Wie ARD & ZDF den Holocaust als Wahlwaffe missbrauchen AfD-Erdrutsch in Sachsen-Anhalt – Überlebende als Angst-Kulisse

Ich denke, wir sind alle hart gesotten, was Diffamierungen gegen die AfD angeht – und kaum ein Nazi-Vergleich kann uns noch wundern. Aber dennoch – was ich heute früh nach dem Erdrutsch-Sieg der Partei in Sachsen-Anhalt bei der ARD auf tagesschau.de fand, hat mich umgehauen. Da ist die 93-jährige Holocaust-Überlebende Charlotte Knobloch zu sehen, mit gefalteten Händen und sorgenerfülltem Gesicht. Und dann steht da unter der Dachzeile „Reaktionen auf AfD-Wahlsieg“ die Überschrift: „Das macht mir Angst“. „Nach dem AfD-Sieg in Sachsen-Anhalt äußern sich Kirchen und jüdische Organisationen besorgt. Holocaust-Überlebende wie Charlotte Knobloch reagieren fassungslos. In mehreren Städten gab es Demonstrationen.“

Infamer geht es kaum noch.

Die Anstalts-Propagandisten nutzen die greise Holocaust-Überlebende für ihre politische Agenda – und primitive Stimmungsmache gegen den Wahlsieger.

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Man kann für die AfD sein und gegen die AfD, alles ist legitim – aber sie auf diese Art und Weise in eine Verbindung mit dem Holocaust zu bringen, das ist mehr als nur infam. Es ist niederträchtig. Und in der geistigen Tradition von genau dem, was die Haltungskrieger in den Redaktionen zu bekämpfen vorgeben. 

Die Suggestion ist ebenso dreist wie absurd: Stimmzettel, die nicht so ausgefüllt sind, wie es sich die Kulturkrieger in den Redaktionen wünschen, als Vorstufe zu einer Katastrophe.

Dass es Charlotte Knobloch so empfindet, ist kein Zufall. Wer die Shoah überlebt hat und seit Jahren tagein, tagaus in allen großen Medien hört, die AfD sei die Wiederkehr von damals, der bleibt oft nur diese eine Deutung. Die Medien formen das Bild. Anschließend präsentieren sie das geformte Bild als unabhängiges Zeugnis. Das ist der Kreis: Dieselben, die die Angst grob vorgezeichnet haben, zitieren sie, um sie weiter zu befeuern.

Das Problem ist nicht, dass eine Überlebende Angst äußert. Das ist ihr gutes Recht. Das Problem ist, dass der öffentlich-rechtliche Apparat diese Angst zur Meistererzählung gemacht hat, sie ständig mit gebetsmühlenhaften Wiederholungen schürt.

Und das ist kein Einzelfall.

Am selben Wahlabend zeigte das ZDF-„heute journal“ die „Omas gegen Rechts“ – nicht mit einem Plakat gegen ein Wahlprogramm, sondern mit den Gesichtern von Holocaust-Überlebenden. Riesige Porträts, an die Mauer einer Kirche gelehnt, als wäre die Shoah die Kulisse für Sachsen-Anhalt. Eine der Frauen sagt, man wolle verdeutlichen, „was passieren könnte“. Was passieren könnte: nicht eine andere Landesregierung. Der nächste Untergang. Das ZDF will erreichen, dass seine Zuschauer einen AfD-Wahlerfolg bei einer Landtagswahl und den Holocaust in einem Bild zusammendenken. Die Toten und die Geretteten als Warnschild gegen Wahlentscheidungen von Menschen, die den Redaktionen nicht passen.

Erst die ARD mit Charlotte Knobloch. Dann das ZDF mit einer ganzen Galerie von Überlebenden. Dieselbe Operation: Das größte Verbrechen deutscher Geschichte wird instrumentalisiert. Regelrecht aufgebaut, ausgerichtet, in die Kamera gehalten – gegen den Wahlsieger. Beim ZDF eine Kampfgruppe, die sich als Gewissen der Republik verkauft und die Shoah als Drohkulisse aufbaut. Ausgerechnet in ihrem Berliner Ableger steht mit Maja Wiens eine Frau an der Spitze, die als Stasi-IM „Marion“ für eine Diktatur gespitzelt hat. Das ZDF fragt nicht nach. Es filmt die Mahnwache. Einmal das Gesicht der Erinnerung, einmal die Geste der Warnung. Zielidentisch: Wer gestern in Sachsen-Anhalt die „falsche“ Partei angekreuzt hat, soll nicht als Bürger dastehen, der Steuern, Grenzen, Schulen, Kriminalität oder das Gefühl politischer Bevormundung satt hat. Er soll als Mittäter einer historischen Wiederholung dastehen.

Genau hier liegt die Niedertracht.

