Berlin: Schießerei statt Weihnachtsfrieden Kriminelle Hauptstadt

Im Berliner Stadtteil Kreuzberg ist es am zweiten Weihnachtsfeiertag unweit der SPD-Parteizentrale zu einer Schießerei gekommen. Mindestens vier Menschen wurden dabei verletzt, wie die Berliner Polizei mitteilte. Laut Feuerwehr wurden drei Personen schwer verletzt ins Krankenhaus gebracht. Die Mordkommission hat bereits die Ermittlungen aufgenommen.

In der Umgebung des U-Bahnhofes Möckernbrücke suchten Beamte im Gebüsch mit Taschenlampen das Ufer des Landwehrkanals ab. Das Gebiet wurde weiträumig abgesperrt. Schwerbewaffnete Polizisten waren auf der Suche nach weiteren Beteiligten, auch ein Hubschrauber war im Einsatz. Ein Video, das die Bild veröffentlicht, zeigt martialische Szenen. In dem Streifen ist auch zu sehen, wie einer der Schwerverletzten aus dem Wasser des Landwehrkanals geborgen wird. Er hat sich offenbar selbst ins Wasser geflüchtet.

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Angaben darüber, wer für die Schüsse verantwortlich ist oder wer die Verdächtigen sind, machte die Berliner Polizei bislang nicht. Nach Aussagen einer Polizeisprecherin ist die Lage noch unklar, ebenso, wie viele Menschen insgesamt geschossen hätten. Hinweise auf ein politisches Motiv gebe es nicht.

Berlin ist in der Vergangenheit immer wieder durch Gewaltexzesse bei Auseinandersetzungen zwischen kriminellen Familienclans erschüttert worden. Erst vor einiger Zeit attackierten ein Dutzend Männer eine Wohnung und ein Auto in Kreuzberg, nachdem ein 29-Jähriger angeschossen worden war. Ich selbst erlebte bzw. hörte im März 2016 einen ohrenbetäubenden Knall: Es war ein Anschlag mit einer Autobombe, buchstäblich um die Ecke in der Berliner Bismarckstraße. Dabei wurde ein 43-Jähriger  getötet. Offenbar ging es um eine Auseinandersetzung im Drogenhandel-Milieu.

Das Opfer war, wie es 2016 aus Ermittlerkreisen hieß, in dubiose Geschäfte mit Russen und Polen verwickelt. Von einer Auseinandersetzung mit tschetschenischen Banden war die Rede. Die B.Z. schrieb später, dass die Tat ein Racheakt war. Das spätere Opfer soll zuvor das Attentat auf Aram M., einen russischen Kampfkünstler, in Auftrag gegeben haben. Hintergrund soll ein geplatzter Kokain-Deal gewesen sein. Angeblich ging es um mehrere hundert Kilogramm Ware.

Ebenfalls im Advent kam es 2018 bei mir um die Ecke zu tödlichen Schüssen – direkt gegenüber meines alten Hauses. Mein ehemaliger Nachbar und Freund war gerade mit seiner kleinen Tochter auf dem Heimweg dorthin, als er die beiden Toten noch in einer Blutlache liegen sah. Die ersten Polizisten waren gerade erst eingetroffen. Wäre er ein paar Minuten früher von mir nach Hause aufgebrochen – er hätte die Schüsse wohl gemeinsam mit seiner Tochter selbst vor Ort miterlebt: Der Täter hat sich, nachdem er einen 47 Jahre alten Albaner erschoss, selbst mit der Waffe getötet.

In Berlin ist der Schrecken manchmal nur ein paar Schritte von einem entfernt. Auch in der Weihnachtszeit. Für eine Großstadt ist das wohl nichts völlig Ungewöhnliches. Angenehmer macht es das aber nicht.

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Bild: Peter Jesche/Shutterstock (Symbolbild)
Text: br


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