Das Dilemma der Booster-„Strategie“ RKI verkündet neue Virus-Variante

Von Hubertus Voigt

Aha. Jetzt ist es amtlich. Es gibt eine neue Mutation. Sie trägt den etwas sperrigen Vornamen B.1.1.529. Schon seit zwei bis drei Monaten frage ich mich (und meinen Freundeskreis), warum wir eigentlich schon seit Monaten keine neue Variante des SARS-CoV-2 sehen. Immerhin sagte RKI-Chef Prof. Dr. Wieler schon am 29.1.2021: „Je mehr wir impfen, desto mehr Mutationen werden wir haben.“ Nach den ersten Varianten war dann aber Schluss. Noch in der vergangenen Woche waren 100 Prozent der Virusnachweise der Delta-Variante zugeschrieben worden (Quelle hier, S. 32).

Seltsam, dass aber erst jetzt, quasi als vorgezogenes Weihnachtsgeschenk, erneut eine Variante erscheint. Zu einem Zeitpunkt, an dem die alte Bundesregierung als „geschäftsführend“ noch im Amt ist, die neue Ampel-Koalition aber schon dabei ist, sich warmzulaufen. Zu einem Zeitpunkt, an dem die Vertreter der Regierung nicht müde werden, uns einen neuen Lockdown zu präsentieren, ohne das Kind jedoch beim Namen zu nennen. Dieses Wort – ich bin mal gespannt, wann es zum Unwort des Jahres gewählt wird – wird von den Herren Spahn und Wieler gemieden wie vom Teufel das Weihwasser. Die bisher angekündigten „Konsequenzen“ werden aber inhaltlich die gleichen sein.

Schon jetzt wird das Leben vielerorts wieder massiv eingeschränkt und werden landein, landaus Unterschiede gemacht zwischen Geimpften und Nicht-Geimpften. Die einzigen, die sich anscheinend schon im Dauerlockdown befinden, sind die Richter des Bundesverfassungsgerichtes. Dabei müssten die eigentlich sehen, dass es so viele Fragen gibt, die in einer Demokratie geklärt werden müssten. Aber es ist schon besser, wenn die bisher Verantwortlichen dann nicht mehr in der Regierungsverantwortung stehen, sondern sich stattdessen zum Beispiel am heimischen Kamin einer Dahlemer Villa wärmen dürfen. So lange Kaminfeuer noch erlaubt ist. Von einem MdB-Salär wird zwar neben den Darlehenskosten nur noch wenig Geld für stark gestiegene Öl- und Gaspreise übrig sein, aber dies ist eine andere Baustelle.

Zurück zur Pandemie. Kontaktbeschränkungen werden gefordert, „mindestens das Absagen von Großveranstaltungen und Feiern“. Das Ziel müsse sein, neue Infektionen zu vermeiden. Das stimmt natürlich. Für die Krankenhäuser ist jeder Patient auf Intensivstation eine besondere Belastung und die Schutz- und Therapiemaßnahmen bei COVID-19 sind besonders umfangreich.

Aber Fakt ist, dass die Impfung nicht das leistet, was über Monate versprochen wurde. Es konnte inzwischen wissenschaftlich belegt werden, dass „die Wirksamkeit des Impfstoffs gegen eine symptomatische SARS-CoV-2-Infektion im Laufe der Zeit in allen Untergruppen allmählich abnimmt, jedoch mit unterschiedlicher Geschwindigkeit je nach Art des Impfstoffs und schneller bei Männern und älteren, gebrechlichen Personen.“ Die Wirksamkeit gegen schwere Erkrankungen scheint über neun Monate hoch zu bleiben, „jedoch nicht bei Männern, älteren, gebrechlichen Personen und Personen mit Komorbiditäten“. So eine aktuelle Studie aus Schweden.

Die Autoren folgern hieraus, dass nur eine weitere Impfung, der „Booster“, helfen könnte. Und hier offenbart sich das Dilemma: Die Wissenschaftler, die Hersteller und die Bundesregierung hatten von dem Impfstoff, seiner Wirksamkeit und Effektivität keine Ahnung. Er konnte erst in einem Massentest, den wir jetzt seit fast einem Jahr haben, und als „Impfstrategie“ bezeichnen, erforscht werden. Die „Versuchskaninchen“, wie Bald-Kanzler Scholz die Geimpften nannte, sind die Bundesbürger. Aber dies wird bis auf diese verbale „Entgleisung“ so nicht ausgesprochen. Stattdessen wird eine Impfpflicht diskutiert, damit die Versuchsgruppe der Geimpften noch größer wird. Und es wird außer Acht gelassen, dass der Impfstoff gegen den Wild-Typ von SARS-CoV-2 entwickelt wurde, nicht aber gegen die vorherrschende Delta-Variante.

Der neue Impfstoff liegt zwar im Regal, müßte aber erneut zugelassen werden. Dass die hierfür notwendigen Studien wieder einen „Impferfolg“ von 94 % zeigen, ist nicht zu erwarten. Daher drängen Pfizer und Biontech zum Boostern mit dem alten Impfstoff. Und in den USA wird jetzt schon untersucht, ob dies nicht nach zwei Monaten erfolgen soll … Ob daraus dann „alle zwei Monate“ wird, bleibt abzuwarten. 

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Hubertus Voigt ist Arzt in leitender Funktion an einer großen deutschen Klinik und möchte anonym bleiben. 

Bild: Shutterstock 
Text: Gast

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