Feudaladel, Hexen und Landsknechte – ein politisches Märchen In einem (gar nicht so) weit entfernten Land....

Ein Gastbeitrag von Steffen Meltzer

Es war einmal in einem unbekannten Land, in dem jahrein und jahraus nach offiziellen Angaben pro Jahr 74.000 Personen an und mit Alkohol sterben.

Deshalb zog die Monarchin aus dem Brunnen der allmächtigen Weisheit eine Verfügung aus dem Ärmel, um ihre Untertanen auf den Pfad der Tugend zu führen:

Buch von Steffen Meltzer

Im Zauberland erfolgte wie von Zauberhand die absolutistische Einschränkung der Gesinderechte. Natürlich aus Fürsorgegründen des Feudaladels, damit man der Pandemie Herr werde, so die märchenhafte Verlautbarung. Die Gefahr, dass der Straßenmob gärige Getränke in sich hinein schüttet, ist bei einem gärenden Volk zu groß. Die Landsknechte wurden deshalb durch den Landeshauptmann hinter den sieben Bergen angewiesen, unter den offenen Fenstern auf feuchtfröhliche Geräusche zu achten. Wer laut lacht, kann nur ein illegitimer Widerständler sein! Der Hofkanzler: In den Unterschlupf wird gnadenlos eingedrungen, um die Missetäter auf frischer Tat dingfest zu machen. Pardon wird nicht gegeben!

Für die durch das althergebrachte Landrecht besonders geschützten Behausungen erfinden die Herrscher neue Regeln: Zusammenrottungen über fünf Personen verboten! Kinder dürfen nur noch einen Spielgefährten haben. Um die Geschlechtervielfalt salomonisch zu wahren, müssen davon 50 % weiblich und 0,3 % divers*xx sein. Nach einem Fluch verbitterter Hexen mit großen Warzen auf der Nase, wurde die Biodiversität zur neuen Staatsreligion erhoben. Die hatten keine weißen Ritter abbekommen, aus Rache legten sie daraufhin einen Bann angeblicher Vielfalt über das gesamte Land.

Sieh dein Volk an, o Herr, es sind lauter Sünder und Querulanten. Besonders hartnäckigen Widersachern darf die Zunge abgeschnitten werden, damit die Unholde daran gehindert werden, den Straßenpöbel aufzuwiegeln. Öffentliche Schande als Alkoholleugner oder minder gebildete, frustrierte, alte, weiße Männer mit Wohnsitz im Dunkelteil (Osten) des Märchenreiches sind ausdrücklich erwünscht und kein Zufall.

Fahndung nach einer neuen Verschwörungstheorie

Die immer wieder reformierten Ämter und Kammern sind altertümlich ausgestattet, da der Schatzmeister ständig pleite ist. Drei Mitarbeiter teilen sich ein Pult, Rechenschieber und ein Gestell mit Holzkugeln (heutzutage PC genannt). Die Zuständigkeiten sind weitestgehend ungeklärt, das fade Führungspersonal interessiert sich ausschließlich für das Gefallen gegenüber der Königin und kehrt Unfähigkeiten wohlfeil unter den Teppich.

Einige Emporkömmlinge erfreuen sich an der restriktiven aber ineffektiven Datenerfassung aus den Spelunken und Kneipen. Die Anschrift der Trunkenbolde wird ebenso erfasst, wie der explizit neu erfundene Trinkquotient. Die Eheweiber, Kinder und Liebschaften sind wie der Trinker wegen der Ansteckungsgefahr wegzusperren.

Bestehende Rechtslücken werden mit der cäsarischen Generalbevollmächtigung: „Das gute Bevölkerungs-Alkoholschutzgebot“ mit einem Handstreich ausgehebelt.

Eine als Aufwiegler titulierte Meute, die diese Zustände punktgenau voraussagten, muss sich neue Verschwörungsmythen suchen, da die alten mittlerweile alle eingetreten sind.

Triagengefahr

Hospitäler müssen auf ihren Intensivstationen 80 Prozent der Betten für Alkoholiker im Delirium freihalten. Dahergelaufene Elemente mit dem Begehr eines Aderlasses (Vorsorgeuntersuchung) und paranoide Bittsteller mit Herzinfarkt, Krebs o.ä. Zipperlein werden mit dem Hinweis einer herbeiphantasierten Triage fortgeschickt. Geistheiler (heutzutage „Psychologen“) helfen bei der Begründung in der Öffentlichkeit: Bis zum Sterben in den eigenen vier Wänden könne der Vereinsamte seine Zeit mit Basteln, Malen oder Singen vertreiben.

