Martin Rabanus, Abgeordneter der SPD, stand vorne im Bundestag am Rednerpult und erklärte mit fester Stimme: Correctiv habe „nie einen Cent vom Staat für Recherchen erhalten“, habe „nichts erfunden“ und „sehr sauber recherchiert“. Die AfD, so der Sozialdemokrat Rabanus weiter, nutze „Settings, die ein Stück weit an die Wannseekonferenz erinnern“.
Drei Sätze. Jeder für sich bemerkenswert.
Die Gerichte haben die Kernbehauptungen von Correctiv zum Potsdamer Treffen inzwischen kassiert. Das wäre für einen Parlamentarier, der Fakten schätzt, eigentlich der Moment innezuhalten. Zu fragen: Stimmt das noch, was ich gleich sage?
Rabanus hielt inne – doch statt sich und seine Version der Fakten zu hinterfragen, redete er weiter.
Am Ende einer völlig irrwitzigen Bundestagsdebatte über die »Correctiv«-Recherche schoss der SPD-Politiker Martin Rabanus heute den Vogel ab: Den Journalisten von »Correctiv« – an denen inzwischen nicht nur NIUS und »Cicero«, sondern auch »Übermedien«, die »Zeit«, die… pic.twitter.com/xmV6QPoGde
— Jan A. Karon (@jannibal_) April 23, 2026
Was den Wannsee-Vergleich betrifft: Wer ein Abendessen von Konservativen in Potsdam mit der Konferenz gleichsetzt, auf der der industrielle Massenmord an den europäischen Juden koordiniert wurde, hat entweder keine Ahnung, was dort beschlossen wurde – oder er weiß es und findet den Vergleich trotzdem angemessen. Beides wäre ein Befund. Und beides sagt mehr über den Sprecher aus als über sein Ziel.
Und der staatliche „Keinen Cent“? Diese Grafik spricht für sich – sie beruht auf Angaben von Correctiv selbst:
Rund 2,6 Millionen Euro aus Bundes- und Landesministerien. Allein aus Nordrhein-Westfalen: 1,3 Millionen. Dazu über 17 Millionen von angeblichen „Nichtregierungsorganisationen – darunter die Open Society Foundation, Google, Omidyar/Luminate. Und über 100 weitere.
Staatsgeld, Stiftungsgeld, NGO-Geld. Aber keinen Cent.
Das Erschreckendste an Rabanus‘ Auftritt ist nicht, dass er lügt. Es ist, dass er es vermutlich wirklich glaubt. Für ihn sind nicht die Gerichte die Realität – sondern Correctiv. Die Urteile? Fakenews. Die Grafik? Propaganda. Der Bundestag nickt. Kein Widerspruch, kein Zögern, kein Raunen.
So sieht es aus, wenn ein Parlamentarier die Wirklichkeit durch die Correctiv-Brille betrachtet – und sie dabei schlicht nicht mehr erkennt.
Rabanus ist kein Ausrutscher. Er ist das System: Politiker, die Unwahrheiten verbreiten. Medien, die sie nicht korrigieren. Gerichte, die entweder mitspielen – oder, wenn sie es selten genug nicht tun und widerlegen, einfach ignoriert werden. Eine Klasse, die sich selbst für die Wirklichkeit hält, alle anderen für das Problem – und jeden, der das benennt, zur Gefahr für „UnsereDemokratie“ erklärt. So nennt sich die neue nationale Front der Moral-Überlegenen, wenn sie nicht gerade staatlich geförderte Recherchen als unabhängigen Journalismus verkauft.
Bilder: Screenshot X
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