Der Mondbär in den Zeiten von Covid-19 Das Corona-Paradox verständlich erklärt

In den Kommentaren auf meiner Seite habe ich mich hier mit einer Leserin in einen faszinierenden Dialog verwickelt. Ich war so angetan von ihrem glasklaren Verstand, dass ich sie bat, einen Beitrag zu schreiben. Als Psychologin und Therapeutin erklärt sie für uns das Corona-Paradox, das wir täglich erleben, in einer so anschaulichen und verständlichen Weise, wie ich es selten erlebt habe. Hier mein neuer Leser-Beitrag – auf den ich besonders stolz bin!

Ein Gastbeitrag von Vera Sandström*

Vor einigen Wochen schaute ich mit meiner Tochter die Sendung mit der Maus, in der eine schöne und lehrreiche Geschichte erzählt wurde – die Geschichte vom Mondbären.

Es geht darin um einen kleinen Bären, der sich unglücklich in den Vollmond verliebt. Eines Nachts fühlt sich ein kleiner Bär einsam, geht hinaus und schaut zum Himmel. Dort sieht er den Vollmond, groß und rund, er hat ihn nie zuvor wahrgenommen. Und in dieser besonderen Nacht verliebt er sich in den Vollmond. Daraufhin schaut der kleine Bär jede Nacht bewundernd zum Himmel. Irgendwann merkt der Bär, dass der Mond kleiner wird, von Nacht zu Nacht immer ein Stück mehr. Der kleine Bär versucht zu verstehen, warum der Mond immer kleiner wird. Er macht sich große Sorgen und hat jetzt auch keine Lust mehr, mit seinen Freunden, den Vögeln, zu spielen. Die Vögel sind deshalb sauer auf ihn. Irgendwann ist der Mond ganz weg. „Wie kann das sein? Wie kann ich dem Mond helfen?“ fragt er sich. Vor lauter Sorgen isst der kleine Bär immer weniger und wird dünner. Als er abends mal wieder lustlos an seinem Honigtopf leckt, schießt ihm ein Gedanke durch den Kopf – hat der Mond etwa nicht genug gegessen? Der kleine Bär stellt von nun an jeden Abend seine Schale Honig vor die Tür. Morgens ist die Schale immer leer und der Mond wird wieder sichtbar, dann von Nacht zu Nacht immer größer. Der kleine Bär freut sich! Er hat jetzt wieder viel Appetit, aber wenn er dann abends vor seinem Honigtopf sitzt, schaut er auf den Mond und macht sich Gedanken, ob der Mond genug zu essen bekommt. Deshalb stellt er seinen Honigtopf weiter jeden Abend nach draußen und geht hungrig ins Bett. Morgens ist die Schale deshalb immer leer, weil die Vögel nachts den Honig essen. Der Mond wird immer größer, bis er wieder voll und rund ist. Toll! Aber der Bär wird immer dünner, es geht ihm nicht gut. Seinen Freunden, den Vögeln, tut der kleine Bär leid und einer der Vögel erzählt ihm die Wahrheit. Dass nämlich sie den Honig nachts aufessen und der Mond von sich aus größer und kleiner wird. Daraufhin isst der Bär wieder seinen Honig und versteht, wer seine wahren Freunde sind.

Das ist eine tolle Kindergeschichte und eine Kindergeschichte muss immer ein gutes Ende finden. Und das ist gut so. Für Kinder braucht die Welt nicht unnötig kompliziert zu sein.

Aber das wahre Leben ist bekanntlich kein Ponyhof und so enden unsere echten Geschichten nicht zwangsläufig mit einem Happy End. Man hat selten so gute und weise Freunde wie die Vögel, und wenn, dann hört man nicht unbedingt auf sie. Menschen sind ja nicht so, dass sie leicht und gerne sagen: „Ach, so ist das, danke für deine Erklärung und deinen Rat“.

