sie hier bestellen – sehr spannende Lektüre für aktuell nur 3,99 Euro (versandkostenfrei).
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Bild: Symbolbild/KI/Gemini
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