Geimpft oder Ungeimpft? Das Statistik-Versteckspiel der Regierung – und seine Folgen Bericht und Analyse von der Bundespressekonferenz

Hier finden Sie mein Video von der Bundespressekonferenz auf dem zensurfreien Portal Rumble. 

Wenn sich Ungeimpfte für alles testen lassen müssen, Geimpfte aber nicht, wieso wird dann aus der Tatsache, dass mehr Ungeimpfte positiv getestet („infiziert“) sind, der Schluss gezogen, es gebe eine Pandemie der Ungeimpften? Diese Frage stelle ich mir seit Tagen. Weil ich keine überzeugende Antwort darauf gefunden habe und auch befreundete Ärzte meine Zweifel nur bestärkten statt sie zu zerstreuen, entschloss ich mich, die Frage heute an kompetenter Stelle anzubringen – auf der Bundespressekonferenz. Dort wollte ich vom Sprecher von Noch-Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU), Oliver Ewald, wissen: „Wird erfasst, wie hoch der Anteil der Geimpften unter den gesamten Getesteten und auch unter den positiv Getesteten ist? Wenn ja, wie hoch ist der Anteil jeweils? Wenn nein, warum wird er nicht erfasst?“

Der Ministeriumssprecher antwortete: „Wir hatten Herrn Reitschuster, bezogen auf die Frage der Erfassung des Impfstatus bei Einweisung in Intensivstationen, Informationen geliefert. Das wird erfasst. Das hat auch Herr Professor Wieler hier am Mittwoch gesagt. Man kann sich dem näherungsweise auch nähern. Wir haben nach wie vor die Zahl, dass deutlich über 90 Prozent der Menschen, die intensivmedizinisch betreut werden, nicht geimpft sind.“

Da ich die Frage online gestellt hatte, trug die Vorsitzende, Jana Wolf, meine Nachfrage vor: „Wobei es jetzt hier nicht um die Intensivbelegungen ging, sondern um die Gesamtzahl der getesteten Bürgerinnen und Bürger.“

Dazu Ewald: „Zu den Testverfahren, den Kapazitäten und der Zahl der Testverfahren finden Sie umfangreiche Angaben im aktuellen wöchentlichen Lagebericht des RKI. Darüber hinaus kann ich Ihnen keine weiteren Hinweise dazu geben.“

Aber genau dort sind eben diese Daten nach Angaben eines befreundeten Chefarztes, der akribisch die RKI-Berichte studiert, nicht zu finden. Mit der Antwort des Ministeriums konfrontiert, schrieb er mir eben: „Nein, dies wird nicht erfasst. Mir fällt dazu ein Beitrag eines Statistikers ein, vor ca. einem halben Jahr. Dieser hatte bemängelt, dass die Datenlage und das Datensammeln in Deutschland eine Katastrophe sei. Dies könnte man nochmals berichten. Weiterhin ein Skandal, dass solche Daten nicht erfasst werden, wobei doch ständig Schlussfolgerungen gezogen werden, die das Leben so beeinträchtigen.“

Noch einmal ganz langsam, weil es so unglaublich ist: Wenn man von einer „Pandemie der Ungeimpften“ spricht, müsste man genau wissen, wie viele Geimpfte und Ungeimpfte getestet werden, um hier ein Ungleichgewicht, das auf der Hand liegt, auszuschließen oder herauszubrechen. Stattdessen sind diese so entscheidenden Zahlen entweder nicht bekannt oder werden geheimgehalten. Was von beiden Varianten zutrifft, wird ebenfalls nicht verraten. 

‘Die Zahlen relativieren sich‘

Auch die Antwort auf meine zweite Frage war nicht viel ergiebiger. Sie richtete sich an Steffen Seibert und Ewald: „Laut den RKI-Daten sind bei Menschen ab 60 Jahren in den Kalenderwochen 39 bis 42 knapp 59 Prozent der Patienten sogenannte Impfdurchbrüche. Wie passt das zu der wiederholten Aussage, wir hätten eine Pandemie der Ungeimpften?“

Seibert antwortete nicht, Ewald sagte: „Vielleicht kann ich beginnen. Dass die relative Zahl der Impfdurchbrüche bei den über 60-Jährigen hoch ist, liegt natürlich auf der Hand; denn in dieser Altersgruppe sind rund 85 Prozent geimpft. Das heißt, wenn in dieser Altersgruppe eine Erkrankung auftritt oder eine Infektion stattfindet, ist die Wahrscheinlichkeit relativ hoch, dass es sich dabei um einen Impfdurchbruch handelt. Außerdem ist die Wahrscheinlichkeit bei Älteren natürlich höher, dass sie bei einer Erkrankung im Krankenhaus landen. Insofern relativieren sich die Zahlen, die Herr Reitschuster genannt hat.“

Wie der Chefarzt diese Aussagen kommentierte, gebe ich hier nicht wieder, weil es unhöflich wäre.

