Ein Toter mit Bart und Rucksack – und die doppelte Moral Warum manche Opfer Gesichter bekommen – und andere nicht mal einen Namen

Er trägt Brille, lacht freundlich in die Kamera, hockt im Wald – und wurde erschossen. „Intensivpfleger mit großem Herz“, titelt etwa der „Focus“. Der Mann war Amerikaner, 36 Jahre alt, hieß Alex Jeffrey Pretti, arbeitete im Krankenhaus, wanderte gern und starb bei einem Polizeieinsatz des US-Einwanderungsdienstes ICE in Minneapolis. Die Umstände sind unklar, das Urteil steht fest: Trump-Schergen erschießen Pflegeengel. Ja, da steht tatsächlich „Trump-Schergen“ – gemeint sind Beamte der Einwanderungspolizei ICE.

Es ist ein journalistisches Märchenbuch in Reinform: Held, Opfer, Schurke. Bebildert, betextet, betrauert. Selbst das Wanderrucksack-Foto ist perfekt. Fehlt nur noch der Golden Retriever im Hintergrund. Und es ist nicht nur der „Focus“, der so herzergreifend berichtet. „Bild“ und viele anderen Medien halten es genauso.

Wenn es gegen Trump geht, gegen eine harte Einwanderungspolitik, dann ist jedes Mittel recht. Und nichts zu kitschig. Damit wir uns richtig verstehen: Der Tod von Pretti ist eine Tragödie. Seinen Angehörigen gehört unser aller Mitgefühl. Und ihn in warmer Erinnerung zu behalten, ist nicht nur sinnvoll, sondern sogar eine Frage des Anstands.

Doch jetzt kommt das große „Aber“: Man kann es begrüßen, dass Pretti posthum ein Medienleben voller Empathie bekommt. Aber warum nur er? In Deutschland sterben fast Woche für Woche Menschen durch importierte Gewalt – durch Täter, die Schutz gesucht haben und Tod brachten. Und diese Menschen, die uns, rein geographisch, viel näher sind als Pretti? Fast immer: Keine Namen. Keine Bilder. Keine Geschichten.

Der Mechanismus: Opfer nach Verwertbarkeit

Die deutsche Mainstream-Presse kennt keine Gleichheit vor dem Tod. Es gibt „unpassende“ Opfer – und es gibt verwertbare Opfer. Entscheidend ist nicht das Verbrechen, sondern das Drehbuch. Wenn der Täter ein Polizist ist, ein ICE-Beamter, ein Rechter – dann ist das Opfer heilig. Dann wird geschrieben, gezeigt, erinnert, emotionalisiert. Wenn der Täter aber ein Flüchtling, ein Clankrimineller, ein „psychisch auffälliger“ Asylbewerber ist, wie islamistische Terroristen inzwischen meistens genannt werden – dann wird das Opfer anonymisiert. Dann heißt es allzu oft nur: „Ein Mann kam ums Leben.“ Und auch aus dem Täter wird dann allzu oft nur „ein Mann“. Bloss nichts Konkretes.

Ein paar Beispiele?

  • Die 15-Jährige aus Kandel, mit 20 Messerstichen von einem abgelehnten afghanischen Asylbewerber ermordet.
  • Der Feuerwehrmann von Augsburg, zu Tode geprügelt von einer Migrantengruppe.
  • Die 14-Jährige in Illerkirchberg, erstochen auf dem Schulweg.
  • Die 17-jährige Schülerin und ihr 19-jähriger Freund, die beim Zugmassaker von Brokstedt getötet wurden.
  • Der Mann, der in Ludwigshafen einfach auf dem Nachhauseweg getötet wurde.

Wie viele dieser Namen kennen Sie? Wie viele Gesichter haben Sie gesehen? Wie viele Artikel mit „großem Herzen“? Eben.

Warum das Vertrauen zerbricht

Es geht hier nicht darum, Leid gegeneinander aufzurechnen. Jeder Mord, jeder gewaltsame Tod ist eine Tragödie. Aber wenn die Medien die einen Tragödien selektiv inszenieren – und andere verschweigen oder anonymisieren –, dann kippt das Gleichgewicht. Dann haben wir keinen Journalismus mehr, sondern Gesinnungsfilter. Dann erleben Leser und Zuschauer das, was Psychologen als kognitive Dissonanz beschreiben: Sie sehen die Wirklichkeit – und lesen eine andere. Sie erleben Angst – und hören Beschwichtigungen. Sie fragen sich: Warum zählt dieses Leben – und jenes nicht?

Die Antwort ist bitter: Weil es nicht mehr um Wahrheit geht, sondern um Narrativpflege. Um Belehrung. Um Umerziehung. Und das zerstört das, was Medien eigentlich schützen sollten, aber längst grundlegend verloren haben: das Vertrauen.

Wenn der Tod politisch wird

Stellen Sie sich vor, ein junger Deutscher wird in einem Zug von einem Migranten mit dem Messer erstochen. Er war Krankenpfleger, engagierte sich ehrenamtlich, lachte oft. Was machen die Medien? Richtig: Nichts. Keine Biografie, kein Waldspaziergangfoto, keine rührende Geschichte.

Stellen Sie sich dagegen vor, ein Migrant kommt bei einem Polizeieinsatz ums Leben – auch unter ungeklärten Umständen. Was passiert? Genau das, was gerade mit Alex Pretti passiert ist.

Es geht nicht um Journalismus. Es geht um politische Verwertbarkeit.

Was lehrt uns diese Geschichte?

Die Wahrheit ist keine Frage der Perspektive – sondern der Verwertbarkeit. Zumindest in deutschen Redaktionen. Eigentlich kennt der Tod keine Ideologie. Aber keine Sorge – das besorgen unsere Journalisten. Es geht längst nicht mehr darum, ob ein Mensch stirbt. Sondern nur noch, ob er aus politischer Sicht „richtig“ stirbt.

PS: Ursprünglich wollte ich diesen Text voller Wut schreiben. Schlagzeilen zerreißen, Bilder nebeneinanderlegen, Namen listen. Doch das bringt nichts. Das Muster ist längst erkennbar – allen, die noch hinschauen. Die einen Opfer werden instrumentalisiert, die anderen ausgelöscht. Beides ist gleichermaßen verkommen. Und ja: Die Versuchung, selbst so zu handeln, sich selektiv zu empören oder eben wegzusehen, verstehe ich. Auch mir ist sie leider nicht fremd – etwa, wenn wieder einmal jemand durch einen Messerangriff stirbt. Aber ich versuche, gegen diese Versuchung anzukämpfen. Denn wirklich unabhängiger Journalismus beginnt dort, wo man auch das Leid sieht, das nicht ins eigene Lager passt. Wer sich diesem Blick dauerhaft verweigert, sollte aufhören, sich „Journalist“ zu nennen.

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