Meine Heimatzeitung verweigert AfD-Mann Todesanzeige – was dahinter steckt Insider-Blick: Wie Anpasser in Redaktionen nach oben schwimmen

Eine Besonderheit von autoritären und totalitären Staaten ist, dass dort politisch Andersdenkende oft auch noch über den Tod hinaus ausgegrenzt werden – etwa, indem der Staat oder seine Organisationen bei der Beerdigung Steine in den Weg legen. Demokratische Staaten sollten eigentlich schon zu Lebzeiten niemanden wegen seiner politischen Ansichten ausgrenzen. Umso mehr gilt das, wenn jemand gestorben ist.

Mit diesem Absatz habe ich im Oktober 2024 meinen Artikel darüber begonnen, dass die „Frankenpost“, faktisch die Monopol-Regionalzeitung im Raum um Hof in Oberfranken, eine Traueranzeige für einen verstorbenen AfD-Kreisrat abgelehnt hat. Aus „grundsätzlichen Erwägungen“, wie die Gesinnungswärter im Journalismus-Schafspelz damals verkündeten.

Jetzt zieht ausgerechnet die Zeitung, bei der ich meine journalistische Ausbildung gemacht habe und die meine Großmutter und mein Vater ihr Leben lang lasen, nach bei diesem totalitären Denken. Sie verweigerte der AfD eine Todesanzeige für den Kreisrat und Zahnarzt Paul Traxl. Das Blatt erteilte eine herbe Abfuhr: „Wir nehmen  generell keine Anzeigen Ihrer Partei bei uns auf. Dies sind unsere Unternehmensgrundsätze, die auch Nachrufe betreffen und ich bitte Sie, das zur Kenntnis zu nehmen. Mit freundlichen Grüßen Heike Lux-Mayer.“

Nachtreten nach dem Tod

„Ein schäbiges pietätloses und menschenverachtendes Verhalten“, kommentiert eine Facebook-Nutzerin. Dem ist nichts hinzuzufügen. Und in meinem Artikel von 2024 ist alles zu diesem gruseligen Phänomen der Menschenfeindlichkeit im Namen des vermeintlichen Kampfes gegen Menschenfeindlichkeit gesagt. Hinzufügen wäre noch, dass es absurd ist, von einer funktionierenden Demokratie zu sprechen, wenn eine demokratisch zugelassene Partei derart schikaniert wird. Demokratie verlangt Fairness – und die wird bei uns mit Füßen getreten.

Aber heute interessiert mich ein anderer Aspekt: Was sind das für Menschen, die hinter solchen Entscheidungen stehen? Wie kommen ausgerechnet solche Menschen nach oben?

Die Antwort liefert ein Blick hinter die Kulissen der Augsburger Allgemeinen. Da ist zum einen die Verlegerin Alexandra Holland – deren Geschichte ich erst kürzlich geschrieben habe und die man einfach kennen muss, um zu verstehen, warum unsere Medien vor die Hunde gehen (nachzulesen hier). Und da ist noch eine andere Geschichte, die ich schon lange in der Schublade habe – und für die jetzt der richtige Zeitpunkt gekommen ist.

Ich kenne die Augsburger Allgemeine (AA) nicht vom Hörensagen. Ich habe dort meine journalistische Ausbildung gemacht – in einer Zeit, in der das Haus noch von Männern geführt wurde, für die Journalismus ein Handwerk war und kein Haltungsprojekt. Chefredakteure wie Gernot Römer, Winfried Striebel, Rainer Bonhorst, der heute für die „Achse des Guten“ schreibt – gestandene Journalisten, Ehrenmänner. Männer, für die ich die Hand ins Feuer gelegt hätte. Und die auch vor Toten jeden Respekt gehabt hätten, ganz unabhängig von ihrer politischen Position.

Was das Haus heute hat, ist das Gegenteil.

Peinliche Suche

Das Branchenmagazin „medium magazin“ beschrieb die Situation 2023 schonungslos: Nach dem Abgang von Gregor Peter Schmitz – ein stramm linker Ex-„Spiegel“-Mann – wegen Unfähigkeit (er purzelte danach nach oben an die Spitze des „Stern“) suchte die AA monatelang erfolglos nach einem neuen Chefredakteur. Geeignete Kandidaten ließen sich nicht überzeugen. Wer Ambitionen hatte, schaute lieber woanders hin. Der Grund lag laut Insidern auch an den Verhältnissen ganz oben: eine zerstrittene Eigentümerfamilie, lähmende Blockaden, eine Führung, die mit sich selbst beschäftigt war.

