Curevac im Impfstoff-Crash – 300 Millionen Euro Steuergelder im Risiko Rückschlag für die Impfkampagne

Von Christian Euler

Es ist der Worst Case für die Impfkampagne – und Anleger schauen in die Röhre. Der mRNA-Impfstoff von Curevac soll nur eine 47-prozentige Wirksamkeit gegen Corona-Erkrankungen „jeglichen Schweregrades“ haben, teilte das Tübinger Biopharma-Unternehmen gestern Abend in einem Pflicht-Update mit. Unmittelbar nach der Meldung verlor die Curevac-Aktie im nachbörslichen Handel fast die Hälfte ihres Wertes, binnen Minuten lösten sich knapp acht Milliarden Euro in Luft auf.

Auch die Steuerzahler dürften sich vor den Kopf gestoßen fühlen: Vor rund einem Jahr hatte sich der deutsche Staat mit rund 300 Millionen Euro an Curevac beteiligt.

Der Impfstoff habe die vorgegebenen statistischen Erfolgskriterien nicht erfüllt, räumte Curevac ein. In dieser Wortwahl steckt viel Euphemismus, denn die Reaktion der Märkte zeigt unmissverständlich, was Impf-Aficionados ungern hören und nur allzu gern als Verschwörungstheorie abstempeln würden: Dieser Impfstoff verdient die Note mangelhaft.

Curevac zuletzt nicht auf der Liste der Bundesregierung

Curevac-Vorstandschef Franz-Werner Haas teilte mit, man habe auf stärkere Ergebnisse in der Zwischenanalyse gehofft. „Schade, das Team aus Tübingen hätte Erfolg verdient gehabt“, twitterte SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach.

Der Impfstoff befindet sich bereits seit Dezember in der finalen und damit zulassungsrelevanten 2b/3-Studienphase. Während zahlreiche Konkurrenten ihre Vakzine längst auf den Markt gebracht haben, sammelt Curevac nach wie vor Daten. Ob die Tübinger nun noch – und wenn überhaupt, zu welchem Zeitpunkt – liefern können, steht zunächst in den Sternen.

Pikant: Auf der jüngst vom Bundesgesundheitsministerium veröffentlichten Liste der Impfstoff-Lieferplanungen war Curevac nicht zu finden, obwohl die Bundesregierung das Vakzin Berichten zufolge lange für die zweite Jahreshälfte eingeplant hatte. Zuletzt hatte die Plattform „Business Insider“ berichtet, es habe noch Ende Mai in internen Lieferprognosen der Bundesregierung geheißen, dass von Curevac bis Jahresende eine zweistellige Millionenmenge an Impfstoffdosen erwartet werde.

Der Curevac-Gau wirft einen großen Schatten auf die Impfkampagne: Die Impfstoffe der Konkurrenten Biontech/Pfizer und Moderna basieren ebenfalls auf der mRNA-Technologie. Ob diese Vakzine ihre Versprechungen mit Blick auf ihre Wirksamkeit halten, muss seit gestern Nacht zumindest bezweifelt werden dürfen.

Curevac setzt die Studie 'bis zur finalen Analyse' fort

Derweil untersucht die US-amerikanische Gesundheitsbehörde CDC einen möglichen Zusammenhang zwischen Corona-Impfungen und dem Auftreten einer Herzmuskelentzündung. Zum ersten Mal gab es bereits Ende April aus Israel Hinweise auf Myokarditiden nach einer Impfung mit dem Biontech/Pfizer-Impfstoff Comirnaty.

Vor knapp zwei Wochen schien sich dieser Verdacht zu erhärten, nachdem im Fachjournal „Science“ israelische Wissenschaftler erklärten, Comirnaty „scheint junge Männer einem erhöhten Risiko für eine Herzmuskelentzündung“ auszusetzen – was erst vor wenigen Tagen vom Paul-Ehrlich-Institut bestätigt wurde.

Curevac gibt sich derweil nicht geschlagen: „Wir setzen die Studie bis zur finalen Analyse mit mindestens 80 weiteren Fällen fort. Die endgültige Wirksamkeit könnte sich noch verändern“, hofft Firmenchef Franz-Werner Haas.

Den Run auf die Impfungen, der teils groteske Züge annimmt (Reitschuster.de berichtete), wird dies vermutlich – wenn überhaupt – allenfalls kurzfristig bremsen.

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Dipl.-Volkswirt Christian Euler widmet sich seit 1998 intensiv dem Finanz- und Wirtschaftsjournalismus. Nach Stationen bei Börse Online in München und als Korrespondent beim „Focus“ in Frankfurt schreibt er seit 2006 als Investment Writer und freier Autor u.a. für die „Welt“-Gruppe, Cash und den Wiener Börsen-Kurier.
Bild: Taya Ovod/Shutterstock
Text: ce

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