Als ich diese harmlose und doch sehr tiefsinnige Geschichte über den Mondbären mit meiner Tochter ansah, musste ich unweigerlich daran denken, in welcher (Sur-)Realität wir uns gerade befinden und wie wunderbar diese Geschichte dazu passt. Und wie von selbst entwickelte sich in meinem Kopf die logische Fortsetzung – als Erwachsenenversion sozusagen, unter Einbeziehung unseres Wissens darüber, wie die menschliche Psyche funktioniert.

In dieser Erwachsenenversion behalten die Vögel ihr Geheimnis noch eine Weile für sich – es geht ihnen ja nicht schlecht mit dem Honig. Der Bär füttert also weiter den Mond, geht hungrig ist Bett, doch immerhin steht der Vollmond in seiner ganzen Pracht am Nachthimmel. Noch. Denn ganz langsam wird der Mond plötzlich wieder kleiner. Zuerst will der Bär das nicht wahrhaben, glaubt, dass es eine Wahrnehmungstäuschung ist. Aber dann kann er den abnehmenden Mond nicht mehr ignorieren – und innerlich macht sich Panik breit. „Warum wird der Mond wieder kleiner, was mache ich falsch?“ Und: „Ich muss ihn noch mehr füttern!“ Auch den Honig mittags isst der Bär nicht mehr und hebt ihn für den Mond auf. Die Vögel freut es, morgens sind immer beide Honigtöpfe leer. Doch die erwünschte Wirkung bleibt aus, der Mond nimmt weiter ab. Dem kleinen Bären geht es körperlich und psychisch immer schlechter. Er versucht zu verstehen, aber versteht es einfach nicht. „Ich muss noch mehr verzichten, der Mond braucht den Honig, alles für den Mond“ – auch der morgendliche Honigtopf wird vom Bären nicht gegessen, sondern abends nach draußen gestellt. Irgendwann ist Neumond und der Mond ganz verschwunden. Der Bär ist tief verzweifelt, liegt kraftlos im Bett, isst nichts mehr und steht nur auf, um seine drei Honigtöpfe zur Freude der Vögel abends nach draußen zu stellen. Und gerade als der kleine Bär aufgeben will und seinen Honig essen möchte, weil der Hunger so stark ist, sieht er, wie der Mond wieder sichtbar wird, ja tatsächlich Tag für Tag wieder wächst! Welch Freude! „Es hat sich gelohnt, ich habe nicht umsonst verzichtet! Ich hatte recht!“

Corona – Angst. Was mit unserer Psyche geschieht."Die Vögel haben aber inzwischen so viel Honig verputzt, dass sie Bauchschmerzen haben und keinen Appetit mehr darauf. Sie haben auch Mitleid mit dem armen Bären, der glaubt, den Mond zu füttern und so sehr leidet. Ein paar Vögel erzählen dem Bären die Wahrheit, aber er glaubt ihnen nicht. Er ist regelrecht sauer auf diese Vögel, weil sie ihm scheinbar seine Freude und seinen hart und mit totalem Verzicht erkämpften Erfolg nicht gönnen. Sein Weltbild hat sich so verfestigt, dass alle Zusammenhänge zwischen Honig und Mond darin logisch erscheinen, so absurd sie in Wirklichkeit auch sind. Der Bär fühlt sich durch den wieder aufsteigenden Mond in seinem Verzicht und Leid bestätigt. Die Gedanken, der Verzicht sei möglicherweise unnötig gewesen und sein Leiden sinnlos, kann der Bär kaum ertragen, sie lösen zu starke kognitive Dissonanzen aus.

Die Richtigkeit seines Handelns nun von irgendwelchen Vögeln in Frage gestellt zu sehen, verunsichert den Bären noch mehr, als der Hunger ihn quält. Was die Vögel erzählen, muss also falsch sein, nein: boshaft und verleumderisch! Die Vögel sind in der Erwachsenenversion nicht mehr seine Freunde, sondern in seiner Verfassung werden sie gefühlt zu seinen Feinden. Von den Vögeln und ihrem aus seiner Sicht boshaften Geschwätz will er nichts mehr hören, er ignoriert sie von nun an.