Am Ende kam Peter Müller. Vom „Spiegel“. Zuvor Redenschreiber für Ursula von der Leyen – ein Mann mit feinem Gespür dafür, was die richtigen Leute hören wollen. Auf der Website der Augsburger Allgemeinen wird er genderkorrekt als „Autor*in“ geführt. Ein Detail – aber eines, das mehr über das Haus sagt als jede Leitbildbroschüre.

Dabei gab es den idealen Kandidaten längst im Haus: Jürgen Marks – ein toller Journalist, Focus-Online-Chef, dann Vize-Chefredakteur bei der AA. Ein Mann, der die Region kannte, das Handwerk beherrschte, bürgerlich und unbequem zugleich. Er flog raus. Ist heute Pressesprecher von Hubert Aiwanger.

Das ist keine Randnotiz. Das ist das System in seiner reinsten Form: Wer nicht passt, wird aussortiert. Wer ins rot-grüne Biotop passt, stolpert nach oben. Nicht wegen Können – sondern wegen Zugehörigkeit.

Vorauseilende Unterwerfung

Und der einst bürgerliche bis biedere Redaktionsapparat hatte sich schon unter Müller-Vorgänger Schmitz an dessen rot-grünen Kurs angepasst und apportiert auch unter dem neuen Chef weiter untertänig – bis auf wenige Ausnahmen.

Welche Auswüchse das hat, dafür lieferte Müller den Beweis mir persönlich – durch Nicht-Liefern. Im April 2025 berichtete die AA über die Einstellung eines absurden Beleidigungs-Verfahrens gegen mich – mit Verspätung, gehässig und mit einem sachlichen Fehler: Die Zeitung schrieb, ich sei als Beschuldigter „vernommen worden“. Tatsächlich beantwortete mein Anwalt lediglich einen Vernehmungsbogen. Ich schrieb Müller direkt an – höflich, sachlich, mit der Bitte um Korrektur.

Seitdem: Schweigen. Über ein Jahr lang (siehe hier). Keine Antwort, keine Korrektur, nichts. Faktentreue, Fehler-Einsicht, Presse-Ethik? Müller pfeift auf all das, was er in seinen Leitartikeln predigt.

 

Screenshot von der Website der Augsburger Allgemeinen: Chefredakteur Peter Müller kann dort – wortwörtlich – als „Autor*In“ gefolgt werden. Ein Symbol dafür, wie sich das Haus selbst inszeniert.

Zu meiner Zeit bei der Augsburger Allgemeinen wäre all das undenkbar gewesen. Nicht weil die alten Chefredakteure keine Fehler machten – sondern weil sie wussten, dass Fehler korrigiert werden müssen. Das war keine Tugend. Das war Selbstverständlichkeit.

Müller hat diese Selbstverständlichkeit offenbar im Spiegel-Fahrstuhl nach oben verloren.

Altbekannte Mechanismen

Was sind das für Menschen, die hinter solchen Entscheidungen stehen? Menschen, die Todesanzeigen verweigern, Leserbriefe ignorieren und Bürgerliche aussortieren – während sie ständig von  Vielfalt, Buntheit, Toleranz und Verantwortung reden. Die Antwort ist ernüchternd: Es sind keine Monster. Es sind Anpasser. Und Anpasser sind, in den falschen Händen, gefährlicher als jeder Überzeugungstäter – weil sie selbst nicht merken, was sie anrichten. All das kennen wir aus der Geschichte. Und die reimt sich. Nur mit anderem Lack.

Solche Analysen kosten Zeit, Nerven und Herzblut. Hinter mir steht keine Verlegerin, die der rot-grünen Schickeria gefallen möchte, und der ich nach dem Mund reden müsste, um meinen Job zu behalten ;-). Und ich bekomme auch kein Geld vom Staat oder vom Gebührenzahler. Umso dankbarer bin ich Ihnen, wenn Sie mich unterstützen. Hier.

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Bild: Symbolbild/KI/Grok / Screenshot von der Website der Augsburger Allgemeinen

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