„Der Begriff Parallelwelt, auch Paralleluniversum, bezeichnet ein hypothetisches Universum außerhalb des bekannten Universums.“ So berichtet es Wikipedia, und wie es scheint, durfte man sich während des Landesparteitages der CDU in Mecklenburg-Vorpommern über Besuch aus einem dieser Paralleluniversen freuen: Friedrich Merz war da, und hielt eine Rede, die nicht von dieser Welt sein konnte, sondern einer Parallelwelt entstammen musste. Sehen wir uns an, was er in einem wichtigen Teil seiner Rede zu sagen hatte, welche Vision er vor den Delegierten ausbreitete. Man kann sie ab der 29. Minute bewundern.
„Ich bin zuversichtlich, dass Deutschland schon wieder in relativ kurzer Zeit wieder ganz anders aussehen kann.“
Das stimmt, denn auf dem Weg nach unten kann sich vieles verändern.
Behörden, Unternehmen, Vertrauen
„Stellen wir uns doch nur einen Augenblick vor, dass Behördengänge weitgehend digitalisiert sind und nicht mehr Monate brauchen, sondern Tage, vielleicht nur noch Wochen. Dass Genehmigungen digital, transparent und effizient abgewickelt werden, sei es in der Bauindustrie, sei es in der Infrastruktur.“
Wir stellen es uns vor, und die Wehmut überkommt uns, denn mit dieser Regierung gelangt eher ein Lastenfahrrad durch ein Nadelöhr als eine Behörde zur Effizienz.
„Dass Unternehmerinnen und Unternehmer den Staat nicht mehr als Last und Hemmnis empfinden, sondern als Partner erleben, der sie auf dem Weg ihrer Unternehmen begleitet. Dass nicht mehr Misstrauen vorherrscht, sondern dass Vertrauen vorherrscht, und dass wir das Ganze auch mit einer notwendigen Geschwindigkeit machen und nicht im Stillstand verharren.“
Mit Merz, Klingbeil und Bas an der Spitze der Regierung? Ich hatte schon auf das Paralleluniversum hingewiesen.
Investitionen, Energie, Arbeitsplätze
„Dass Unternehmen wieder gern in Deutschland investieren, weil die Rahmenbedingungen besser geworden sind. Dass Energie bezahlbar und verlässlich ist. Dass mehr Menschen arbeiten können und wollen, weil wir Familie und Beruf besser miteinander vereinbaren.“
Unternehmen sollen in das Deutschland einer rot-schwarzen Desasterkoalition investieren, nur um festzustellen, dass die Kosten überborden und die Steuern den kärglichen Rest vernichten? Energie soll bezahlbar und verlässlich werden? Mag sein, aber nicht mit dieser klimahysterischen Regierung. Und dass Menschen arbeiten, setzt Arbeitsplätze voraus, die von Merz und seiner außerirdischen Truppe zuverlässig vernichtet werden.
Bildung und Klima
„Und schließlich: Dass junge Menschen in unserem Land ein Bildungssystem erleben, das individuell, lebensnah, vor allen Dingen chancengerecht ist und jeden Menschen in jedem Alter ein Leben lang begleitet.“
Erstaunlicherweise wird aber das Bildungssystem immer schlechter. Woran könnte das wohl liegen?
„Stellen wir uns das doch eigentlich mal einfach vor, dass so etwas geht.“
Sicher, wir können uns das vorstellen, und vielleicht wäre es sogar möglich. Aber nicht mit genau den sogenannten Politikern, die für die Misere verantwortlich sind.
„Dass Deutschland ein Industrieland geblieben ist und gerade deshalb ein Vorreiter im Klimaschutz ist. Ja, meine Damen und Herren, wir wollen es nie zulassen, dass Klimaschutz und Industrie zum Gegensatz werden.“
Genau das lassen sie schon lange zu.
„Wir werden die Akzeptanz für Klimaschutz nur dann erhalten, wenn wir das mit modernsten Technologien schaffen und wenn wir damit Vorreiter auf der Welt werden. Wenn andere nicht mehr mit Erstaunen, sondern mit Staunen auf Deutschland blicken und sagen: So wie die Deutschen das technologisch machen, so wollen wir das auch machen.“
Auf den Tag kann er lange warten, denn bisher sagen andere mit mehr Entsetzen als Erstaunen, dass sie es so wie Deutschland sicher nicht machen wollen.
Infrastruktur und Bundeswehr
„Stellen wir uns das einfach mal vor. Dass auch unsere Infrastruktur wieder leistungsfähig und modern ist. Dass Züge zuverlässig fahren, dass Daten schnell fließen, dass Energie sicher bereitgestellt wird, nachdem Investitionen in Straßen- und Schienennetze sowie Digitalisierung das Fundament für unsere Wirtschaft geworden sind.“
Wozu wurde doch gleich der immense Schuldenberg aufgenommen, den man als Sondervermögen bezeichnet? Für Investitionen, das stimmt, aber verbraten wurde und wird er für den Konsum, für Sozialausgaben. So wird das nichts.
