Biontech: Verstärktes Auftreten von Herzmuskelentzündungen bei jungen Menschen »Bedauerlicherweise« fehlen konkrete Daten aus den Arztpraxen

Ein Gastbeitrag von Gregor Amelung

Am Donnerstag, den 10. Juni, hat das Paul-Ehrlich-Institut (PEI) seinen nunmehr 11. »Sicherheitsbericht« zum Einsatz der Covid-19-Impfstoffe veröffentlicht. Er umfasst alle Meldungen zu »Verdachtsfällen von Nebenwirkungen und Impfkomplikationen« bis zum 31. Mai 2021. Insgesamt zählte das PEI fast 80.000 Fälle (79.106).

Über 8.000 potentiell lebensbedrohliche Fälle

Etwa 10 Prozent davon oder 8.134 fallen in die Kategorie »schwerwiegende Reaktionen«.

Unter »schwerwiegend« versteht man hier per Definition »solche, die tödlich oder lebensbedrohend sind, eine stationäre Behandlung oder Verlängerung einer stationären Behandlung erforderlich machen, zu bleibender oder schwerwiegender Behinderung oder Invalidität führen oder sich in einer angeborenen Fehlbildung … bzw. einem Geburtsfehler äußern.« Es sind also keine Peanuts.

Neu: Entzündungen des Herzmuskels und -beutels

Eine bekannte »schwerwiegende Reaktion« war die Sinus- bzw. Hirnvenenthormbose bei dem inzwischen nur noch für Ü-60 empfohlenen Impfstoff von Astrazeneca. Diese potentiell tödlichen Thrombosen sind inzwischen auch beim PEI, das die Kausalität mit der Impfung lange Zeit bestritten und relativiert hatte, als Nebenwirkung anerkannt. Aufgetreten waren die Thrombosen vor allem bei jüngeren Frauen.

Im aktuellen Bericht rücken nun zwei andere schwere Nebenwirkungen in den Fokus: Myokarditis und Perimyokarditis. Das Myokard bezeichnet die muskuläre Wand des menschlichen Herzens, und bei einer Myokarditis entzündet sich eben dieser Muskel. Eine Herzmuskelentzündung kann sich in Brustschmerzen, Herzklopfen sowie Herzrhythmusstörungen bis hin zum Herzversagen äußern. Sowohl bei Kindern als auch bei Erwachsenen kann sie auftreten, gilt aber bei jungen Männern als häufiger als bei jungen Frauen. In Abgrenzung dazu ist eine Peri-Myokarditis eine Entzündung des Herzmuskels und des Herzbeutels, des sogenannten Perikards.

»Extrem selten« wie damals bei den Sinusvenenthrombosen

Über die nun zu Tage getretenen Entzündungen berichtete auch der Berliner Tagesspiegel am 15. Juni und betonte dabei bereits in der ersten Zeile, dass diese Nebenwirkungen »extrem selten« seien.

Dieselbe Formulierung gab es bereits bei den Sinusvenenthrombosen. Der Hinweis auf ihre Seltenheit war lange Zeit Kernargument dafür, dass bei dem Vakzin von Astrazeneca kein Handlungsbedarf bestünde. Eine Fehleinschätzung, wie sich später herausgestellt hat. Insofern sollte man auf das »extrem selten« bei den nun gemeldeten Herzmuskelentzündungen nicht allzu viel geben. Fakt ist: Wir beginnen in Deutschland gerade erst damit, vermehrt junge Menschen zu impfen, weshalb man die nun auftretenden Entzündungen am Herzen äußerst ernst nehmen sollte.

Bereits 69 Fälle bei Biontech registriert

Betroffen hiervon sind laut dem Paul-Ehrlich-Institut in der Masse Biontech (69 Fälle) sowie die Vakzine von Moderna (7) und AstraZeneca (14). Insgesamt zählte das PEI bis zum 31. Mai 90 bzw. 92 Herzentzündungen; beide Zahlen finden sich im aktuellen Bericht, vermutlich, weil in 2 Fällen der Impfstoffhersteller nicht ermittelt werden konnte.

In den Fällen sieht das PEI »allerdings bislang kein Risikosignal«, so die Deutsche Apothekerzeitung am 14. Juni. Wobei die Betonung, auch wenn man es leicht überliest, hier wohl auf dem »bislang« liegt. Weiter heißt es, die US-amerikanische Gesundheitsbehörde CDC würde derzeit »einen möglichen Zusammenhang« untersuchen. In Israel, wo der Impfstoff von Biontech in großer Menge zum Einsatz kam und wo bereits wesentlich mehr junge Menschen geimpft worden sind als in Deutschland, ist man schon etwas weiter. So schrieb die Jüdische Allgemeine bereits am 11. Juni: »Ein Ausschuss des israelischen Gesundheitsministeriums hält eine Verbindung zwischen der Corona-Impfung, vor allem der zweiten Dosis, mit einer Herzmuskelentzündung für wahrscheinlich.«

