„Man kann mit den AfD-Anhängern nicht diskutieren“ Die Leserbrief-Schreiberin zieht diesen Schluss – aus dem Streit mit mir

Meine Gegenrede zu dem Leserbrief, der die AfD als rechtsextrem und ihr Parteiprogramm als undemokratisch hinstellte und die üblichen Narrative zu Brandmauer und NS-Vergleichen bediente, hat weite Kreise gezogen. Ich bekam sehr viel Zuspruch – aber auch eine geharnischte Reaktion der Leserbriefschreiberin F. G. selbst. 13 Punkte lang, mit dem Vorwurf der Lüge, mangelnden Anstands und – besonders aufschlussreich – dem Urteil, Sie, meine lieben Leserinnen und Leser, seien nicht an ausgewogener Meinungsbildung interessiert, sondern brauchten „nur Argumente zum Dagegenhalten“. Das  verrate „viel über das Niveau, das Ihre Leserschaft …  tatsächlich hat.“

Die Antwort ist so typisch und so entlarvend, dass ich sie Ihnen nicht vorenthalten will. Auch weil sich inzwischen ein heikler Verdacht ergeben hat – aber dazu später mehr.

„Was trifft, trifft zu.“ – Karl Kraus

Was sie vorwirft – und was davon stimmt

Der Kern ihrer 13 Punkte (unten in voller Länge)  lässt sich auf vier Vorwürfe verdichten.

Erstens: Ich hätte ihren Brief ohne Erlaubnis veröffentlicht und damit mangelnden Anstand bewiesen. Wer einem Journalisten schreibt, der regelmäßig Leserbriefe veröffentlicht, muss damit rechnen, dass auch sein Brief veröffentlicht wird. Obwohl selbst eine Veröffentlichung mit Namen legitim gewesen wäre, anonymisiere ich Leserbriefe immer. Auch in ihrem Fall. Ich nehme Datenschutz sehr ernst – und weiß, dass viele meiner Leser das ähnlich sehen. Aber es gibt einen Unterschied: Wer jemandem persönlich eine schwierige Geschichte anvertraut oder um Vertraulichkeit bittet, verdient vollen Schutz. Wer einem Journalisten ohne persönliche Geschichte schreibt, um ihn zu kritisieren, schreibt in einen öffentlichen Raum. Was an einer anonymisierten Veröffentlichung unanständig sein soll, erschließt sich mir nicht.

Zweitens: Sie wirft mir vor, ich hätte gelogen und ihr Worte in den Mund gelegt. Sie habe nie behauptet, das Parteiprogramm der AfD sei rechtsextrem – nur undemokratisch. Stimmt, für diesen einen Begriff. Aber schauen wir auf ihren ersten Brief: „Was, wenn die Demokratie sich davor schützen möchte oder muss, abgeschafft oder aufgeweicht zu werden? Darf sie das? Muss sie das nicht sogar?“ Diese Frage ergibt nur Sinn, wenn man die Gefahr vorher unterstellt – und linksextrem ist die AfD nun wirklich kaum, es kann also nur um rechts gehen. Im zweiten Brief dann die Kehrtwende: „Ich kann gar nicht voraussetzen, dass die AfD die Demokratie bedroht.“ Genau das ist der Trick: Extremismus implizieren, sich aber die Rückzugslinie offenhalten – „Habe ich doch nie explizit behauptet.“ Explizit nicht. Aber der Gedanke war längst da, mitgeliefert in der Frage selbst. Beides kann nicht gleichzeitig stimmen. Entweder hat sie die Gefahr vorausgesetzt – dann beim zweiten Mal wahrheitswidrig bestritten. Oder sie hat sie nicht vorausgesetzt – dann war die Frage nach dem Schutz der Demokratie vor der AfD reine Rhetorik, ohne Substanz. So oder so: Nicht ich habe ihr etwas in den Mund gelegt. Sie hat sich selbst widersprochen – ich zitiere nur.

