Bundesnetzagentur warnt vor Gasmangellage im Winter Verbrauch in Privathaushalten viel zu hoch

Von reitschuster.de

Unsere Großeltern wussten noch: „Viele Pilze im Herbst – strenger Winter wird’s!“ Wer in diesen Tagen im Wald unterwegs war, kann nur hoffen, dass diese alte Bauernregel in diesem Jahr nicht zum Tragen kommt. Die für die zweite Septemberhälfte ungewöhnlich niedrigen Temperaturen haben in Deutschland in der vergangenen Woche zu einem starken Anstieg des Gasverbrauchs geführt. Vor allem die Privathaushalte haben deutlich mehr Gas verbraucht als in den Vorjahren. Jetzt schlägt die Bundesnetzagentur Alarm. „Ohne erhebliche Einsparungen auch im privaten Bereich wird es schwer, eine Gasmangellage im Winter zu vermeiden“, warnt Agenturchef Klaus Müller und bezeichnete die vorliegenden Zahlen als „sehr ernüchternd“.

Und um diese Zahlen geht es dabei: In der vergangenen Woche hatten die Privathaushalte und kleineren Gewerbe in Deutschland einen Gasverbrauch von 483 Gigawattstunden (GWh), was einer Zunahme um 14,5 Prozent gegenüber der Vergleichswoche aus den Jahren 2018 bis 2021 entspricht, als im Schnitt nur 422 GWh verbraucht wurden. Laut einer Vorgabe der EU sind die Mitgliedsstaaten seit August eigentlich dazu verpflichtet, mindestens 15 Prozent Gas einzusparen. Für Deutschland, das sich wie kaum ein anderer Staat abhängig von russischem Gas gemacht hat, wurde sogar eine Zielvorgabe von 20 Prozent Einsparung veranschlagt. Als Referenz dient der durchschnittliche Verbrauch in den vergangenen fünf Jahren.

Staatssekretärin verweigert im Bundestag Antworten

Ähnlich wie zuletzt schon Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne), der unter ganz bestimmten Umständen „eine Chance“ sieht, dass Deutschland gut durch den Winter kommt, äußerte sich jetzt auch der Chef der Bundesnetzagentur. Damit eine Gasmangellage vermieden werden kann, müssen nach Ansicht von Klaus Müller drei Bedingungen erfüllt werden: „Erstens müssen die angestoßenen Projekte zur Erhöhung der Gasimporte realisiert werden. Zweitens muss die Gasversorgung in unseren Nachbarländern ebenfalls stabil bleiben. Und drittens muss Gas eingespart werden, auch wenn es zum Winter hin noch kälter wird.“ Jeder Einzelne müsse dazu seinen Beitrag leisten, wie Müller betonte.

Auf Beiträge, geschweige denn konstruktive Lösungen aus der Politik brauchen die Bürger sich einmal mehr nicht zu verlassen. Vor allem das Haus von Robert Habeck gibt derzeit ein beklagenswertes bis unwürdiges Bild ab. Nachdem Dr. Franziska Brantner, Parlamentarische Staatssekretärin für Wirtschaft und Umwelt, im Bundestag jüngst erklärte, dass die Bundesregierung die Ausrufung der „Notfallstufe Gas“ im kommenden Winter für „sehr unwahrscheinlich“ hält, meldete sich Johannes Huber mit einer Nachfrage zu Wort. Der parteilose Abgeordnete wies zunächst darauf hin, dass die derzeit relativ gut gefüllten Gasspeicher zwar ausreichten, um den Gasverbrauch in Deutschland für eine Dauer von zwei bis drei Monaten zu gewährleisten. Da die Heizsaison hierzulande aber sechs bis sieben Monate dauere, sehe er eine Gasmangellage als „sehr wahrscheinlich“ an. Huber wollte daher wissen, was die Regierung den Leuten zu sagen gedenkt, denen in den kommenden Monaten die Arbeitslosigkeit droht, wenn das Gas in den großen Industrieunternehmen rationiert werden muss.

Die Reaktion der Staatssekretärin spricht Bände. Nach einem tiefen und deutlich hörbaren Seufzer sagte Brantner wortwörtlich: „Erstmal möchte ich Ihnen dafür danken, dass Sie anerkennen, wie beeindruckend es uns gelungen ist, die Gasspeicherstände auf so ein hohes Niveau zu bringen. Das freut mich, dass das anerkannt wird.“ FDP-Mann Wolfgang Kubicki, der die Sitzung leitete, fragte nach, ob das die Antwort gewesen sei. Brantner: „Ja.“ Unfassbar!

‚Grünenwählern konsequent die Heizungen plombieren‘

Tatsächlich sind die Gasspeicher in Deutschland zu 91,5 Prozent gefüllt und damit deutlich voller als in den Vorjahren zu diesem Zeitpunkt. Das ist aber weniger der Politik der Grünen zu verdanken als vielmehr dem bislang guten Wetter. Seit Mitte September sind die Temperaturen nachts in weiten Teilen der Bundesrepublik nicht selten bis knapp über dem Gefrierpunkt gesunken. Russland wird bis auf Weiteres als Lieferant ausfallen, so dass Deutschland bei der Abwendung einer Gasmangellage vor allem auf neue Partnerschaften angewiesen sein wird, um mehr LNG (Liquefied Natural Gas) zu importieren. Problem: Noch fehlt die dazu notwendige Infrastruktur, so dass LNG über Nachbarländer wie Belgien oder die Niederlande importiert werden muss, wo es bereits LNG-Terminals gibt.

Aber auch das wird nicht ausreichen, um eine Gasmangellage im Winter mit Sicherheit ausschließen zu können. Das Einsparen von Gas gerade bei weiter sinkenden Temperaturen wird „kein Selbstläufer“, wie Klaus Müller es treffend formulierte. Was kann also getan werden, um die vom Chef der Bundesnetzagentur geforderte Zielvorgabe einer Einsparung von mindestens 20 Prozent bei den Privathaushalten dennoch zu erreichen? Der selten um einen spitzfindigen Kommentar verlegene Twitter-Nutzer „Don Alphonso“, hinter dem sich der Blogger Rainer Meyer verbirgt, hat schon einen Vorschlag parat: „Im Rahmen der Verantwortungsdemokratie sollten sich Grünenwähler jetzt konsequent die Heizungen plombieren lassen.“

Die Bundesnetzagentur hat unterdessen angekündigt, ab sofort wöchentlich über den Gasverbrauch in Deutschland sowie die entsprechenden Zunahmen bzw. Einsparungen im Vergleich zu den Vorjahren informieren zu wollen.

DAVID
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Bild: Alexandros Michailidis/Shutterstock

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