Man spürt, dass diese Geschichte irgendwie nicht gut ausgeht und hofft vielleicht doch auf ein Happy End für den Bären auch in der Erwachsenenversion. Denn diese Erwachsenenversion der Mondbären-Geschichte, das ist gerade unser Alltag.

Warum diese verhängnisvolle Entwicklung? Weil die menschliche Wahrnehmung nicht die Aufgabe hat, die „wahrhaftige Welt“ in ihrer Kompliziertheit zu begreifen, sondern sich bei jedem von uns (ja, auch bei Wissenschaftlern) eine Wirklichkeit konstruiert, in der wir leben können. Wenn es eine Sache gibt, mit der Menschen nur schlecht umgehen können, ist dies Ungewissheit. Jede noch so dämliche Erklärung und Handlung erscheint uns oft attraktiver als ein „ich verstehe es einfach nicht und mache erstmal nichts“. Um sein Dasein zu gestalten, möchte der Mensch glauben, dass seine unmittelbare Umgebung verständlich, sowie in einem Mindestmaß von ihm beeinflussbar, berechenbar und kontrollierbar ist. Außerdem braucht der Mensch das Gefühl, dass sein Handeln Sinn ergibt. Diese psychischen Grundbedürfnisse führen zwangsläufig dazu, dass Menschen a) sehr vieles vereinfachen und vereinheitlichen (dadurch werden Dinge scheinbar verständlicher), b) ihren eigenen Einfluss systematisch überschätzen und andere Faktoren vernachlässigen (dadurch fühlt man mehr Kontrolle über seine Umgebung) und c) Zusammenhänge erkennen, wo keine sind, dabei vieles selektiv ausblenden, was nicht ins Bild passt (dadurch ergeben die Dinge mehr Sinn). Und nicht zuletzt d) sich verbünden mit Gleichgesinnten, die das eigene Bild von der Wirklichkeit bestätigen, gegen diejenigen, die dieses Bild in Frage stellen.

Was sagt das über den bisherigen und aktuellen Umgang mit Corona? In welcher Mondbären-Phase befinden wir uns gerade? Die Antwort auf diese Frage überlasse ich dem mündigen Leser.

Nüchtern ist festzuhalten, dass „noch mehr von demselben“ niemals der richtige Ansatz sein kann, wenn eine Wirkung nicht zu erkennen ist. Wie in jedem Lebensbereich gilt: Bin ich auf dem richtigen Weg, dann erreiche ich mit geringem Einsatz schon eine große Wirkung (oft 80-20-Regel genannt).

Aber wirklich schwierig wird es dann, wenn ich eine Scheinwirkung erkenne und daraus, wie der arme Bär, falsche Zusammenhänge ableite. Dann bin ich dazu verdammt, denselben Fehler immer wieder zu machen – bis ich irgendwann nicht mehr kann oder irgendetwas anderes passiert, was mich aus diesem Teufelskreis falscher Zusammenhänge erlöst.

* Die Autorin (m/w) ist Psychologin und Therapeutin und schreibt hier unter Pseudonym.

Bild: Teguh Mujiono
Text: Gast

 

 

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Marc
1 Monat zuvor

Eine sehr anschauliche Geschichte. Im Englischen gibt es dafür sogar eine Bezeichnung: ‚Deviation amplifying positive feedback loop‘. Statt dass ein System zum Equilibrium neigt, geschieht das Gegenteil. Es entfernt sich immer mehr von seinem Optimum (nicht lineare Systemdynamik). Aus soziologischer Sicht sind dafür Unsicherheit und Angst zuständig. Ein bekanntes Beispiel dafür ist die Aufrüstung während des kalten Krieges…