Drittens: Ich liefere keine fundierten Belege. Ihr Beweis dafür: keiner. In 13 Punkten findet sich kein einziger konkreter Satz, keine einzige Zeile, die sie als unbelegt bezeichnet. Der Vorwurf bleibt so abstrakt wie die angeblichen Belege, die sie vermisst. Umgekehrt liefert sie selbst keinen einzigen Beleg für „undemokratische“ Aussagen im Parteiprogramm der AfD, die sie unterstellt. Keinen einzigen.

Viertens: Frau G. schreibt:  „Man kann mit den AfD-Anhängern nicht diskutieren, da diese nicht zugänglich für Argumente sind. Ich hatte das bisher nicht glauben wollen. Danke, dass Sie mir die Augen öffnen!“ Ich habe mit ihr diskutiert. Argumente geliefert, ich bin kein AfD-Anhänger. Sie macht daraus den Beweis, dass man mit AfD-Anhängern nicht diskutieren kann. Das ist keine Logik mehr, das ist Leninsche Dialektik: Wer widerspricht, bestätigt nur die These.

Fünftens: Frau G. verteidigt die „Brandmauer“ als das Recht einer Partei, keine Koalition einzugehen. Das bestreitet niemand – das ist schlichte Koalitionsfreiheit. Kritisiert habe ich etwas anderes: eine koordinierte, parteiübergreifende Ausschlussvereinbarung gegen eine einzige Partei, unabhängig von deren Stimmenanteil. Das ist kein individueller Präferenzakt mehr. Das ist ein Kartell. Wer diesen Unterschied nicht sieht, hat den Begriff, über den er streitet, noch nicht verstanden. Oder will ihn nicht verstehen.

Sechstens: Zugegeben – bei meiner Klage über die NS-Vergleiche habe ich einmal „Hitler“ geschrieben – aber ich denke, es war klar, dass die Inflation von NS-Vergleichen allgemein gemeint ist und nicht ein Hitler-Personenvergleich im engen Wortsinn. Das war meine Ungenauigkeit, keine Falle. Aber selbst in der engen Lesart, die Frau G. verlangt: Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Hendrik Wüst nannte die AfD 2023 öffentlich „Nazipartei“ und Höcke einen „Nazi“. Die taz nannte AfD-Politiker „das freundliche Gesicht des NS“. Wenn Frau G. das nicht für einen Nazi-Vergleicht hält – was ist es dann? Aber es ist natürlich bequemer, sich auf den Namen Hitler zu stürzen, als sich mit der Sache auseinanderzusetzen.

Siebtens – und das ist der aufschlussreichste Punkt: Frau G. behauptet, meine Leser seien nicht an echter Meinungsbildung interessiert. Sie bräuchten höchstens Strategien, um andere Argumente von vornherein zurückzuweisen. Und das „verrät viel über das Niveau“ meiner Leser. Eine pauschale Abwertung von Menschen, die sie nicht kennt und die ihr nichts getan haben – formuliert in einem Brief, in dem sie mir mangelnden Anstand vorwirft.

Zwei Typen – und was sie verraten

Was mich an dieser Antwort mehr beschäftigt als die einzelnen Punkte, ist ihre Struktur. Sie illustriert zwei Typen, die man in der deutschen Debattenkultur täglich antrifft.

Der erste Typ: jemand, der wirklich ins Gespräch kommen wollte – und durch öffentliche Demontage seiner Argumente so überrascht und verletzt wird, dass die sachliche Ebene zusammenbricht. Der Brief wäre dann kein strategischer Schachzug, sondern ein Ventil. Das passiert. Es ist menschlich. Und es erklärt die Heftigkeit einer Reaktion, die zur ursprünglichen Anfrage in keinem Verhältnis steht.

Der zweite Typ: jemand, der von Anfang an nicht diskutieren, sondern testen wollte – wie ich reagiere, ob ich strauchle, ob ich mich verteidige. Der erste Brief war die Falle, der zweite die Eskalation, als die Falle nicht zuschnappte. Wer diesen Typ kennt, erkennt das Muster sofort: die höfliche Einladung mit dem Urteil am Ende, die dreizehn Anklagepunkte ohne einen einzigen Beleg, der Lügenvorwurf als Schlusspunkt.