Pandemieskeptiker müssen sowieso auf das Lazarett verzichten! So die diktatorische Verkündung eines professoralen Herolds der Königin, der für die Unmoral und dem Sittenverfall (Ethik) im Lande verantwortlich zeichnet.

Als ein Amts- und Hofarzt die Pandemiemaßnahmen ad absurdum führte, schritt sogleich der Provinzfürst aus dem Süden des Märchenreiches ein: „Die akademische Mehrheit hat immer Recht!“ Nikolaus Kopernikus oder Galileo Galilei hätte der Recke vom hohen Ross geteert und gefedert vom Hof hinfortgejagt! Glück gehabt.

Die neuen Gesundheitsgurus - Philanthropen

Buch von Steffen Meltzer

Besonders vermögende Kaufleute investieren sogleich in die Manufakturen, denen es gelungen war, Alchimisten aus anderen Ländern überteuert abzuwerben. Sie behaupten, selbst aus den Exkrementen des Stallviehs Gold zu machen. Diese kredenzen zum Staunen der Welt ein Zaubermittel im Schnellbesohlungsverfahren aus dem Hut. Der Testreihe musste diesmal ausfallen, die Laborratten wollen erst einmal die Auswirkungen bei den Menschen abwarten. Die hochstapelnden Alchimisten haben ihr Versprechen wahr gemacht, Gold fließt in Strömen, in die Taschen der Philanthropen.

Eine Nebenwirkung hat die schwarze Magie jetzt schon: Das vor sich dahindösende Parlament wird bei den Entscheidungsprozessen durch das Königshaus an die Kandare genommen und dabei fast überflüssig. In einer parlamentarischen Demokratie wäre das alles absolut undenkbar. Unvorstellbar auch, dass die Königin anweist, eine Wahl zu wiederholen, bis der Richtige gewinnt. Wer das heutzutage und hierzulande behauptet, kann nur ein Verschwörungstheoretiker sein!

Ende meines Märchens über ein Land, das irgendwo hinter den sieben Bergen, bei den sieben Zwergen zu finden sein muss.

 


Steffen Meltzer hat als Polizeitrainer 15 Jahre lang Polizeibeamte fortgebildet (zum Beispiel im Schießtraining, für Amoklagen und anderes). Ich habe seine Texte immer sehr geschätzt, und seit dem Kennenlernen schätze ich ihn auch menschlich sehr. Seine Bücher sind durch die Bank sehr empfehlenswert, und gerade in diesen Zeiten lege ich sie jedem sehr ans Herz. Etwa dieses: „Ratgeber Gefahrenabwehr: So schützen Sie sich vor Kriminalität – Ein Polizeitrainer klärt auf. Eine Übersicht über alle Bücher von Steffen Meltzer finden Sie hier auf seiner Homepage im Internet

Auf der Seite ist auch dieser Text zuerst erschienen. Er verwendet Auszüge aus dem Buch Ratgeber Gefahrenabwehr: So schützen Sie sich vor Kriminalität – Ein Polizeitrainer klärt auf.

 


Bild: TeodorLazarev/Shutterstock
Text: Gast


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Meynhard
1 Monat zuvor

Schön das sich hier noch Menschen mit Humor und Geist treffen und Mut machen.
Die Wahrheit in Märchen und Fabeln verpackt, bald werden wir es benötigen wenn die Königin und ihr Hofstaat nicht bald gestoppt werden.

Hans Walter Müller
1 Monat zuvor

Mir kommt es mehr und mehr so vor als ob unsere Eliten auch das Theodor Körner zugeschriebene Zitat

„Noch sitzt ihr da oben, ihr feigen Gestalten.
Vom Feinde bezahlt, dem Volke zum Spott.
Doch einst wird wieder Gerechtigkeit walten,
dann richtet das Volk. Dann gnade Euch Gott!“

kennen und sie wissen (noch) nicht mit welchen, gesichtswahrenden Begründungen sie wieder auf ein Normal-Maß kommen können. Man hofft, dass man mit den vielen Märchentanten (und -Onkeln – gibt’s die auch Divers?) das dumme Volk dauerhaft in Angst halten und ruhigstellen kann. Es wird verdrängt, dass jedes Märchen (Machtgefüge) irgendwann endet („… und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute. „- worauf sie aber vergeblich hoffen!
Die 7-Tage-Inzidenzwerte  je 100 Tsd. Einwohner sind doch ganz stark abhängig davon, wieviele PCR-Test (und diese sind weder genormt noch untereinander vergleichbar) gemacht werden. Wenn ich nur Risiko-Gruppen teste (Altenheime, Krankenhäuser) oder auch Verstorbene (ganz egal woran die tatsächlich verstorben sind), kann ich diesen Inzidenzwert ganz leicht nach oben treiben bzw. ihn hoch halten. In Bayern wurden im März/April nur ein Füntel der Tests gemacht wie derzeit. Der 7-Tg.-Inzidenzwert lag damals auch nur bei  ca. einem Füntel wie derzeit.
.der Buntschnabel
Antwort an  Hans Walter Müller
1 Monat zuvor

Da alles auf absoluten bzw. quasi absoluten Werten fundiert, die dadurch alles nicht vergleichbar macht. Sie diese Zahlenspiele reine Willkür.

