Feminismus-Abitur in Innsbruck: Schule als Ideologie-Labor Österreichs Gymnasien entdecken den „Safe Space"

Es ist gut zu wissen, dass nicht nur Deutschland geistig am Ende ist. 

In mancher Hinsicht sind uns die Österreicher voraus. Wie verschiedene österreichische Medien berichten, wird es an einem Innsbrucker Gymnasium bald möglich sein, im Fach „Feminismus“ eine Abiturprüfung abzulegen. Um es mit den Worten von oe24 zu sagen: „Am Reithmanngymnasium in Innsbruck können Schüler:innen im Themenbereich „Feminismus“ bald mündlich maturieren.“ Zwar weiß ich, dass man das Abitur in Österreich als Matura bezeichnet, aber trotzdem musste ich bei diesem Satz zweimal hinsehen, um mir sicher zu sein, dass da nicht vielmehr „Am Reithmanngymnasium in Innsbruck können Schüler:innen im Themenbereich „Feminismus“ bald mündlich masturbieren“ stand – denn um geistige Masturbation handelt es sich hier ohne Zweifel. 

Das sogenannte Wahlmodul, in dem man bald eine mündliche Reifeprüfung ablegen kann, trägt den schönen Namen „We should all be feminists“, nimmt also bereits in seiner Bezeichnung das Ergebnis der schulischen Bemühungen vorweg: Alle sollen Feministen werden, ob sie wollen oder nicht. Gehen soll es dabei um unterschiedliche Aspekte „feministischer Theorie und gesellschaftlicher Rollenbilder“, was man selbst bei unbezähmbarem Gesprächsbedürfnis in höchstens einer Doppelstunde hätte abhandeln können, aber damit sind die Österreicher nicht zufrieden. Schließlich muss man sich den drängenden Themen unserer Zeit widmen, als da wären: „der weibliche Körper, toxische Männlichkeit, Beziehungsgewalt oder Catcalling.“ Sollte sich bei manchen Lesern der Eindruck einer gewissen ideologischen Einseitigkeit ausbreiten, werde ich mich vor Widerspruch hüten. 

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Doch es soll nicht bei pseudowissenschaftlichem Gerede bleiben, denn die Schule von heute will mehr bieten. „Es würde aber auch stark um die eigenen Erfahrungen der Schüler gehen, berichtet die Lehrerin und Mitgründerin des Feminismus-Moduls, Anja Duschek, dem Kurier. Der Unterricht sei so zum „Safe Space“ in der Schule geworden.“ Und auch ein bedeutsames Unterrichtsziel teilt uns Frau Duschek mit: „Die Schülerinnen und Schüler würden erkennen, dass auch andere ähnliche negative Erfahrungen gemacht haben. Es gehe darum zu verstehen, dass dies nicht ihr persönliches Problem sei, sondern daran liege, dass das Patriarchat ein System ist.“ Dass es negative Erfahrungen verschiedenster Art gibt, hat man schon früher gewusst und in der Regel auf dem Pausenhof oder in der nachschulischen Freizeit in aller Ausführlichkeit besprochen. Das reicht aber in diesen schwierigen Zeiten nicht mehr, denn womöglich könnten die Teilnehmer der Erkenntnis entgehen, dass „das Patriarchat ein System ist“. Ob nicht eher die mehr und mehr um sich greifende Idiokratie das problematische System ist, scheint nicht thematisiert zu werden.

Dass sich die zugehörigen Module „großer Beliebtheit“ erfreuen und „fast ausgebucht“ sind, wundert mich nicht; schon zu meiner Schulzeit wusste man sehr genau, in welchen Kursen und bei welchen Lehrern man mit freundlich-leerem Betroffenheitsgerede über die Runden kam – der Weg des geringsten geistigen Widerstandes war immer schon beliebt, auch wenn man ihn nicht so bequem ausgebaut hatte wie heute in Innsbruck. 

Neues ABC

Glücklicherweise hat uns oe24 einen kleinen Einblick in das hohe Niveau der Unterrichtsinhalte und der damit verbundenen Aufgabenstellungen gewährt: „Eine der ersten Aufgaben des Moduls lautet laut „Kurier“-Bericht, zu jedem Buchstaben des Alphabets einen passenden Begriff zu finden – von „A wie Autonome Frauenhäuser“ über „B wie Beziehungsgewalt“ bis hin zu „C wie Catcalling“.“ Mir ist nicht ganz klar, ob man bei oe24 oder am Reithmanngymnasium der Auffassung ist, das Alphabet ende beim Buchstaben C, wie man aus der Formulierung „bis hin zu“ schließen müsste. In jedem Fall eröffnen derart hochklassige Arbeitsaufträge die schönsten Möglichkeiten, und ich möchte ungesäumt einige alternative Begriffe in die Diskussion einbringen: Wie wäre es mit „Affenzirkus“ für den Buchstaben A, mit „Blödsinn“ für das B und einem schönen „Zerstörtes Bildungssystem“ für den Abschlussbuchstaben Z? Ich überlasse es den Lesern oder auch der Lehrerin Anja Duschek, die Lücken zu füllen. 

In Friedrich Nietzsches „Jenseits von Gut und Böse“ ist zu lesen: „Der Irrsinn ist bei einzelnen etwas Seltenes, – aber bei Gruppen, Parteien, Völkern, Zeiten die Regel.“

Und in manchen österreichischen Schulen offenbar auch. 

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Der Autor:

Thomas Rießinger ist promovierter Mathematiker und ehemaliger Professor für Mathematik und Informatik. Er publiziert Fachbücher, philosophische Aufsätze und Beiträge zur Unterhaltungsmathematik. Sein Buch „Wahrheit oder Spiel“ finden Sie hier, „Umgang mit Formeln“ über diesen Link. Hier seine Homepage.

Bild: Symbolbild/KI/Gemini

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