„Ein Schock, der seinesgleichen sucht“ Verheerende Lockdown-Bilanz für die deutsche Wirtschaft

Von Christian Euler

Vor fast genau einem Jahr ging Deutschland in den ersten Lockdown. Nummer zwei begann im November – und scheint kein Ende zu nehmen. Mit immer neuen, teils hanebüchenen, Kriterien hangelt sich die Regierung von Verlängerung zu Verlängerung. Derzeit sind es die so genannten Mutanten, mit denen man die Panik schürt, auch wenn es über deren Gefährlichkeit keine wissenschaftlich validen Erkenntnisse gibt.

Fest steht nur: Der Lockdown als der Regierung liebstes Kind kommt die deutsche Wirtschaft teuer zu stehen. Allein im ersten Quartal dieses Jahres dürften sich die Kosten nach Berechnungen des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) auf rund 50 Milliarden Euro belaufen.

Insgesamt beläuft sich der Wohlstandsverlust durch die Corona-Krise auf – bislang – 250 Milliarden Euro. In Zahlen liest sich das so: 250.000.000.000 Euro. Zudem gingen im vergangenen Jahr rund 16.300 Firmen in die Insolvenz. Hinzu kommen 5.000 Zombieunternehmen, die zumindest scheinbar am Leben sind, weil die Insolvenzregeln ausgesetzt wurden. Tendenz weiter steigend.

Die Pandemie habe „fast alle Bereiche der Wirtschaft ins Mark getroffen, berichtet das in Köln beheimatete IW. Das Institut simulierte den Konjunkturverlauf in Deutschland ohne Corona und verglich ihn mit der tatsächlichen Entwicklung. Vor allem im zweiten Quartal 2020 sei es zu einem „Schock“ gekommen. Das prognostizierte BIP ohne Corona lag demnach bei 850 Milliarden Euro, tatsächlich waren es aber rund 100 Milliarden Euro weniger.

Extremer Rückgang des privaten Konsums

„Die Corona-Krise war und ist ein Schock für die deutsche Wirtschaft, der seinesgleichen sucht“, bringt es IW-Direktor Michael Hüther auf den Punkt. Die Hilfspakete der Bundesregierung und das Kurzarbeitergeld hätten noch schlimmere Folgen abwenden können.“ Allerdings haben die Auszahlungen der Hilfen lange, teilweise zu lange, auf sich warten lassen“, so Hüther. Diese harte Phase hätten nicht alle Unternehmen meistern können.

Dazu passt: In der Corona-Krise ist der private Konsum in Deutschland so stark zurückgegangen wie seit einem halben Jahrhundert nicht mehr. Die Haushalte gaben im vergangenen Jahr für Waren und Dienstleistungen 4,6 Prozent weniger Geld aus als ein Jahr zuvor, wie das Statistische Bundesamt berichtete. Dies war der stärkste Rückgang seit 1970 und unterscheidet sich grundlegend vom Verhalten der Konsumenten während der Finanz- und Wirtschaftskrise 2008/2009. Damals hatte der private Konsum die deutsche Volkswirtschaft gestützt und zur schnellen Erholung beigetragen.

Last but not least bleibt auch die Lage am Arbeitsmarkt weiter angespannt. Die Zahl der Arbeitslosen ist binnen Jahresfrist von 2,3 Millionen auf 2,75 Millionen geklettert. Die Zahl der Kurzarbeiter taxiert das Münchner ifo Institut für Wirtschaftsforschung auf aktuell 2,8 Millionen.

Gründe genug also für die Regierung und die Ministerpräsidenten, zumindest ein Ende des Lockdowns in Betracht zu ziehen. Aus Angst vor der Mutante wird man vermutlich lieber sehenden Auges dem Abgrund entgegensteuern – verlorene Landtagswahlen hin oder her.

Diejenigen, die selbst wenig haben, bitte ich ausdrücklich darum, das Wenige zu behalten. Umso mehr freut mich Unterstützung von allen, denen sie nicht weh tut!
Dipl.-Volkswirt Christian Euler widmet sich seit 1998 intensiv dem Finanz- und Wirtschaftsjournalismus. Nach Stationen bei Börse Online in München und als Korrespondent beim „Focus“ in Frankfurt schreibt er seit 2006 als Investment Writer und freier Autor u.a. für die „Welt“-Gruppe, Cash und den Wiener Börsen-Kurier.
Bild: Timofey Zadvornov/Shutterstock
Text: ce

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Wer die Wahrheit sagt, braucht ein schnelles Pferd, besagt ein chinesisches Sprichwort. In Deutschland 2021 braucht man dafür eher einen guten Anwalt.

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