Bargeld bleibt wichtigstes Zahlungsmittel Scheine und Münzen stehen weiter hoch im Kurs

Von reitschuster.de

In den vergangenen drei Jahren hat das Bargeld bei den Verbrauchern in Deutschland stetig an Beliebtheit eingebüßt. Manche Beobachter sahen in dieser Entwicklung bereits die ersten Anzeichen für das schleichende Verschwinden von Münzen und Scheinen als Zahlungsmittel. Doch jetzt zeichnet sich eine neuerliche Trendwende ab. Zu dieser Einschätzung kommt das Beratungsunternehmen BearingPoint nach der Auswertung einer von ihm in Auftrag gegebenen Yougov-Umfrage unter Verbrauchern in Deutschland und Österreich. Demnach gaben 69 Prozent der Bundesbürger an, am liebsten mit Bargeld zu bezahlen, bei unseren Nachbarn taten dies sogar 77 Prozent.

„Bargeld ist mit Abstand die beliebteste Zahlungsmethode in Deutschland und Österreich. Die Tatsache, dass sich die Nutzung von Bargeld weiterhin hartnäckig auf hohem Niveau hält, liegt unter anderem daran, dass in unsicheren Zeiten das Bargeld als besonders vertraut empfunden wird“, erläutert BearingPoint-Experte Christian Bruck die Entwicklung. Sowohl in Deutschland (57 Prozent) als auch Österreich (59 Prozent) wird die „Vertrautheit“ als wichtigster Vorteil des Bargelds angegeben. Dagegen spielt der Faktor „Anonymität“ in der Alpenrepublik (58 Prozent) für die Verbraucher eine deutlich größere Rolle als in der Bundesrepublik (44 Prozent). Den Deutschen scheint die „Schnelligkeit“ (48 Prozent) und „jederzeitige Verfügbarkeit“ der traditionellsten aller Zahlungsmethoden noch etwas wichtiger zu sein.

Und auch die Zukunft des Bargelds scheint gesichert, zumindest wenn es nach dem Willen der Verbraucher geht. Eine überwältigende Mehrheit der Befragten sieht sich sowohl in Deutschland (74 Prozent) als auch in Österreich (65 Prozent) auch in zehn Jahren noch mit Scheinen und Münzen bezahlen. Innerhalb der nächsten zwei Jahre vollständig auf den bargeldlosen Geldtransfer umzusteigen, können sich in beiden Ländern dagegen nur 13 Prozent der Bevölkerung vorstellen.

PayPal und Debitkarte landen auf den Plätzen

Direkt hinter dem Bargeld reihen sich PayPal und die Debitkarte als beliebteste Zahlungsmethoden ein, jedoch unter verschiedenen Vorzeichen. In Deutschland (61 Prozent) landet PayPal auf Platz 2, während in Österreich nur 45 Prozent regelmäßig auf dieses Angebot zurückgreifen. Bei der Debitkarte herrscht dagegen ein umgekehrtes Kräfteverhältnis. Diese Form des kontaktlosen Bezahlens ist in der Alpenrepublik (56 Prozent) deutlich beliebter als in Deutschland (42 Prozent). Eine mögliche Erklärung hierfür könnte sein, dass das in den vergangenen beiden Jahren propagierte „hygienisch sichere“ Bezahlen in der Wahrnehmung der Verbraucher hierzulande kaum noch eine Rolle spielt, während es in der Alpenrepublik als einer der häufigsten Gründe für das bargeldlose Bezahlen angegeben wurde.

Die ältere Generation (45 Jahre und älter) setzt vor allem auf das Bargeld, bei der jüngeren Generation (18 – 24 Jahre) gewinnen mobile Bezahldienste wie Klarna, Apple Pay oder Amazon Pay immer mehr an Beliebtheit. Dabei ist dieser Trend in Österreich noch etwas stärker ausgeprägt als in Deutschland. So bezahlt bei unseren Nachbarn schon jeder vierte junge Erwachsene mit Apple Pay und damit – prozentual gesehen – doppelt so viele wie in Deutschland.

Digitaler Euro kommt im Bewusstsein der Verbraucher an

Der Digitale Euro ist zwar noch Zukunftsmusik und wird wohl frühestens im Jahr 2026 als Zahlungsmittel zur Verfügung stehen, aber immerhin zwei Drittel der Menschen in Deutschland und Österreich haben davon schon einmal gehört. Die deutliche Mehrheit sieht darin jedoch höchstens eine Ergänzung zum Bargeld. Dass der Digitale Euro Scheine und Münzen komplett ersetzen wird, glauben in beiden Ländern nur 12 Prozent der Verbraucher.

Der BearingPoint-Experte findet es dennoch bemerkenswert, „dass ein Großteil der Befragten bereits eine Meinung zum Digitalen Euro hat, obwohl dessen Ausgestaltung und Eigenschaften noch nicht abschließend definiert sind.“ Mit dem Digitalen Euro wollen die Zentralbanken ihre Rolle als Mittelpunkt des Zahlungssystems stärken und die Finanzstabilität innerhalb der Eurozone bewahren. Länder wie die Bahamas, Nigeria, China (E-Yuan) oder Schweden (E-Krone) haben digitale Währungen bereits eingeführt bzw. befinden sich in der Phase der Projektierung einer solchen.

Kritiker des Digitalen Euro weisen jedoch auf Bedenken bezüglich des Datenschutzes hin. Die EZB beteuert zwar, dass bei Zahlungsvorgängen keine privaten bzw. personenbezogenen Daten übermittelt werden, den Beweis hierfür ist die Europäische Zentralbank bisher aber noch schuldig geblieben. Wohl nicht ganz zu Unrecht sehen viele Skeptiker im Digitalen Euro ein weiteres Instrument zur Überwachung der Bürger und einen Verlust der Anonymität beim alltäglichen Einkaufen. Das gute, alte Bargeld wird uns daher noch eine ganze Zeit lang erhalten bleiben.

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DAVID
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Text: reitschuster.de

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