ARD setzt Union und AfD gleich – Medien hyperventilieren Posse in mehrfacher Hinsicht

So absurd einerseits die Aufregung und die Panikmache in Sachen AfD-Erfolg sind – so spannend sind sie manchmal journalistisch. Denn einige Geschichten haben gleich mehrere Ebenen. Wie die vorliegende. „Union und AfD gleichgesetzt: ARD räumt Fehler bei einem funk-Beitrag ein“, schreibt der „Spiegel“. Den Stein des Anstosses fasst das Hamburger Blatt wie folgt zusammen: „In einer Instagram-Story des Jugend-Netzwerks funk wurden Vertreter von CDU und CSU politisch in die Nähe der AfD gerückt. Die verantwortliche ARD teilt nun mit: Der Beitrag entspreche nicht den eigenen Standards.“

Interessant sind die Details – die der „Spiegel“ und andere Medien im Kleingedruckten verstecken. Weil sie den denkenden Teil der Leserschaft verwundern könnten.

Das Hamburger Magazin schreibt über die Instagram-Story unter dem Titel „Die da oben!“, die das so genannte Content-Netzwerk (deutsche Ausdrücke werden tunlichst gemieden) „funk“ veröffentlicht hat – ein öffentlich-rechtliches Politik-Format für junge Zuschauer. In dem „Spiegel“-Text heißt es: „Die Story hatte für Diskussionen gesorgt, da in dem Beitrag für das Video ‘Was ist rechts?‘ geworben wurde, in dem erklärt wird, welche Personen, Verbände und Strömungen als ‘politisch rechts‘ gelten. Der verhängnisvolle Satz: ‘Björn Höcke, Alice Weidel, Friedrich Merz und Markus Söder haben was gemeinsam: Sie sind rechts.‘“

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Das ist Realsatire vom Feinsten.

Denn zum einem wird deutlich, dass die Pervertierung der politischen Grundrichtung „rechts“ zum Kampfbegriff salopp ausgedrückt ihre eigenen Kinder frisst. Während Politiker links der Mitte sich ohne jede Hemmungen als „links“ bezeichnen, hüten sich Liberale und Christdemokraten vor der Bezeichnung „rechts“ wie der Teufel vor dem Weihwasser oder Ricarda Lang vor einem Hochschulabschluss. Wobei sie damit inzwischen sogar Recht haben: Denn Friedrich Merz, Markus Söder und Christian Lindner stehen den Grünen in zentralen Politikfeldern so nahe, dass sie wohl wirklich eher links der politischen Mitte zu verorten sind. Zumindest der alten Mitte – wenn man die Gezeitenverschiebung der politischen Landschaft nach links in den vergangenen 24 Jahren herausrechnet.

Insofern tut „funk“, für das ARD und ZDF Inhalte produzieren, Söder und Merz wirklich Unrecht. Sie sind auch im klassischen Sinne nicht rechts.

Und so räumte die ARD nun ein, „dass die Instagram-Story nicht den eigenen Standards entspreche“, wie der „Spiegel“ mitteilt und aus der Entschuldigung der Anstalt zitiert: „Man habe Politiker der AfD und Politiker der CDU/CSU als gleichermaßen ‘rechts‘ bezeichnet, das sei ein Fehler gewesen.“

Was auch wieder ein Fehler ist. Denn in dem umstrittenen Post werden Weidel, Höcke, Merz und Söder eben nicht als „gleichermaßen rechts“ bezeichnet. Wenn ich sage, dass sowohl Gregor Gysi als auch Boris Pistorius links sind, dann sage ich damit nicht automatisch, dass sie „gleichermaßen links“ sind.

Aber mit so viel Genauigkeit in Sachen Sprache scheinen heute viele Journalisten überfordert.

Ganz oben angesiedelt

Die ARD wurde offenbar derart nervös, dass sich SWR-Intendant Kai Gniffke höchstselbst einschaltete – der nebenbei auch noch amtierender ARD-Chef ist: „Die Instagram-Story von ‘Die da oben!‘ entspricht nicht unseren journalistischen Standards und wir teilen die Kritik daran. Gemeinsam mit der Redaktion von funk werden wir diesen Fehler aufarbeiten“, schrieb Gniffke.

Mit anderen Worten: Die Leitung wird dafür sorgen, dass das politische „Framing“ wieder so ausfällt wie gewünscht. Oder bestellt. Oder beides.

Meinungsfreiheit? War einmal!

Wenn Mitarbeiter der ARD eine politische Einschätzung haben, die den Chefs nicht passt, dann entschuldigen die sich dafür und „arbeiten das auf“. Und sie genieren sich dafür gar nicht, sondern machen das auch noch öffentlich.

Wie in autoritären Systemen. Wobei die ihren Meinungsdruck heutzutage zuweilen schamhafter betreiben.

So absurd ich es finde, die heutige Union und die FDP als „rechts“ zu bezeichnen, und so sehr ich es verurteile, dieses Wort als Kampfbegriff zu benutzen – so sehr finde ich, dass dies durch die Meinungsfreiheit gedeckt ist.

Dass man dafür Zwangsgebühren zahlen muss und die Anstalten für dieses Geld grüne Dauer-Wahlwerbung machen, steht auf einem anderen Blatt.

In welcher Geschwindigkeit und Intensität der politisch-mediale Komplex sich aktuell selbst entlarvt, ist atemberaubend.

Was kommt wohl morgen?

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Bild: Screenshot/Youtube/funk
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