Gewerkschaft Verdi legt Bargeldversorgung lahm Ebnet das fragile System den Weg in die bargeldlose Gesellschaft?

Von Daniel Weinmann

„Liebe Kunden, bitte zahlen Sie nach Möglichkeit ausschließlich mit Karte.“ Appelle wie dieser waren in der zurückliegenden Woche hierzulande in Supermärkten, Apotheken und Tankstellen gang und gäbe. Verdi hatte in ganz Deutschland zu Warnstreiks der Geldboten aufgerufen, die die Maschinen sonst mit Bargeld befüllen.

Die Gewerkschaft hatte vom Bundesverband Deutscher Geld- und Wertdienste einen neuen Bundeslohntarifvertrag verlangt. Die Forderung lautete auf ein Gehaltsplus von knapp elf Prozent für die 11.000 Beschäftigten. Nachdem die dritte Verhandlungsrunde in der Vorwoche geplatzt war, hatten die Arbeitnehmer Warnstreiks ausgerufen. Auch Geldautomaten waren von dem Streik betroffen.

Der Streik dauerte zwar nur zwei Tage an. „Die Verhandlungsparteien konnten sich in der Nacht auf einen neuen Tarifvertrag verständigen. Die Einigung umfasst einen Tarifvertrag mit einer Laufzeit von 26 Monaten und bis zu 18,29 Prozent Erhöhung“, hieß es in einer Pressemitteilung. Wegen der vielen ausgefallenen Geldtransporte waren die Auswirkungen aber noch bis zum Wochenende zu spüren. Gerade in ländlichen Bereichen könnte es indes noch ein paar Tage dauern, bis die Bargeldversorgung wieder gewährleistet ist.

Bargeld für den Notfall bunkern

„Denken Sie daran, eine ausreichende Bargeldreserve im Haus zu haben, da bei Stromausfall auch die Geldautomaten nicht mehr funktionieren“, empfiehlt das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BKK) in seinem „Ratgeber für Notfallvorsorge und richtiges Handeln in Notsituationen“ offenbar nicht ohne Grund. Während das BKK eine konkrete Angabe schuldig bleibt, wie viel Bargeld für den Notfall sinnvoll ist, empfiehlt der Oberösterreichische Zivilschutz 500 Euro pro Haushalt – in kleinen Scheinen.

Es scheint derweil nur noch eine Frage der Zeit, wann Gewerkschaften wie Verdi die Macht über die Bargeldversorgung verlieren: Der Anteil von bargeldloser Zahlung nimmt hierzulande deutlich zu. Diesen Trend bestätigt einmal mehr die am vergangenen Mittwoch veröffentlichte Umfrage der Bundesbank mit dem Titel „Zahlungsverhalten in Deutschland 2021“. Danach zahlten die Bundesbürger im vergangenen Jahr nur noch 58 Prozent aller Bezahlvorgänge in bar – 2017 waren es noch 74 Prozent.

Gleiches belegt die EHI-Studie „Zahlungssysteme im Einzelhandel 2022“. Danach ist der Bar-Umsatzanteil in Geschäften auf 38,5 Prozent gesunken, während 58,8 Prozent mit Karte gezahlt werden.

Kunden müssen an der Kasse nur noch in die Kamera schauen, lächeln oder winken

Selbst die Kartenzahlung dürfte nur ein Zwischenschritt auf dem Weg in eine dystopische bargeldlose Gesellschaft werden, in der nicht einmal mehr Karten zum Einsatz kommen. Stattdessen wird der Körper zum biologischen Kennwort.

Mastercard bietet schon jetzt eine Bezahlmethode per Gesichtserkennung an. Kunden müssen an der Kasse nur noch in die Kamera schauen, lächeln oder winken. In China kaufen bereits knapp eine halbe Milliarde Menschen mit diesem Verfahren ein. In Russland ist die biometrische Bezahlmethode nicht zuletzt beim Kauf von U-Bahn-Tickets im Einsatz.

„Die Art und Weise, wie wir bezahlen, muss mit unserem Lebensstil Schritt halten“, betonte Ajay Bhalla, President Cyber & Intelligence bei Mastercard. Dass diese Technologie in eine völlig neue Dimension der Überwachung führen kann, wollte der Mastercard-Manager nicht kommentieren.

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Daniel Weinmann arbeitete viele Jahre als Redakteur bei einem der bekanntesten deutschen Medien. Er schreibt hier unter Pseudonym.

Bild: Shutterstock
Text: dw

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