Kausalitätenjäger
1 Monat zuvor

Werte Frau Sandström,

vorab bitte ich Sie um Entschuldigung für die Verletzung des Urheberrechts und versichere Ihnen, dass ich Ihre Parabel so wie sie ist für sehr lehrreich halte. Gerade weil sie zum Nachdenken anregt und in den Kommentaren einige sinnvolle Kritik vorgebracht wurde, konnte ich mich aber leider nicht beherrschen und musste mir einfach meine eigene Version zurechtbasteln. Darin habe ich zunächst die Vögel, durch die diebische Elster ersetzt, weil ich einerseits (wie einige andere Kommentatoren vor mir) der Meinung bin, dass diejenigen, die sich durch Betrug einen Vorteil verschaffen, äußerst unwahrscheinlich von Mitleid für ihre Opfer übermannt, selbst für Aufklärung sorgen werden, sondern ihrer Natur gemäß, solange wie nur irgend möglich so weitermachen werden, bis man ihnen das Handwerk legt. Zum anderen fehlt mir in der Geschichte dann doch die für Kindergeschichten positive Wende, die aber meiner Meinung nach nur durch die Überwindung der Isolation des Individuums erreicht werden kann. Es ist eigentlich ganz einfach: das gute alte Teile-und-Herrsche-Schema taugt solange zur Ausbeutung und Niederhaltung aller Teile der Bevölkerung (aktuell Corona-Ketzer vs. Corona-Gläubige) wie eine Verständigung untereinander auf möglichst rationaler Grundlage vermieden werden kann. Der Bär kann also letztlich nur von Bären gerettet werden. Die diebische Elster wird letztlich selbst dann das Nachsehen haben, wenn der Bär den genauen Mechanismus hinter den Mondphasen nicht begreift. Es genügt wollkommen, sich nicht am Nasenring durch die Manege führen zu lassen.

Hier nun meine Version der Geschichte vom Mondbären, mit der ich einfach besser einschlafen kann.