Überraschend ähnlich liest es sich auch beim PEI: »Die Daten« zu Biontech »zeigen, dass in Übereinstimmung mit Daten aus Israel die meisten Meldungen junge Männer im Alter zwischen 16 bis 29 Jahren betreffen. Soweit Informationen zur Impfdosis mitgeteilt wurden, war überwiegend die zweite Dosis betroffen.«

Letzteres kann darauf hindeuten, dass weitere Fälle von Herzmuskelentzündungen erst noch auf uns zukommen werden. Oder um es in der »Wellen«-Rhetorik der Corona-Strategen auszudrücken: Wir stehen am Beginn der Welle. Denn in Deutschland haben erst 28,8 Prozent der Gesamtbevölkerung ihre 2. Impfung erhalten. Dem gegenüber stehen fast 50 Prozent, die bislang lediglich ihre 1. Impfung erhalten haben.

Heftige Kritik an den Vergleichswerten des PEI

Deutlich skeptischer als der Großteil der deutschen Medien steht der »Corona-Blog.net« den Covid-19-Impfstoffen gegenüber. Schon früh hatte sich das Portal mit der hastigen Entwicklung und Zulassung der Vakzine auseinandergesetzt. In Bezug auf die nun bei jungen Menschen – bis runter zum 16. Lebensjahr – aufgetretenen Entzündungen des Herzmuskels kritisiert der Blog vor allem die Art und Weise, wie das PEI zu seinem Referenz-Inzidenz-Wert – also dem Vergleichswert für das normalerweise zu erwartende Auftreten der Erkrankung – kommt.

Zum einen stört man sich daran, dass »gravierend unterschiedliche Referenz-Inzidenzen« angegeben werden. Einmal 4,4 und einmal 13,9 auf 100.000 Personenjahre. Zum anderen irritieren die Quellen, aus denen das PEI seine Vergleichswerte geschöpft hat. Unter anderem zitiert man dort Werte aus einer Studie über junge Männer, die zwischen 1977 und 1999 ihren Wehrdienst in Finnland abgeleistet hatten. »Diese Studie junger Männer, die auch noch ihren Militärdienst ableisten, d.h. gemustert und von Kreiswehrersatzämtern ›vorausgewählt‹ wurden, können unmöglich repräsentativ für die geimpfte Bevölkerung in Deutschland sein«, so das Portal. Ein weiterer Kritikpunkt ist, »dass in der Studie eine durchschnittliche Inzidenz von 0,17 auf 1.000 Personenjahre für einen Myokardinfarkt angegeben wird… Das entspricht einer Inzidenz von 17 auf 100.000 Personenjahre… Wie das PEI mit dieser Quelle auf [den Wert von] 13,9 kommt ist uns schlichtweg ein Rätsel.«

»Bedauerlicherweise« fehlen konkrete Daten aus den Arztpraxen

Entsprechend »enttäuscht« ist man beim Corona.Blog auch von der vom PEI vorgelegten Risikoanalyse. Das PEI liefere einfach »keinen realistischen Überblick über das Risiko für spezifische Gruppen in Deutschland«. Darüber hinaus trifft man auf unerklärliche Datenlücken, so fehlt bei den 16- bis 29-jährigen Männern in 6 von 15 Fällen oder 40 Prozent die Angabe, ob die Herzmuskelentzündung nach der 1. oder 2. Impfung aufgetreten ist.

So fällt das Fazit des Blogs auch nicht ohne Grund recht harsch aus: Wie das PEI mit dem Auftreten der Herzmuskelentzündungen verfahre, gleiche einer »Kapitulation« oder »dem Verschließen der Augen vor Schlussfolgerungen, die politisch nicht gewollt sind«. Als Beleg hierfür zitiert man aus dem 11. Sicherheitsbericht dies: »Bedauerlicherweise sind derzeit keine aktuellen alters- und geschlechtsstratifizierten Impfquoten der niedergelassenen Ärzte verfügbar, so dass nicht berechnet werden kann, ob die Zahl der gemeldeten Fälle einer (Peri)myokarditis in jüngeren Altersgruppen höher ist, als statistisch zufällig in ihrer Altersgruppe zu erwarten wäre.«

Offenbar Daten-Lücken im »Impfstoffmonitoring« des RKI

Diese Daten – Alter und Geschlecht – sollten eigentlich deshalb vorhanden sei, weil man sie vor dem Beginn der Impfkampagne ins Pflichtheft hätte schreiben müssen, denn ohne solche Daten ist eine verantwortungsvolle Überwachung der Vakzine eigentlich gar nicht möglich.