Welcher Typ F. G. ist – das weiß ich nicht. Vielleicht weiß sie es selbst nicht.

Heikler Verdacht

Und nun zu dem, was ich anfangs angedeutet habe. Der Name unserer Leserbriefschreiberin ist nicht häufig. Eine Person dieses Namens ist – oder war – bei einer Nicht-Regierungsorganisation tätig, die vom Staat gefördert wird und mit ihm auch zusammenarbeitet. Sie ist dort für Kommunikation zuständig.

Ob es sich um dieselbe Person handelt, weiß ich nicht. Aber die Frage, ob sie es ist, geht mir nicht aus dem Kopf. Weil sich ihr Brief eben so liest, als käme er aus genau diesem Milieu – in Struktur, Rhetorik und Duktus. Die Technik, Schlüsse zu implizieren ohne sie direkt zu ziehen. Die bewusste Hintertür. Die Empörung, wenn die Implikation beim Namen genannt wird. Das sind keine zufälligen Stilmittel – das sind Werkzeuge, die man lernt.

Aber das ist kein Beweis. Und ich will hier nicht die Methoden anwenden, die ich anderen vorwerfe. Dabei wäre es so bequem, jetzt Schlussfolgerungen zu ziehen. Dass hier keine irritierte Leserin schrieb, sondern ein geschulter Kommunikationsprofi. Dass der Brief kein spontaner Ausbruch war, sondern eine Testanordnung – die nur auf den ersten Blick höfliche Anfrage als Köder, die 13 Punkte als Eskalation, als die Falle nicht zuschnappte. Dass mein Artikel getroffen hat, und die Antwort von jemandem kam, der genau weiß, wie man Debatten steuert, nicht führt. Dass all das typisch ist für ein bestimmtes Milieu.

Nur: Ich weiß es nicht. Ein seltener Name und ein auffälliger Duktus sind Indizien, keine Fakten. Wer daraus eine Tatsachenbehauptung macht, begeht exakt den Fehler, den ich F.G. vorgeworfen habe – Schlüsse ziehen, die die Beweislage nicht hergibt. Deshalb ziehe ich diese Schlussfolgerungen nicht, so verlockend sie wären. Ich stelle nur die Frage in den Raum, die mir nicht aus dem Kopf geht. Nicht mehr und nicht weniger.

Die meisten Leser unterstützen nicht — und das ist völlig in Ordnung. Wer aber ein Zeichen setzen möchte an die vielen Systemjournalisten, die uns weismachen wollen, Journalismus gehe nur mit Zwangsgebühren, Institutionen und staatlichen Hilfen, kann das hier mit seiner Unterstützung tun.

Der neue Brief von F.G. und meine Antwort

Ich verzichte darauf, alle 13 Punkte einzeln zu widerlegen – nicht weil ich es nicht könnte, sondern weil der Brief das bereits selbst erledigt. Wer ihn liest und dann meine Antwort, wird die nötigen Schlüsse ziehen. Ich vertraue darauf – trotz allem, was F. G. über das Niveau meiner Leser geschrieben hat.