Es war einmal ein kleiner Bär. Der konnte eines Nachts nicht einschlafen. Er ging hinaus und schaute zum Himmel hinauf. Dort sah er den Vollmond, groß und rund. Er hatte ihn nie zuvor so genau betrachtet. Und in dieser besonderen Nacht verliebte er sich in den Vollmond. Daraufhin schaute der kleine Bär jede Nacht bewundernd zum Himmel. Irgendwann aber bemerkte der Bär, dass der Mond kleiner wurde, von Nacht zu Nacht immer ein Stückchen dünner und dünner. Der kleine Bär versuchte zu verstehen, warum der Mond immer kleiner wurde. Er machte sich große Sorgen und hatte jetzt auch keine Lust mehr, mit seinen Freunden, den anderen kleinen Bären, im Wald zu spielen. Die anderen Bären waren deshalb sauer auf ihn und besuchten ihn auch nicht mehr. Irgendwann war der Mond ganz weg. „Wie kann das sein? Wie kann ich dem Mond helfen?“ fragte er sich. Vor lauter Sorgen aß der kleine Bär immer weniger und wurde immer dünner. Als er eines Abends mal wieder lustlos an seinem Honigtopf leckte, schoss ihm plötzlich ein Gedanke durch den Kopf – hat der Mond etwa nicht genug gegessen? Der kleine Bär stellte von nun an jeden Abend seinen Topf mit Honig vor die Tür. Morgens war der Topf immer leer und der Mond wurde auch langsam wieder sichtbar, dann von Nacht zu Nacht immer größer. Der kleine Bär freute sich. Er hatte jetzt wieder viel Appetit, aber wenn er dann abends vor seinem Honigtopf saß, dachte er an den Mond und fragte sich, ob der Mond auch genug zu essen bekam. Deshalb stellte er seinen Honigtopf weiter jeden Abend nach draußen und ging hungrig ins Bett. Der Mond wurde nun immer größer, bis er wieder voll und rund war. Toll, rief der kleine Bär und war voller Freude, dass es seinem lieben Mond nun wieder gut ging. Aber dem Bär knurrte der Magen und es ging ihm gar nicht gut. Deshalb aß er nun seinen Honig wieder selbst und er erholte sich von Tag zu Tag. Als die diebische Elster bemerkte, dass für sie kein Honig mehr bereitstand, denn nicht der Mond sondern sie hatte heimlich in der Nacht den Honig vertilgt, sprach sie zu dem kleinen Bären: „Siehst du denn nicht, dass der Mond schon wieder nicht genug zu Essen bekommt? – Du musst ihn füttern, damit er nicht wieder verschwindet.“ Doch obwohl der kleine Bär dem Mond nun wieder jeden Abend seinen Honig hinstellte, wurde der Mond erneut immer dünner und dünner, bis er kaum noch zu sehen war. Zuerst wollte der Bär das nicht recht glauben und rieb sich verwundert die Augen. „Warum wird der Mond wieder kleiner, was mache ich denn bloß falsch?“ Die diebische Elster antwortete ihm: „Ganz einfach, die anderen Bären geben dem Mond immer weniger von ihrem Honig ab. Sie wollen nicht, dass es dem Mond gut geht. Deshalb musst du den Mond noch mehr füttern.“ Von da ab aß der kleine Bär auch seinen Mittagshonig nicht mehr und hob ihn für den Mond auf. Die Elster freute es und morgens waren immer beide Honigtöpfe leer. Nachdem der kleine Bär viele Tage in großer Sorge um seinen lieben Mond seinen Mittagshonigtopf und seinen Abendhonigtopf vor die Tür gestellt hatte, wurde der Mond allmählig wieder rund und die Elster sprach: „Siehst du, was habe ich dir gesagt? Du bist wirklich ein guter und ein besonders kluger Bär. Nur durch deine Honiggaben hast du den Mond nun schon zum zweiten Mal gerettet. Doch ich fürchte, die anderen Bären behalten nun all ihren Honig für sich allein. Das sind mir schon schöne Freunde, die nur an sich denken und denen ganz egal ist, was mit dem Mond geschieht. Obwohl er doch mit seinem Licht für uns alle die Nacht erhellt. Ich glaube, wenn du dem Mond nicht noch mehr abgibst, wird er am Ende doch zugrunde gehen. Der Mond braucht den Honig, alles für den Mond!