Reinhard Westphal
1 Monat zuvor

Sie werden es nicht glauben: ich kenne ein Land, das liegt nicht hinter den 7 Bergen bei den 7 Zwergen und dort ist das Ganze KEIN Märchen sondern traurige Wirklichkeit.

Und übrigens: löschen Sie bitte den Satz: „Bis zum Sterben in den eigenen vier Wänden könne der Vereinsamte seine Zeit mit Basteln, Malen oder Singen vertreiben“. Er klingt so lieblich und könnte Inspiration für die böse Hexe sein, in unserem Land den unendlichen Lockdown auszurufen!

xandru
1 Monat zuvor

Also wenn ich mir einige der verbitterten Hexen so anschaue, wundert mich gar nichts, dass die keinen weißen Ritter abbekommen. Der will einfach nicht mit Gefühligkeit belästigt, mit dummen Zaubersprüchen totgeschwallt oder mit intellektuellem Gift gemeuchelt werden. – Dann lieber alte Schule, Aug in Aug mit einem soliden Drachen. Hart, ehrlich, fair; da weiß man, was man hat. Guten Abend.

Zacharias Fögen
1 Monat zuvor

Find ich super, fehlt aber noch was:

Und eines Tages kam ein Hofnarr zur Versammlung der königlichen Herolde. Er fragte „Ist die Königin nicht erzürnt über die Menschen, die draußen im Wald in der Kälte Schlange stehen zum Schlitten fahren? So weiß doch ein jeder, dass Langeweile des langen Anstehens Folge ist, und dass der Langeweile Folge ehedem das Frönen des Alkohols.“ Ein weiser Mann sprach „Aber wird den Leuten denn zu Hause nicht viel langweiliger als beim Schlittenfahren im Wald?“ Die Königin ließ den weisen Mann, der offensichtlich ein Trunkenbold sein muss, um solche Fragen zu stellen, in den tiefsten Kerker werfen und schickte sogleich ihre Ritter los, um die Frauen und Kindern von den Schlitten zu reißen und wegzusperren. Da jubelten ihr alle, die keinen Schlitten hatten zu. Und die Königin wusste, dass sie das richtige getan hatte, denn auch sie mochte das Schlittenfahren nicht. Und damit es ihr im Schloss nicht langweilig wurde, lud sie ihre 16 Adligen zu sich ins Schloss ein und gemeinsam beschlossen sie bei einem guten Glas Rotwein, die Kinder und Frauen wegzusperren, solange noch Schnee liegt.

Eispickel
1 Monat zuvor

Leider finde ich jetzt nicht mehr den hierzu passenden „Broders Spiegel“ auf YT, aber bereits vor einigen Monaten hatte er angemerkt, dass wir von der Regierung nicht mehr als Bürger, sondern scheinbar nur noch als Untertanen wahrgenommen werden. Unsere Demokratie ist tatsächlich zu einer Art Feudalherrschaft verkommen, was der Beitrag von Herrn Meltzer vortrefflich auf den Punkt bringt.

Bürgende
Antwort an  Eispickel
1 Monat zuvor

Jetzt ist doch das Gendern so in Mode à la Studierende statt Studenten. Das wird ja bis zur Lächerlich Zeit angewandt (Zuhörende, zu Fuß gehende usw.) Was ich allerdings vermisse ist das Wort BÜRGENDE – das trifft es doch: Wir bürgen für den Staat….

ee
1 Monat zuvor

Gut gefabelt. Mein Lieblingssatz:

Der Testreihe musste diesmal ausfallen, die Laborratten wollen erst einmal die Auswirkungen bei den Menschen abwarten.

Helga
1 Monat zuvor

Wahrscheinlich sind alle Politiker und Journalisten Perückenträger .

snemens
1 Monat zuvor

Ich glaube das Land zu kennen von dem das Märchen erzählt.

Mosebach
1 Monat zuvor

Sehr schöne Geschichte, schade das ich mir das nicht so merken kann, um auf so einer Weise  staatskonformen Leuten mal die Realität vor Augen führen und die Gehirnzellen zum Nachdenken anregen.