Werter Herr Reitschuster,
selten habe ich mich nach einigen einfachen, sachlichen und freundlichen Fragen so einem Wust an unsachlichen, falschen und verdrehenden Unterstellungen ausgesetzt gesehen.
Ich hätte es abgesehen davon auch fair und eines seriösen Journalisten würdig gefunden, mich einmal kurz zu fragen, ob ich einverstanden bin, dass Sie meine E-Mail, die an Sie persönlich ging und nicht als Leserkommentar gedacht war, veröffentlichen dürfen. Aber gut, man kann nicht von allen Menschen solchen Anstand erwarten.
Ein paar Anmerkungen nun noch.
1. Belege für meine Formulierung „einfache Behauptungen ohne Belege“ finden Sie zuhauf selber in Ihren Texten, nämlich immer dann, wenn Sie etwas einfach behaupten ohne es zu belegen. Ich dachte, dass Belege dann erforderlich sind, wenn die Tatsachen nicht so klar ersichtlich sind. Dass Sie Dinge schreiben ohne Belege ist eine offensichtliche Tatsache, Sie wissen das selber, und womöglich wissen Sie auch, warum. Mir ist es oft egal. Aber in diesem Fall fände ich es wichtig, dem einmal fundierter auf den Grund zu gehen, ob diese Partei nun zu Recht oder zu Unrecht vom Verfassungsschutz als gesichert rechtsextrem oder als solcher Verdachtsfall eingestuft wird. Das müsste doch eigentlich auch für Ihre ganze Leserschaft interessant sein! Dass diese (außer mir) das offenbar nicht interessiert, sondern dass Sie ganz genau wissen, dass diese nur Argumente zum Dagegenhalten brauchen, und nicht, um sich ein ausgewogenes und differenziertes Bild zu machen, ist aufschlussreich und verrät viel über das Niveau, das Ihre Leserschaft Ihrer Meinung nach oder tatsächlich hat. Man ist nicht offen für andere Argumente, man braucht höchstens Strategien, um diese von vornherein zurück zu weisen. Dann stimmt es doch, was viele Nichtanhänger der AfD beklagen: man kann mit den AfD-Anhängern nicht diskutieren, da diese nicht zugänglich für Argumente sind. Ich hatte das bisher nicht glauben wollen. Danke, dass Sie mir die Augen öffnen!
2. Ich kann gar nicht voraussetzen, dass die AfD die Demokratie bedroht, sondern ich wollte genau darüber ins Gespräch kommen, auf entsprechende Inhalte, die das belegen oder entkräften, eingehen, mir mit anderen Interessierten eine fundierte Meinung bilden. Schade, dass Sie das nicht verstanden haben.
3. Ich war der Meinung, dass „Brandmauer“ ein Begriff ist, der verwendet wird für die Tatsache, die ursprünglich besagt, dass eine Partei es ausschließt, mit dieser Partei zusammenzuarbeiten. Und ich bin weiterhin der Meinung, dass das ein gutes Recht einer jeden Partei und wenn es angestrebt wird, meistens auch sinnvoll ist. Ob es uns passt oder nicht. Von daher verfängt Ihre Aufforderung, ich solle mir das in Bezug auf „meine Lieblingspartei“ (sowas habe ich übrigens nicht, sondern es gibt Parteien, deren Zielen ich mehr oder weniger zustimme oder deren Ziele ich mehr oder weniger ablehne, und diejenige, der ich unterm Strich am meisten zustimme und die ich am wenigsten ablehne, die wähle ich dann; das verniedlichende Wort „Liebling“ hat damit nichts zu tun) vorstellen, nicht, denn ich fände es absolut richtig, wenn eine Partei, „die mir überhaupt nicht passt“, eine Koalition mit der Partei, die ich wähle, ablehnt! Wohin das führt, wenn Parteien gemeinsam regieren, die konträr liegen, haben wir ja gesehen, das ergibt nämlich wenig Konstruktives. Übrigens hängt mein Urteil, anders, als Sie mir unterstellen, ganz sicher nicht von Sympathie ab.
4. Sie schreiben, ich würde die Einschätzung des Verfassungsschutzes zur Einstufung der AfD als rechtsextremer Verdachtsfall nicht hinterfragen. Oh doch! Ich möchte ja gerade der Frage auf den Grund gehen, ob das stimmt oder nicht. Genau darum schrieb ich Ihnen. Das haben Sie nur leider auch nicht verstanden.
