Brot fürs Volk, Kuchen für die Kanzlerin Zweierlei Standards bei Weihnachtseinkäufen

 

Was Sherlock Holmes in der Kriminalistik war, ist der Blogger „ArgoNerd“ auf Twitter. Mit akribischer Suche und scharfem Geist bringt er regelmäßig zum Vorschein, was eigentlich im Verborgenen bleiben sollte. Manchmal fast schon im Stundentakt entlarvt der kritische Beobachter, der im Schutze der Anonymität tätig ist, die Doppelmoral von Regierenden und denen, die sie eigentlich kontrollieren sollten – den Journalisten.

Der jüngste Fund des ebenso umtriebigen wie findigen Bloggers: Die Aufforderung von Wirtschaftsminister und Merkel-Intimus Peter Altmaier, man möge doch bitte auf das Weihnachtsshopping verzichten, stellte er gegenüber mit einer Meldung aus der Bild-Zeitung mit folgender Schlagzeile: „Besorgungen vor dem Lockdown: Die Kanzlerin im KaDeWe“. Darunter steht als Vorspann: „Ein letztes Mal einkaufen….“

Abgesehen davon, dass der Vorspann wohl irreführend ist – denn Merkel kann natürlich weiter einkaufen, aber eben im Laden und offiziell nur Lebensmittel und Waren des dringenden Bedarfs – zeigt der Tweet von „ArgoNerd“, dass heute Blogger zunehmend die Aufgabe übernehmen, die eigentlich Journalisten zugedacht ist: Den Mächtigen auf die Finger sehen und Widersprüche aufdecken. Im Mini-Text in der Boulevard-Zeitung ist nicht einmal ein Ansatz auf den Widerspruch zur Empfehlung ihrer Regierung zu lesen. Dort heißt es nur ganz im Stile von Hofberichterstattung: „Angela Merkel (66, CDU) besuchte am Montag Nachmittag das Berliner Kaufhaus KaDeWe. Wie Millionen andere Deutsche erledigte die Kanzlerin 36 Stunden vor dem Lockdown noch einige Besorgungen. Merkel geht regelmäßig ins KaDeWe, kauft dort unter anderem in der Feinkost-Abteilung ein.“

mvg„Wie Millionen andere Deutsche…“,  – ich schreibe lieber nicht, woran mich so eine Art der Formulierung erinnert. Insbesondere, wenn es sich um den Besuch in einem Luxus-Kaufhaus handelt. Die regelmäßigen Schnappschüsse der Kanzlerin in großen Medien beim Einkaufen sind per se absurd. Sie sollen Volksnähe suggerieren – aber gerade dass sie derart in den Medien inszeniert werden, beweist das Gegenteil.

Ich bin sehr gespannt, ob man Angela Merkel in Kürze wie den Gemeinsterblichen ansehen wird, dass ihre Frisur leidet. Beim letzten Lockdown mitsamt Frisör-Verbot wirkte ihr Haar immer verdächtig gut aufgeräumt. Schon heute machen bei Abgeordneten unter der Hand Telefonnummern von mehr dienst- als lockdownbeflissenen Friseuren die Runde. Auch Masseure sind auf diese Weise zu finden.

Damit hört die Doppelmoral leider nicht auf. Hier ein paar Beispiele aus der Arbeit von „ArgoNerd“ allein aus diesen Tagen:


Bild: Screenshot twitter
Text: br


 

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