“ Der Bär war nun schon sehr dünn und schwach. Er konnte sich kaum noch auf den Beinen halten. Als der Mond nun tatsächlich zum dritten Mal abnahm, wie es die Elster richtig vorausgesagt hatte, stellte er ihm, jeden Abend auch noch seinen Frühstückshonigtopf mit vor die Tür. Er beobachtete den Mond Nacht für Nacht und hoffte darauf, dass dieser sich erholen würde. Gleichzeitig ärgerte er sich über die anderen Bären, die ihm nicht dabei halfen, den Mond zu erhalten und auch nicht daran dachten, dass er nun den Mond ganz allein füttern musste und für ihn selbst nichts mehr übrig blieb. Mit diesen bösen Bären wollte er niemals wieder etwas zu tun haben. Er aß nun gar nichts mehr, aber hoffte jeden Abend, dass seine 3 Honigtöpfe ausreichen würden, den Mond voll und rund zu erhalten. Schließlich lag der Bär nur noch kraftlos in seinem Bett. Er aß nichts mehr und stand nur auf, um abends mit letzter Kraft seine drei Honigtöpfe zur Freude der Elster nach draußen zu schleppen. Er konnte nun nicht einmal mehr den Mond bei Nacht betrachten, so schwach fühlte er sich. Der arme kleine Bär wäre wohl einsam und traurig in seiner Hütte verhungert, wenn sich nicht doch seine Bärenfreunde um ihn gesorgt hätten, denn sie hatten sehr wohl die ganze Zeit an ihn gedacht und bemerkt, dass es ihm nicht gut ging und dass er schon viele Tage nicht mehr seine Hütte verlassen hatte. Sie berieten, was zu tun sei und beschlossen endlich nach dem Rechten zu sehen. Und gerade als der kleine Bär seine Augen schließen wollte um ein letztes Mal von Honigtöpfen und dem lieben, großen, runden Vollmond zu träumen, betraten sie – jeder mit einem großen, bis zum Rand gefüllten Honigtopf unterm Arm seine Hütte. Der kleine Bär schlug langsam die Augen auf, blinzelte sie an und fragte sie: „Was wollt ihr denn hier? Und warum bringt ihr mir Honig, während der Mond vor Hunger vergeht? Gebt ihm den Honig! Er braucht ihn dringender als ich.“ Die Bärenfreunde schauten sich einen Moment lang verwundert an. Dann antworten sie: „Keine Angst, dem Mond geht es sehr gut. Er ist kugelrund und gesund, obwohl er schon sehr lange keinen Honig bekommen hat. Sieh nur und überzeuge dich selbst!“ Die Bärenfreunde halfen dem kleinen Mondbären aus dem Bett heraus und stützten ihn. Als er mit ihnen zusammen nach draußen vor die Hütte trat, erblickte er den Wald, der genauso hell erleuchtet war, wie in jener Nacht als er den Vollmond zum ersten Mal betrachtet hatte. Auf der Wiese vor der kleinen Hütte des Mondbären zwischen den Bäumen setzten sich alle Bärenfreunde gemeinsam in einem Kreis hin und sie hatten das schönste Mondscheinhonigwettessen, das sie je erlebt hatten. Die diebische Elster saß weit entfernt oben im Wipfel eines Baumes und hörte verärgert das laute Schmatzen und Schlecken und das Gelächter der Bärenfreunde. Das Stehlen gewöhnte sich die Elster niemals ab und tut es bis heute. Die Bären erzählten sich die ganze Nacht hindurch viele geheimnisvolle Geschichten vom Mond. Aber Angst um den Mond hatte der kleine Mondbär von da an niemals wieder. Nun wisst ihr und denkt immer daran, falls ihr jemals einer lachenden Runde von Bären auf einer Waldlichtung bei Vollmond begegnet, wie gut es doch ist, Freunde zu haben. Damit endet die Geschichte vom Mondbären. Bleibt auch ihr alle miteinander gesund, munter und gut gelaunt, seid auf der Hut und denkt daran, dass nicht immer alles wirklich so ist, wie es auf den ersten Blick erscheint und glaubt ganz besonders nicht, was eine diebische Elster euch erzählt!