5. „Es gibt nur zwei Geschlechter“, das haben Sie ausgewählt als absurdes Beispiel. Ja, man kann etwas herausgreifen und anderes weglassen, aber eigentlich müsste man sich, um sich und anderen ein fundiertes Urteil zu erlauben, das ganze Gutachten mit ALLEN Argumenten, nicht nur den absurdesten, anschauen. Ich werde das jetzt tun. Einem „Hütchenspielertrick“ sehe ich mich nicht erlegen, da ich immer noch auf der Suche nach der Wahrheit bin und gerade NICHT diese Gutachten nachbete, auch wenn Sie das wiederholt behaupten.
6. Wenn Sie es als eine Verharmlosung des Holocaust benennen, den Nationalsozialismus in einem Atemzug mit etwas anderem zu nennen (und ich stimme Ihnen da zu!), warum tun Sie es dann wieder und wieder in Ihren Texten? Ich könnte mir die Mühe machen, die Stellen herauszusuchen, wenn Sie darauf beharren, reiche ich das gerne nach, aber Sie wissen ja selber, was Sie geschrieben haben! Erinnerungen an/Vergleiche zu finstersten Zeiten drängen sich auf, so oder ähnlich liest man öfter bei Ihnen. Dann lassen Sie das doch, Sie würden glaubwürdiger wirken!
7. Jeder unliebsame Politiker wird mit Hitler verglichen? Das ging an mir vorbei. Dabei gibt es so viele unliebsame Politiker.
Können Sie mir zwei oder drei Beispiele nennen, wer wann mit welchem Argument welchen Politiker mit Hitler verglichen hat? Das würde mich wirklich interessieren!
8. Ich habe tatsächlich das Parteiprogramm der AfD von Sachsen-Anhalt in großen Teilen sehr genau gelesen. Ich finde es ärgerlich, mir von Ihnen unterstellen zu lassen, dass ich das nicht getan hätte. Vielleicht lesen Sie nochmal, was ich Ihnen in diesem Zusammenhang geschrieben habe. Es ging um „Undemokratisches“. Und ja, ich finde einiges daraus undemokratisch, ich könnte das sofort ausführen, aber Sie waren ja so gar nicht daran interessiert, was ich meine (korrigieren Sie mich, wenn ich Ihnen unrecht tue).
9. Warum lügen Sie und schreiben mir und allen Ihren Lesern, dass ich behaupte, das Programm der AfD sei rechtsextrem??? Wo habe ich das behauptet???
10. Sie schreiben auch, hier sei die fundierte Begründung, um die ich gebeten hätte. Ich habe sie leider nicht gefunden. Welche Sätze von sich meinen Sie?
11. Wer stellt „allen anderen Parteien“ außer der AfD einen „Blankoscheck“ aus? Die Medien? Seltsam, ich lese und höre relativ viel Kritik an allen verschiedenen Parteien. Und ich, falls Sie mich meinen, obwohl ja in meiner kurzen E-Mail von anderen Parteien überhaupt nicht die Rede war, habe selber sehr viel Kritik an denen. An allen. Die meisten sind für mich absolut unwählbar. Wenn meine vorsichtige Kritik an der AfD bei Ihnen dazu führt, mir zu unterstellen, dass ich alle anderen unkritisch gutheiße, dann frage ich mich, wie Sie mit so vielen Klischees im Kopf und mit so vielen Vorurteilen Ihren Beruf Ihren eigenen Ansprüchen gemäß ausüben können, Journalismus setzt doch die Fähigkeit zu Vorurteilslosigkeit und Ausgewogenheit voraus…?
12. Und doch, die Fragen „Was haben wir falsch gemacht? Was können wir besser machen?“ werden in Deutschland gestellt. Das weiß sogar ich! Wenn Sie es nicht wissen, informieren Sie sich einfach! Sie können über Ihre Suchmaschine sehr, sehr viel dazu finden.
13. Und schließlich: ich stemple niemanden als rechts ab, der die „Verteufelung“ der AfD kritisiert. Im Gegenteil, ich suche solche Gespräche mit denen, um zu verstehen, und lerne gerne dazu. Genauso möchte ich von Ihnen nicht abgestempelt werden, nur weil ich selber etwas kritisiert habe. Ich hatte gehofft, dass Sie das nicht tun würden. Sie haben mich leider eines anderen belehrt.
In der Hoffnung, dass auch Sie mal über einige meiner Worte nachdenken und sich vielleicht sogar freuen, wenn eine Ihrer Leserinnen um eine möglichst differenzierte Meinung ringt, in diesem Sinne viele Grüße
F.G.

