Hier geht es direkt zu meinem Video aus Polen
Es war ein doppelter Schock. In Köln darüber, wie heruntergekommen die Stadt ist; darüber, dass man sich streckenweise eher im Nahen Osten fühlt als im alten Deutschland; darüber, dass mich ein guter Freund dort warnte, die unterirdische Stadtbahn-Station in der Nähe sei gefährlich, weil da immer Drogendealer herumlungern. Über Demos mit roten Fahnen mit Hammer und Sichel, nach denen Müllberge auf der Straße blieben. Über die vielerorts angespannte, gereizte Atmosphäre in der Stadt, die Aggression, die in der Luft liegt.
Und dann gleich darauf Breslau in Polen, gut eine Flugstunde entfernt – auf der Durchreise zu dem großen Wirtschaftsforum in Karpacz im Riesengebirge, wo ich zu Gast bin. Es war wie eine völlig andere Welt. Wie das alte Deutschland. Ein Stadtbild, wie wir es von früher kennen. Sauber, herausgeputzt, völlig friedlich, keinerlei Aggression. Die Menschen tiefenentspannt, locker, das Gegenteil von gereizt und angespannt. Endgültig umgehauen hat mich der Hauptbahnhof in Wroclaw. Er ist wie das völlige Kontrastprogramm zum Kölner Hauptbahnhof, an dem ich am Tag zuvor war. Wie zwei Parallel-Universen.
Keine Partyszene, keine Penner (sie sind wohl nach Deutschland ausgewandert), alles völlig sauber, herausgeputzt, man fühlt sich wie im eigenen Wohnzimmer. Ich habe all das aufgenommen in einem kurzen Video, das Sie hier ansehen können.
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Ein Freund, dem ich das Video schickte, und der Ende der 2000er-Jahre in Breslau arbeitete, schrieb mir: „Der Bahnhof sieht gut aus. Bin natürlich auch oft am Bahnhof gewesen. Damals war es eine Mischung aus heruntergekommener Vernachlässigung, Tauben, dreckigem Boden, Zigarettenkippen, vergossenem Kaffee und gewissen Erneuerungen und Modernisierungen. Es scheint, in Polen hat sich fast kontinuierlich alles verbessert, während in Deutschland allzu oft der gegenteilige Trend anhält, und wenn Modernisierung, dann à la Stuttgart 21. – Auch die Tankstellen in Polen wurden immer größer, mit besserem Sortiment, die Toiletten sauberer und der Service besser, während man in Deutschland oft einen unappetitlichen Schlüssel an einer abgegriffenen leeren Ölbüchse bekommt, einmal ums Haus gehen muss, um dann ein ziemlich böses Loch vorzufinden.“
Dem ist eigentlich nichts mehr hinzuzufügen. Der alte Osten wird das, was früher der „Westen“ war. Außer dem, was eine gute Bekannte aus Thüringen schrieb, der ich das Video ebenso schickte: „Polen entwickelt sich prächtig, alles ist sauber und wir ersticken im Chaos. Wenn das meine Oma sehen würde! Sie hat immer über ‚polnische Wirtschaft‘ (sie meinte damit Unordnung) bei den polnischen Mietern über uns gesprochen.“
Was man dabei nicht vergessen darf: Es liegt nicht nur an der viel klügeren Migrationspolitik der Polen, die unseren Irrsinn nicht nachmachen. Es liegt auch daran, dass Polen über die EU massive Transferleistungen erhalten hat – darunter auch sehr viel Geld des deutschen Steuerzahlers, das wiederum in Deutschland fehlt.
Aber ganz egal, warum – es ist verrückt, wie sich alles umdreht. Und selig sind nur die vom öffentlich-rechtlichen Rundfunk erfolgreich Berieselten, die wirklich glauben, sie lebten im „besten Deutschland aller Zeiten“. Die Verdrängungsarbeit, die sie dafür leisten müssen, ist aber enorm. Und nach Polen sollten sie ganz sicher nicht reisen – sonst würde die Verdrängung in sich zusammenbrechen wie ein Potemkinsches Dorf, dem gerade die Fassade wegbröckelt.
Doch nun wirklich zum Video – voilà. Bitte teilen Sie es auch und schicken Sie den Link (https://youtu.be/BBNAoVnYYDQ) Freunden, Bekannten, Kollegen und Nachbarn – damit die sich auch ein Bild machen können.
Wer Polen für rückständig hält, wie viele in unseren Medien und unserer Politik, hat den Bezug zur Realität verloren. Ich versuche, meinen zu behalten – auch wenn das unbequeme Wahrheiten bedeutet, die viele nicht hören wollen. Das geht, weil ich niemandem Rechenschaft schuldig bin außer Ihnen, meine lieben Leser! Das geht aber nur, wenn Sie nicht nur mitlesen, sondern auch mithelfen. Hier steht, wie es geht. 1000 Dank!
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Bilder: Boris Reitschuster
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