„Und last but not least, so wie ich es eben gesagt habe, dass die Bundeswehr die leistungsfähigste konventionelle Armee in Europa ist und die deutschen Rüstungsunternehmen global mit führend sind auf der Welt.“
Welchen Nutzen der deutsche Steuerzahler von Rüstungsunternehmen hat, die von seinem Steuergeld finanziert werden, verrät uns Merz nicht.
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„Kurzum: Stellen wir uns vor, dass Deutschland wieder ein Land ist, das an sich selbst glaubt. Und ein Land ist, das frei und sicher geblieben ist.“
Es kann nicht frei und sicher bleiben, denn das ist es schon jetzt nicht.
„Liebe Freundinnen und Freunde, das ist keine Utopie, das ist die Realität von morgen, wenn wir gemeinsam anpacken und dieses Land so reformieren, dass wir wieder Chancen haben, vorne zu sein, mitzuhalten, gut zu werden. Und ich bin zuversichtlich, dass wir das gemeinsam in Deutschland auch wirklich schaffen können.“
Er und seine Truppe hatten schon mehr als ein Jahr Zeit dazu, geschehen ist nichts Nennenswertes. In Anbetracht der Qualität des politischen Personals ist das auch für die Zukunft nicht zu erwarten.
Ich überspringe nun seine kurze persönliche Bemerkung über die eigene Motivation und komme direkt zum rhetorischen Höhepunkt seiner Rede, der da lautet:
„Wir schaffen das. Wir können das schaffen, wenn wir alle zusammen stehen und wenn wir wieder ein bisschen mehr an uns selbst auch glauben, liebe Freundinnen und Freunde.“
Wer es fertig bringt, Merkels „Wir schaffen das“ zu zitieren und das für eine positive Botschaft zu halten, hat die Kontrolle über sein Leben verloren.
Raumschiff CDU
Dieser Kanzler, dieser CDU-Vorsitzende ist nicht von dieser Welt. Es mag sein, dass er aus einer Parallelwelt stammt, allerdings hält man Kontakte zwischen verschiedenen Paralleluniversen – sofern sie existieren sollten – in der Regel für unmöglich, selbst dann, wenn Friedrich Merz sagt: „Wir schaffen das“. Aber vielleicht muss man nur einen Blick in die Geschichte des Fernsehens werfen. Im Jahr 1972 wurde in Deutschland zum ersten Mal die Serie „Raumschiff Enterprise“, im Original „Star Trek“, ausgestrahlt. Der Vorspann dieser deutschen Synchronfassung lautete: „Der Weltraum, unendliche Weiten. Wir schreiben das Jahr 2200. Dies sind die Abenteuer des Raumschiffs Enterprise, das mit seiner 400 Mann starken Besatzung fünf Jahre lang unterwegs ist, um neue Welten zu erforschen, neues Leben und neue Zivilisationen. Viele Lichtjahre von der Erde entfernt, dringt die Enterprise in Galaxien vor, die nie ein Mensch zuvor gesehen hat.“
Es bedarf nur überschaubarer Modifikationen, um die Lage der CDU zu beschreiben.
„Der Weltraum, unendliche Weiten. Wir schreiben das Jahr 2026. Dies sind die Abenteuer des Raumschiffs CDU, das mit seiner völlig untauglichen Besatzung schon zu lange unterwegs ist, um neue Märchen zu erforschen, neue Unsinnigkeiten und neue Lügengeschichten. Viele Lichtjahre von der Realität entfernt, dringt die CDU in Galaxien vor, die nie ein Mensch zuvor gesehen hat.“
Und in einer dieser Galaxien hat sie wohl ihren Vorsitzenden aufgelesen.
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Der Autor:
Thomas Rießinger ist promovierter Mathematiker und ehemaliger Professor für Mathematik und Informatik. Er publiziert Fachbücher, philosophische Aufsätze und Beiträge zur Unterhaltungsmathematik. Sein Buch „Wahrheit oder Spiel“ finden Sie hier, „Umgang mit Formeln“ über diesen Link. Hier seine Homepage.
Bild: Symbolbild/KI/Grok
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Der Autor:
Thomas Rießinger ist promovierter Mathematiker und ehemaliger Professor für Mathematik und Informatik. Er publiziert Fachbücher, philosophische Aufsätze und Beiträge zur Unterhaltungsmathematik. Sein Buch „Wahrheit oder Spiel“ finden Sie hier, „Umgang mit Formeln“ über diesen Link. Hier seine Homepage.
Bild: Symbolbild/KI/Grok
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