Vera Sandström
Antwort an  Kausalitätenjäger
1 Monat zuvor

Respekt für Ihre Version. Aber zur Klarstellung: Die ursprüngliche Kindergeschichte vom Honigmond ist keineswegs von mir, sie geht auch nur bis zu dem Moment, als die Vögel recht schnell Mitleid mit dem Bären bekommen und ihm erzählen, dass sie den Honig essen und dass der Mond sein Eigenleben hat und nicht gefüttert werden muss. Schauen Sie sich das Video an (Link am Beginn der Geschichte). Was ich vor allem in der „Erwachsenenversion“ zeigen wollte, ist der Selbstbetrug des Bären, nicht der Fremdbetrug durch die Vögel (bzw. die diebische Elster bei ihnen). Je länger der Bär leidet, desto schwieriger wird es für ihn, sein Leid als sinnlos zu betrachten, desto mehr braucht er dieses Gefühl von Selbstwirksamkeit (ich habe den Mond gefüttert). Selbstbetrug ist viel heimtückischer und schwieriger zu akzeptieren. Also zu sagen: Dieser Weg, den ich eingeschlagen habe und schon so lange gehe mit so vielen Entbehrungen und der mich als Mensch mehr und mehr definiert und mir Sinn gibt, dieser Weg war NICHT der richtige – diese Erkenntnis erschüttert das Selbstbild so sehr, dass man ihn (fast) um jeden Preis vermeiden möchte. Fremdbetrug (durch die diebische Elster) ist dagegen viel leichter zu akzeptieren, denn da trage ich nicht selbst die Schuld und habe einen „Feind“, der mich betrogen hat. Insofern ist Ihre Version viel mehr eine Schwarz-Weiß Gegenüberstellung (gute Bären, böse Elster), eine Art Kampf, wo der Bär am Ende den äußeren Feind erkennt, und den das Gute am Ende gewinnt. Ich fürchte, es ist nicht so einfach. Ich will die Vögel nicht als äußere Feinde sehen, sie profitieren vom Wunsch des Bären, sich für selbstwirksam zu halten. Das ist legitim. Irgendwann haben sie genug, aber der Bär kann seinen Selbstbetrug nicht akzeptieren. Er war sein eigener Feind, nicht die Vögel! Mit diesem Wissen kann er aber nicht umgehen und bleibt deshalb weiter sein eigener Feind. Und das beschreibt unsere jetzige Situation in der Gesellschaft sehr gut, wie ich finde.

Fritz Gerhard
1 Monat zuvor

Es gibt eine ganz einfache Erklärung für das, was Sie treffend mit der Monbärengeschichte beschreiben: Die sogenannte zivilisierte Menschheit ist fast vollständig infantilisiert. Schuld ist der sozialistische Übervater „Staat“, der jedem einzelnen von uns die Verantwortung für sein Leben gestrichen hat und dafür kollektive Schuld- und Dienstprogramme bereitstellt (Klimaschuld, Karbonisierungsschuld, Kolonialschuld, Corona-Ansteckungsschuld usw.)
Bevor wir jetzt in diesem Corona-Gefängnis gelebt haben, haben wir schon lange in einem Mental-Gefängnis gelebt. Freies Denken ist abgeschafft, für alles gibt es einen „zuständigen“ Ansprechpartner und Betreuer. Psychologie der Massen- (Psychose und Hypnose) macht’s möglich. Die Massenmedien sind diejenigen, die Gehirnwäsche betreiben und den kommenden Weltsozialismus vorbereitet werden, in dem uns dann auch noch der private Besitz abgenommen wird.
Ich schicke Ihnen in Kürze meinen Aufsatz zum „Great Reset“ zu.

Archi.medes
1 Monat zuvor

Ähnlich der Regentanz der Indianer:

  • – regnet es danach tatsächlich, hat natürlich der Regentanz gewirkt.
  • – regnet es aber nicht, hat man einfach nicht genug getanzt.

Man ersetze Regentanz durch „Cornamaßnahmen der Regierung“

Josef
1 Monat zuvor

Toller Artikel!

Paul Sut
1 Monat zuvor

Nette Geschichte, aber ergibt letztlich aus jeder Richtung Sinn (entsprechend der eigenen Weltwahrnehmung). Coronaskeptiker, -leugner, -befürworter – jeder kann sich freuen oder den Kopf schütteln 😉

Gert Friederichs
1 Monat zuvor

Ich erinnere mich, dass wir so etwa 1958 oder 1959 auch im Deutschunterricht ein Märchen umdichten durften. Also glorreich waren die Ergebnisse alle nicht, obwohl unsere Klasse im Gymmi hochgelobt war. Mit knapp 20 waren wir wohl noch nicht in der richtigen Verfassung bzw. die Probleme damals waren zu gering, sie effektiv in Märchen einzubinden.
Mit dem heutigen Erkenntnisstand und (so hoffe ich) einem Schuss Altersweisheit sieht das schon ganz anders aus. So ganz zufrieden bin ich allerdings mit der Bärenstory nicht.