Die finstersten Jahre deutscher Geschichte werden nicht mehr als Lektionen und Mahnung verhandelt. Sie werden missbraucht. Sie dienen nicht mehr der Trauer und nicht der Lehre, sondern dem Konkurrenzkampf um Deutungshoheit und Mandate. Auschwitz ist dann kein Zivilisationsbruch mehr, der für sich steht und stehen muss – es wird zur Munition gegen einen Gegner, den man an der Wahlurne nicht mehr stellen kann. Wer so kämpft, braucht keine Argumente über Landespolitik. Er braucht das größte Verbrechen, das dieses Land kennt, als Keule.

Das ist geistig verwandt mit genau dem, was die Redaktionen zu bekämpfen vorgeben: die Verzweckung von Menschen, die Verzweckung von Leid, die Verzweckung der Toten. Damals für eine Ideologie. Heute für eine Haltung. Der Unterschied in der Dimension ist absolut. Der Unterschied in der Methode ist kleiner, als es den Haltungskriegern lieb sein kann. Sie senken die Schwelle, bis jede unliebsame Mehrheit nach 1933 klingt. Und wenn jede Mehrheit nach 1933 klingt, klingt 1933 irgendwann nach Wahlkampf.

Und die Selektion verrät die Absicht. Dieselbe Partei, die hier in einem Atemzug mit Auschwitz verkauft wird, hat auffallend oft Position für Israel bezogen – schärfer als manch etablierte Partei oder manches Medium, das sich Erinnerung auf die Fahne schreibt. Der massive Antisemitismus im Milieu muslimischer Zuwanderer, die Anschläge, die „from the river to the sea“-Rufe, die unsichtbaren Juden, die ihre Kippa einstecken müssen aus Angst vor Gewalt in deutschen Städten: Bei denselben Redaktionen bleibt das Randnotiz, Folgeschaden, irgendwie kompliziert. Die Shoah taugt als Waffe gegen den Wahlsieger. Als Maßstab für den Judenhass der Gegenwart taugt sie plötzlich nicht.

Und sie machen weiter. Nicht einen Tag Pause nach dem Erdrutsch. Dieselben Angst-Schlagzeilen, dieselbe Shoah-Kulisse, dasselbe moralische Trommelfeuer wie in den Wochen, Monaten, Jahren davor. Als hätte Sachsen-Anhalt nicht stattgefunden. Als wäre die Lehre aus 44 Prozent: noch mehr davon. Sie kapieren nicht, dass genau dieses Verfahren den Erfolg der AfD mitbefeuert hat – die Dauerbelehrung, der Nazi-Vergleich auf Knopfdruck, die Überlebende als Warnschild. Wer Menschen jahrelang erklärt, ihre Stimme sei der Anfang vom Untergang, darf sich nicht wundern, wenn diese Menschen diesen Erklärern an der Wahlurne die rote Karte zeihen. In den Anstalten kapieren sie das Ergebnis nicht. Sie übersetzen es einfach in die nächste Moralpredigt.

Die AfD kann man hassen oder wählen.

Beides ist legitim. Den Verfassungsschutz kann man für eine Autorität halten oder für eine Streitaxt der Regierung, die ihm Weisungen erteilen kann. Beides ist zulässige Meinung. Aber nichts rechtfertigt, die Shoah zur Überschrift einer Landtagswahl zu machen. Man kann Josef Schuster, dem Chef des Zentralrats der Juden in Deutschland, und Charlotte Knobloch jede Sorge zugestehen, die sie formulieren. Nichts davon zwingt eine Redaktion, die Shoah zur Dachzeile der Wahlnacht zu machen. Nichts davon zwingt das ZDF, „was passieren könnte“ als Chiffre für den nächsten Untergang stehen zu lassen.

Das ist nicht Erinnerungskultur. Das ist Propaganda mit der Instrumentalisierung der Verbrechen des Nationalsozialismus. Wer  die Opfer von damals braucht, um die Wähler von heute zu delegitimieren, hat nicht nur jeglichen Anstand, sondern auch jegliche demokratische Gesinnung verlassen. Statt zu versuchen, mit Argumenten zu überzeugen, nutzt er die dunkelsten Kapitel der deutschen Geschichte als Werkzeug zur Diffamierung Andersdenkender.

Die Shoah ist kein Wahlplakat. Wer sie dazu macht, schändet nicht die AfD. Er schändet die Opfer.
Solche ketzerischen Artikel, die viel Zeit und Herzblut kosten, werden Sie in den großen Medien nicht lesen, und auch dort kaum, wo es vor allem um kurzweilige Empörung geht. Wenn Ihnen solche Texte etwas wert sind, ist Ihre Unterstützung für mich besonders wertvoll. Hier steht, wie es geht.

Bild: Screenshot ARD

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