Meine Antwort:

Sehr geehrte Frau G.,

ich werde nicht auf alle 13 Punkte eingehen – das würde weder Ihnen noch mir dienen. Wer die Argumente meines Artikels und Ihre Antwort nebeneinanderlegt, wird Strohmannargumente, interne Widersprüche und unbelegte Behauptungen finden – auf welcher Seite, das überlasse ich dem Urteil meiner Leser.

Zum Vorwurf des fehlenden Anstands: Sie haben an einen Journalisten und Betreiber einer öffentlichen Plattform geschrieben, der seit Jahren regelmäßig Leserbriefe veröffentlicht. Eine Bitte um Vertraulichkeit haben Sie nicht geäußert. Ich hätte mit vollem Namen veröffentlichen können – das wäre legitim gewesen. Stattdessen anonymisiert. Das ist nicht das Gegenteil von Anstand.

Sie bezeichnen Ihre ursprüngliche Anfrage als „einfach, sachlich und freundlich“. Ich erinnere daran, dass sie mit dem Satz endete: „Das wäre toll und um vieles interessanter als einfache Behauptungen ohne Belege“ – ein Vorwurf, verkleidet als Einladung. Meine detaillierte Antwort darauf als „Wust an unsachlichen, falschen und verdrehenden Unterstellungen“ zu bezeichnen, ohne einen einzigen dieser angeblichen Fehler konkret zu benennen: Das, Frau G., ist das Gegenteil von sachlich. Und wenn wir schon beim Anstand sind – einfach so meiner Leserschaft mangelndes Niveau zu attestieren – Menschen, die Sie nicht kennen und die Ihnen nichts getan haben – ich überlasse es dem Urteil genau dieser von Ihnen pauschal abgewerteten Leser, zu beurteilen, wie anständig das ist.

Einen Punkt möchte ich klarstellen: Ich habe Ihren Vorwurf zum Parteiprogramm – „all das Undemokratische, was ja tatsächlich da so steht“ – als Behauptung über Rechtsextremismus ausgelegt. Sie werfen mir nun vor, das sei eine Lüge. Es war eine naheliegende Interpretation: Wer einem Parteiprogramm attestiert, es enthalte nachweislich Undemokratisches, legt damit nahe, die Partei sei extremistisch – und linksextrem ist die AfD kaum. Das ist dieselbe Technik, die Ihr Brief von Anfang an anwendet: Schlüsse implizieren, ohne sie direkt zu ziehen, um sich bei Bedarf herausreden zu können. Eine Lüge war meine Interpretation jedenfalls nicht. Den Unterschied kennen Sie. Die Formulierung habe ich dennoch präzisiert.

Ihre Methode ist sehr typisch für die Diskussion in Deutschland: Sie implizieren durch Formulierungen und Duktus etwas, ohne es direkt zu schreiben – dass die AfD rechtsextrem sei – und wenn ich die naheliegende Interpretation ziehe und das, was Sie in einem fort andeuten, beim Namen nenne, bezichtigen Sie mich der Lüge. Das ist eine rhetorische Methode, die ich in meinem Artikel bereits beschrieben habe – und die Sie nun ein zweites Mal anwenden. Dass Sie mir gleichzeitig mangelnden Anstand vorwerfen, rundet das wirklich sehr interessante und lehrreiche Bild ab.

Ihr Vorwurf, das Parteiprogramm enthalte nachweislich Undemokratisches, steht weiterhin ohne ein einziges konkretes Beispiel.

Ich wünsche Ihnen bei der Lektüre des Gutachtens erhellende Erkenntnisse.

Ob Sie mit Ihrem Brief wirklich nach Antworten gesucht haben oder etwas anderes im Sinn hatten – ich bin mir, offen gestanden, nicht sicher. Vielleicht wissen Sie es selbst nicht.

Mit freundlichen Grüßen

Boris Reitschuster

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Bild: Symbolbild/KI/Grok

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