Die besorgniserregende Wankelmütigkeit des Karl Wilhelm L. Vom Impfpass-Gegner zum Befürworter der Impfpflicht

Von Daniel Weinmann

„Was interessiert mich mein Geschwätz von gestern.“ Kürzer als mit diesem Konrad Adenauer zugeschriebenen Ausspruch lässt sich die Politik des aktuellen Gesundheitsministers kaum auf den Punkt bringen. Wohlweislich ohne den zweiten Teil des viel bemühten Bonmots. Denn der erste Bundeskanzler der Bundesrepublik fügte damals hinzu: „Nichts hindert mich daran klüger zu werden.“

Dies wünschte man Professor Dr. Karl Wilhelm Lauterbach zwar von Herzen. Doch hier kann man es augenscheinlich nur mit Johann Wolfgang von Goethes Faust halten: „Die Botschaft hör ich wohl, allein mir fehlt der Glaube.“

„Ich bin selbst ein klarer Gegner eines sogenannten Impfpasses oder Impfausweises bei Corona“, erklärte der oberste Krisenmanager der Pandemie im Mai 2020. „Da haben wir die ursprünglichen Pläne von Spahn gestrichen.“ Dessen Idee eines Immunitätsnachweises „wäre eine Zweiklassengesellschaft gewesen. Das haben wir gestoppt.“

Auf die Frage, wie er sich verhalte, wenn die Idee eines Immunitätsausweises zukünftig wieder thematisiert werden sollte, antwortete Lauterbach: „Wir machen das nicht mit.“

»Ich bin gegen eine Impfpflicht«

Ebenso eindeutig war seine Replik auf den Einwand, dass es noch keine Langzeitstudien über die Impfstoffe gebe: „Eine Impfpflicht wird’s dafür auch nicht geben“, betonte der damals äußerlich Bill Gates ähnelnde Lauterbach. Diese sei auch im Gesetz nicht vorgesehen.

„Jeder, der sich nicht impfen lassen will, hat dazu natürlich voll das Recht. Ich bin gegen eine Impfpflicht“, unterstrich er auch auf seinem Facebook-Kanal.

Ein Jahr und neun Monate später fällt phänomenologisch betrachtet auf, dass der Vater von fünf Kindern erschreckend schmal und müde aussieht. Seine permanenten Warnungen zusammen mit der Omnipräsenz in den TV-Talks scheinen sehr an ihm zu zehren.

Auch inhaltlich unterscheidet sich der Lauterbach von damals diametral zu heute. Zwar erklärte er, dass er als Gesundheitsminister keinen eigenen Gesetzesvorschlag für eine allgemeine Impfpflicht einbringen werde. Als Bundestagsabgeordneter stehe er einer allgemeinen Impfpflicht gegen das Coronavirus jedoch positiv gegenüber. Dies hört sich im Rahmen einer Bundestagsdebatte so an: „Der sicherste und schnellste Weg aus der Pandemie heraus ist die Einführung einer allgemeinen Impfpflicht.“

Impfpflicht auf Verdacht?

In einem eitlen Husarenritt hat er – ohne jede wissenschaftliche Evidenz – den Genesenenstatus halbiert, um Geimpfte besserzustellen und einen „Anreiz fürs Impfen“ (so sein Sprecher) zu schaffen. Ein Twitter-Kommentator bringt auf den Punkt, warum sich Lauterbach hierzulande so gerieren kann: „Dass Lauterbach manipuliert, lügt und unsauber argumentiert, wissen wir doch alle. Das eigentliche Problem ist jedoch die umfängliche Verblödung großer Teile des Volkes, die solche Zustände ermöglicht.“

Damit spielt er nicht zuletzt auf Umfragen wie die des Meinungsforschungsinstituts INSA im Auftrag von „Bild“ an, nach der Lauterbach Deutschlands beliebtester Politiker ist.

Das Verwaltungsgericht Osnabrück hat zwischenzeitlich einem Bürger Recht gegeben, der wegen der Verkürzung des Genesenenstatus von sechs auf drei Monate geklagt hatte. Diese Verkürzung, so die Juristen, sei verfassungswidrig und nicht wissenschaftlich basiert.

Ebenfalls fragwürdig: Der Gesundheitsminister fordert die Impfpflicht nicht zuletzt aufgrund der potenziellen Bedrohung durch mögliche neue Varianten im Herbst. Dies bedeutet im Umkehrschluss, dass die Impfpflicht auf Verdacht eingeführt werden soll – und dies vor dem Hintergrund dessen, was gerade in anderen europäischen Ländern passiert. Bleibt abzuwarten, wie lange die Lauterbach-Apologeten auch das goutieren.




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Daniel Weinmann arbeitete viele Jahre als Redakteur bei einem der bekanntesten deutschen Medien. Er schreibt hier unter Pseudonym.

Bild: Juergen Nowak/Shutterstock
Text: dw

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