Unklare Situation auf Intensivstationen

Auch am Mittwoch fand ich die Antwort der Regierung auf meine Frage nicht befriedigend. Ich wollte vom Gesundheitsministerium wissen:

„Dem RKI wird vorgeworfen, die Prozentzahlen der Ungeimpften auf Intensivstationen seien irreführend, weil Geimpfte nicht oder nicht so oft getestet würden und zudem angeblich nur dann als Coronapatienten gezählt würden, wenn sie wegen und nicht nur mit COVID-19 behandelt würden. Trifft das zu?“

Spahn-Sprecher Sebastian Gülde antwortete: Ich muss offen gestehen: Ich verstehe die Frage nicht. Ich habe zwar eine Idee, was Herr Reitschuster meinen könnte. Es gibt auch noch eine Nachreichung, die ich ihm heute hinausschicken werde. Diese liegt mir aktuell noch nicht vor.

Grundsätzlich zum Thema „mit oder an Corona erkrankt“: Herr Reitschuster meint vermutlich sogenannte Nebendiagnosen. Wenn sie wegen Corona in ein Krankenhaus eingeliefert werden, dann erhalten sie zum einen eine Nebendiagnose. Das ist dann eben der PCR-Test. Der wird als Nebendiagnose in den Abrechnungsdaten vermerkt. Zum anderen gibt es eine Hauptdiagnose. Dies ist quasi ihre Symptomatik. Ich vermute, dass Herr Reitschuster darauf anspielt. Bei dieser Symptomatik werden unterschiedliche Diagnosen vermerkt, je nachdem, was sie – das sage ich jetzt einmal so salopp – gerade bedrückt, ob es also eine Atemwegserkrankung ist oder ob es eine andere Symptomatik ist, die für COVID-19 typisch sein kann. Da gibt es ja unter anderem Magenprobleme. Ich will das jetzt gar nicht im Einzelnen ausführen; das ist ja im Steckbrief des RKI vermerkt. Je nachdem, welche Symptomatik als Hauptsymptomatik vermerkt wird, können unterschiedliche Dinge eine Rolle spielen. Ich glaube, dass Herr Reitschuster das als ‘an oder mit Corona‘ missversteht.

Dazu der Kommentar des Chefarztes: „Nein. Das hat Herr Reitschuster nicht missverstanden. Die Frage ist ja, welcher Patient wurde wegen COVID-19-Symptomen aufgenommen oder wegen anderer Erkrankungen, etwa einem Schenkelhalsbruch. Ist dieser Patient bei Aufnahme positiv auf SARS-CoV-2 getestet und muss aufgrund seines Alters und der Erkrankung operiert werden, vielleicht postoperativ auf der Intensivstation behandelt werden, so ist auch nach anderthalb Jahren sogenannter Pandemie unklar, ist er wegen oder mit „Corona“ auf der Intensivstation? Verstirbt der Patient vielleicht nach wenigen Stunden nach der Operation auf der Intensivstation, was ja bei 99-Jährigen mit einem Schenkelhalsbruch nicht ungewöhnlich ist und auch vor Corona jeden Tag passiert ist, stirbt er dann mit oder wegen Corona? Dies war die Frage und es ist peinlich für eine Regierung, dass sie dies auch nach so vielen Fragen und Monaten in der ‘Pandemie‘ nicht erkennt und auch noch immer nicht imstande ist, diese Frage dezidiert zu beantworten.“ 

Die Vorsitzende Wolf: „Ich versuche, es auseinanderzuklamüsern. Die Frage ist, ob Geimpfte auf Intensivstationen genauso häufig getestet werden wie Nicht-Geimpfte und deswegen möglicherweise die Zahlen der Coronapatienten unter Ungeimpften höher sind, weil sie einfach häufiger getestet werden und man es dort häufig feststellt, wenn eine COVID-19-Infektion vorliegt, alles bezogen auf Personen, die auf Intensivstationen liegen.

Ich habe versucht, das zu paraphrasieren, und er bestätigt es. Es ist das gemeint….“

Dazu Gülde: „Ich kann natürlich nicht für jedes einzelne Krankenhaus und für jeden einzelnen Fall sprechen. Wenn sich ein Patient wegen einer anderen Symptomatik oder einer anderen Erkrankung auf einer Intensivstation befindet und plötzlich COVID-19-typische Symptome entwickelt, dann wird er auch auf COVID-19 getestet. Das ist einfach so, egal ob geimpft oder ungeimpft.“

Der Kommentar des Chefarztes: „Einfache Frage, einfache Antwort: Werden Geimpfte auf den Intensivstationen genauso häufig auf SARS-CoV-2 getestet wie Nicht-Geimpfte? Dies ist die Frage, die Antwort kann nur lauten ‘Ja‘ oder ‘Nein‘. Die Antwort ist logisch, klar, alles andere wäre auch schlimm. Aber die hat zur Erhellung der Frage nichts beigetragen.“

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