N. B.
1 Monat zuvor

Nach dem lesen dieser Geschichte frage ich mich ob wir nächstes Jahr immer noch im winter in irgendwelche Lockdown sitzen, versuchen home schooling machen mit den Kindern die seit 2 Jahren die schule nicht mehr erst nehmen, kratzen wir Geld unsere Familie zu ernähren und sagen naja, irgendwann werden wir unser Leben wieder zurückbekommen. Irgendwann wird alles wieder normal.

John
1 Monat zuvor

Gut sagen wir mal wir sind der Bär, die Vögel die Regierung und der Mond Corona.

Die Vögle sagen zu dem Bär hey schau mal mit dem Mond stimmt was nicht, der Bär oh Gott was ist denn mit dem los? Die Vögel, der braucht mehr Honig und jetzt kommst du ins Spiel! Der Bär glaubt das und haut den Honig raus und erst scheint das auch  zu funktionieren. Jetzt kommen die Kumpels von den Vögeln vorbei und sagen hey was macht ihr denn hier? Wir haben den Bär überzeugt …..und fressen jetzt seinen Honig! Super Idee können wir mitmachen? Klar, die Vögel die jetzt mehr sind brauchen jetzt natürlich mehr Honig also sagen die dem Bär, du musst uns mehr Honig geben, das mit dem Mond ist noch nicht besser geworden. Gut der Bär macht das und nimmt selbst ab, das Spiel geht munter weiter, die Vögel die es dufte finden sich selbst keine Nahrung zu suchen finden das total super und werden immer mehr. Der Kreis der Profiteuere ( Vögel)wächst ständig und der Bär muss selbst immer mehr Honig ranschaffen um überhaupt selbst noch was übrig zu haben! Am Schluss gibt es mehrere Szenarien die sich ergeben können:

Der Bär durchschaut das mit dem Mond  und dass die Beseitigung des „Problems“ unerreichbar ist und nur Mittel zum Zweck ihn auszuplündern und spielt nicht mehr mit. Wenn jetzt beide ihrer Wege gehen können beide  Parteien überleben.

Die zweite Variante ist dass die Vögel so viele werden und das Spiel so weit treiben bis der Bär verhungert und keinen Honig mehr sammeln kann, was automatisch zum Tod der Vögel die von ihm abhängig sind führt.

Die dritte Variante ist dass der Bär es durchschaut und aus Wut die Vögel platt macht, es sozusagen Krieg zwischen Bären und Vögeln gibt…

Diese Geschichte beschreibt wenn man sie so erzählt, wie die Gesellschaft funktioniert:

Die Bären zahlen alle ganz viel Geld an die Vögel damit die uns vor ganz ganz schlimmen Mond oder sonst irgendwelchen Problemen beschützen.

Es ist eine Umverteilung von Fleissig nach Faul durch erzeugte Angst vor ungewissen Gefahren!

Das ganze läuft natürlich viel komplexer und subtiler ab, aber im Grunde ist es so!

Corona ist einfach nur die neueste „Gefahr“die mit ganz viel Geld und Freiheit zugetüncht werden muss, genau wie Waldsterben, Atomkraft, das böse CO2 etc….

Kater Garfield
1 Monat zuvor

Journalismus OHNE Belehrung?

„Nüchtern ist festzuhalten, dass „noch mehr von demselben“ niemals der richtige Ansatz sein kann, wenn eine Wirkung nicht zu erkennen ist.“  Haben Sie nie in Ihrer Kindheit eine Paranuss im Nussknacker gehabt? Da passiert bei „mehr von demselben“ (i.e. mehr Kraft, mehr Druck) auch nix – bis sie irgendwann endlich bricht. Haben Sie nie versucht, eine elektrische Sicherung ansprechen zu lassen?  Da passiert (je nach Typ bis 10A, 16A oder 30A) auch nix – bis der vorgesehene Schwellwert endlich überschritten ist – und dann springt sie raus.  Dito. beim Abzug einer Pistole – und 1.000 anderen Dingen des Alltags.