Allerdings liegen diese Kerndaten offenbar auch nicht aus den Impfzentren vor, denn sie werden im »Impfstoffmonitoring« des RKI, auf das auch das PEI zurückgreift, nicht ausgewiesen. Bis Mai 2021 gab es dort lediglich die grobe und zum Risiko-Monitoring völlig untaugliche Unterteilung in unter 60- und über 60-jährige Geimpfte. Danach ging man über zu einer nicht wirklich genaueren Dreiteilung: unter 18 Jahren, zwischen 18 bis 59 Jahren alt und über 60. Und zu diesen Altersgruppen gibt das RKI lediglich eine Impfquote an. Sowohl das Geschlecht und der Impfstoffhersteller fehlen.

Immer wieder gravierende Löcher in den Kerndaten

Ähnliche Lücken hatten sich bereits zuvor in den PEI-Berichten aufgetan. So fehlten etwa im 7. Sicherheitsbericht, der am 4. März 2021 veröffentlich worden war und alle Meldungen bis zum 26. Februar enthalten hatte, bei 60 von 330 Todesfällen (18 Pozent) die Angaben zum Impfstoffhersteller. Was einem allerdings nur bei genauer Lektüre auffiel. Trotz dieses riesigen Lochs in den Kerndaten sah sich das PEI damals allerdings bestens in der Lage, einen Bericht über die »Sicherheit« der Covid-19-Impfstoffe zu erstellen und zu veröffentlichen, was von einem fast hellsichtigen Selbstvertrauen in dem Institut zeugt.

Zu den nun aufgetretenen Herzmuskelentzündungen, zu denen dem PEI »bedauerlicherweise« die Daten aus den Arztpraxen fehlen, heißt es im 11. Sicherheitsbericht abschließend noch: Außerdem sei bei der Bewertung »zu berücksichtigen, dass milde Verläufe möglicherweise unerkannt bleiben und im Rahmen der Spontanerfassung nicht alle Fälle berichtet werden (Dunkelzifferrate)«. – Vom erklärten Willen, einen Teil dieses Dunkelfeldes zu beleuchten, liest man genauso wenig etwas wie von einem Appell an die Arztpraxen, doch bitte die Daten zu Alter und Geschlecht von Impflingen zu übermitteln.

Feuerwehr ohne Blaulicht

So bekommt man nach nunmehr elf Sicherheitsberichten allmählich den Eindruck, dass das Paul-Ehrlich-Institut wie eine Feuerwehr agiert, die zu einem Brandherd ohne Blaulicht fährt, weil Feuer in der Gegend »extrem selten« sei und man deshalb davon ausgeht, dass dort höchstens eine Mülltonne in Flammen steht. Am Ort des Geschehens angekommen gesteht man sich dann ein, dass hier tatsächlich mal ein Haus gestanden hat, welches inzwischen abgebrannt ist. So war es bei den Sinusvenenthrombosen – selten hin, selten her – und so könnte es nun auch bei den Herzmuskelentzündungen laufen.

Umso irritierender ist die Berichterstattung der Medien, die als »vierte Gewalt« im Staat hier eine Kontrollfunktion übernehmen könnten – wenn nicht gar müssten. Sie erwähnen zwar die gemeldeten Herzmuskelentzündungen und ordnen sie auch rasch als »extrem selten« ein. Ohne aber auf das Risiko für junge und jüngere Menschen zu sprechen zu kommen, an Covid-19 schwer zu erkranken oder zu sterben. Das ist nämlich derart gering, dass Impfnebenwirkungen wie potentiell lebensgefährliche Entzündungen des Herzmuskels eigentlich überhaupt nicht tolerabel sein können.

Quelle: Todesfälle de.statista (RKI Todesfälle im Zusammenhang mit COVID-19) Stand 23.03.2021; Genesis-Online, Bevölkerung nach Altersgruppen Stand 31.12.2018

 

Hier zeigt sich allerdings auch, wie »komfortabel« es für die Impfstrategen im Bundeskanzleramt und in Jens Spahns Ministerium ist, wenn etwa die Daten zum Alter der Geimpften nicht erhoben werden, denn ohne sie kann auch niemand das Risiko von Covid-19 dem Risiko der Covid-19-Impfung für junge und jüngere Menschen gegenüberstellen. Bei so einem Umgang mit Daten beruhigt es wenig, wenn der Berliner Tagesspiegel bezüglich der Herzmuskelentzündungen noch schreibt: »Das PEI und seine EU-Schwesterbehörden wollen aber weiterhin« alle Meldungen dazu »untersuchen«.

Diejenigen, die selbst wenig haben, bitte ich ausdrücklich darum, das Wenige zu behalten. Umso mehr freut mich Unterstützung von allen, denen sie nicht weh tut!

 

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* Der Autor ist in der Medienbranche tätig und schreibt hier unter Pseudonym.

Bild: Alxddd000/Shutterstock
Text: Gast

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