Dieter Bohlen klagt über Versagen der Corona-Politik – und lobt Impfung Musikproduzent im Corona-Spagat

Von reitschuster.de

Frisch und gut erholt sieht der erfolgreiche Musikproduzent und Musiker Dieter Bohlen aus. Sein Weggang bei „Deutschland sucht den Superstar“ (DSDS) nach so vielen Jahren der Tätigkeit als Chef-Juror der Sendung scheint eine Phase der Erholung bereitgestellt zu haben.

Andererseits bleibt Bohlen auch, was man liebevoll eine Rampensau nennt: Der 67-Jährige zieht die Scheinwerfer und Mikrofone magisch an. Gern hilft er auch mit ein paar markigen Sprüchen nach.

In den letzten Staffeln von DSDS war Dieter Bohlen spürbar sanfter, ja fast freundlich und väterlich zu seinen Kandidaten. Bohlen mochte, was er da tat und sah sich wohl selbst zunehmend als eine Art väterlicher Freund für diese vielen Hundert jungen Leute, die alle so gern ein/der Superstar werden wollen.

Eine sympathischere Rolle als der Sprücheklopfer unter der Gürtellinie, mit der er das Format in seinen Anfangstagen groß gemacht hatte.

Und Bohlen hat diese Rolle von DSDS hinübergerettet in seinen überraschenden Teilzeitruhestand. Jetzt hat sich der Musikproduzent in einem kurzen Video an seine Fans gewandt und u.a. auch zur Corona-Politik der Bundesregierung Stellung bezogen.

Dieter Bohlen im frisch gebügelten weißen Hemd, aufgenommen irgendwo in einem privaten Bereich. Das E-Mail- und Nachrichtenportal GMX hat das knapp zweiminütige Video veröffentlicht und findet, was Bohlen da erzählt, teilweise „kurios“.

Wenn alle zur Impfung gegangen wären, würde es laut Bohlen „die vierte Welle und diesen ganzen Scheiß jetzt nicht geben“. Er fängt also recht zahm, gar konventionell und regierungskonform an. Er selbst sei als einer der Ersten geimpft worden, er hätte sich sogar schon boostern lassen. Und trotzdem müssten alle dafür sorgen, schön die Masken zu tragen.

Und dann sagt Bohlen bezogen auf die Bewältigung der Pandemie:

„Wie kann es eigentlich sein, dass Deutschland am Anfang mal führend war in der ganzen Corona-Geschichte und mittlerweile ganz weit nach hinten gefallen ist?“ Die massiven Probleme am Anfang, als Deutschland sogar für Spott im Ausland sorgte, hat er offenbar vergessen. Dann beantwortet er sich seine Frage selbst: „Wir haben alles verpennt.“ GMX kommentiert die Aussage auch dahingehend, dass Dieter Bohlen nicht die Impfverweigerer verantwortlich machen würde.

Und wieder Bohlen dazu, warum wir so zurückgefallen sind:

„Und an wem liegt das? Ich will jetzt ja keinem die Schuld geben. Aber viele Positionen in der deutschen Politik waren einfach nicht von Leuten besetzt, die wirklich Ahnung haben, die Kompetenzen haben, die das gelernt haben. Sondern da saß irgendjemand – weil der musste da gerade hin, wegen dem Parteibuch oder aus welchen Gründen immer.“

GMX kommentiert: In Amerika, so Bohlen, sei das ganz anders, da würden echt kompetente Leute sitzen. Und Dieter präzisiert: „Kompetente Leute müssen da hin, die was zu sagen haben, die Visionen haben, die uns alle nach vorne bringen.“

Es folgt, was das Nachrichtenportal kurios fand:

„Wenn ihr ein Loch in eurem Dach da oben habt, ruft ihr dann einen Bäcker an? Der Bäcker kommt und sagt Okay und stopft da zwei Brötchen rein und nach drei Tagen regnet es wieder rein. Ihr ruft doch auch beim Dachdecker an. Und so muss das bei unseren Politikern auch sein. Wir brauchen Leute mit Ahnung, die uns führen können. Und dann läuft’s auch!“

Bohlen verabschiedet sich bei seinen Zuschauern mit einem „Alles Liebe, Euer Dieter“. Und hängt, als wäre es für das Protokoll, hinten dran: „Geht Impfen.“

Immer mehr Prominente, die um ihr Publikum gebracht wurden durch die Corona-Maßnahmen, kritisieren die Regierung. Die Wasserscheide zwischen „zulässiger“ Kritik und „unzulässiger“ ist dabei vor allem die Impf-Thematik und die Hyper-Gefährlichkeit des Virus. Wer bei diesen Themen kritische Töne wagt, muss mit dem Schlimmsten rechnen. Wie Michael Wendler, der mit Bohlen in der Jury war und heute wie ein Aussätziger behandelt wird (ebenso wie Xavier Naidoo, der gegen andere Gesetze der politischen Korrektheit verstoßen hat). Wer beim Impfen auf Linie bleibt und die Hyper-Gefährlichkeit nicht hinterfragt, darf die Ausführung (nicht die Hintergründe!) der Corona-Politik kritisieren, ohne sich deswegen größere Sorgen machen zu müssen. Bohlen sucht hier offenbar den Spagat: Einerseits will er kritisch wirken, und so kritische Fans bei der Stange halten, andererseits ist er in der entscheidenden Frage stramm auf Linie, um im Geschäft zu bleiben. Mit dem Schicksal von Xavier Naidoo und Wendler vor Augen? Wenn man böse wäre, könnte man von Opportunismus und Gratismut reden. Und wenn man es gut mit ihm meint, dann liest man halt die Zwischentöne.

 
Bild: vipflash/Shutterstock
Text: reitschuster.de

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