Endlich spricht auch Lauterbach vom Ende der Pandemie – in 30 oder 40 Jahren Bizarre Panikmache des Gesundheitsministers

Von Daniel Weinmann

Es ist ein trauriges Zeichen unserer Zeit, dass das durch Zwangsgebühren finanzierte, öffentlich-rechtliche Fernsehen Dauer-Talkern wie Karl Lauterbach noch immer eine Plattform dafür bietet, wissenschaftsferne Behauptungen zum Schüren von Panik zu nutzen.

Die Welt ist durch das Coronavirus etwas schlechter geworden, sagte der notorische Schwarzmaler an diesem Sonntag in der ARD-Talkshow „Anne Will“. Dieses zusätzliche Virus werde nicht mehr weggehen und es sei ansteckender und gefährlicher als die Grippe. Darum müssten vor allem die verletzlichsten Menschen, also Vorerkrankte und Ältere, geschützt werden.

Im weiteren Verlauf der Sendung kommt es zu einem Moment, in dem sich der Apokalyptiker selbst übertrifft: „Es wird einfach nicht mehr so sein wie vor Corona. Es wird nicht so sein, dass es jetzt nochmal durchläuft und dann sind wir wieder, wo wir waren“, prognostiziert Lauterbach in gewohnter Selbstüberzeugtheit. „Die Idee, dass das jetzt immer harmloser wird, demnächst eine Erkältungskrankheit, das ist eine ganz gefährliche Legende. Das mag in 30, 40 Jahren so sein, aber nicht für die nächsten zehn Jahre.“

Eine verstörende Vorstellung für all diejenigen, die neiderfüllt ins europäische Ausland schauen, wo immer mehr Staaten von den Corona-Maßnahmen abrücken. Fragt sich allerdings, ob es nicht ungleich beängstigender wäre, über einen derart langen Zeitraum die kruden Thesen dieses Gesundheitsministers ertragen zu müssen. Gerade Omikron zeigt nämlich, dass das Virus – entgegen Lauterbachs Einstufung als „gefährliche Legende“ – eben doch zunehmend ungefährlicher wird.

Bar jeder wissenschaftlichen Unterfütterung

Denn diese Virus-Variante fordert signifikant weniger Tote als die Grippe in der Saison 2017/18. Bar jeder wissenschaftlichen Unterfütterung ist auch seine am Sonntag vor einem Millionenpublikum präsentierte Behauptung, dass das Coronavirus „ansteckender und gefährlicher als die Grippe“ ist. Was der Gesundheitsminister in seiner geckenhaften Eitelkeit übersehen hat: Es gab noch nie DIE Grippe, sondern stets neue Varianten mit einem höchst unterschiedlichen Risikopotenzial.

Angesichts von Auftritten wie diesen verwundert kaum, dass Lauterbach in einer aktuellen Civey-Umfrage deutlich an Popularität eingebüßt hat. Nicht einmal mehr 18 Prozent der Befragten sind mit seinem derzeitigen Krisenmanagement sehr zufrieden, 31 Prozent sind gar nicht zufrieden. Ähnliches zeigt eine exklusive Umfrage von INSA für Reitschuster.de. Danach hat nicht einmal jeder Zweite noch Vertrauen in den Minister: Nur 41 Prozent bescheinigten Lauterbach Vertrauen. Mit 35 Prozent gab mehr als jeder dritte Befragte an, kein Vertrauen in den 58-Jährigen zu haben.

Während der einstige Hardliner Markus Söder vom Maßnahmen-Saulus zum Lockerungs-Paulus mutiert ist, um auf diese Weise seine Reputation zu retten, wird Karl Lauterbach sehr wahrscheinlich den Panikmodus längstmöglich aufrechterhalten wollen. Dazu passt, dass er mit Blick auf die Impfpflicht immer mehr zum einsamen Einpeitscher wird.

Seine Forderung nach dieser auch juristisch höchst umstrittenen Maßnahme begründet er nicht zuletzt mit der potenziellen Bedrohung durch mögliche neue Varianten im Herbst – und unterstreicht damit einmal mehr seinen fragwürdigen Sachverstand. Konsequent weitergedacht bedeutet dies nämlich, eine Impfpflicht auf Verdacht einführen wollen – mit einer Impfung gegen eine Variante, die im Herbst aller Voraussicht nach keine Rolle mehr spielen wird.

Nur Bundeskanzler Scholz ist in der Lage, den ewigen Mahner vor den Bürgern – und vor allem vor sich selbst – zu schützen.


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Daniel Weinmann arbeitete viele Jahre als Redakteur bei einem der bekanntesten deutschen Medien. Er schreibt hier unter Pseudonym.

Bild: Shutterstock/Juergen Nowak
Text: dw

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