Die Wicherts: Flucht nach Ungarn Chronik einer Krankheit

Corona macht krank, Corona kann töten.

Corona ist schlimm, verändert die Gesellschaft und das Leben. Darüber berichten wir. Geschichten, die Corona schreibt. Geschichten, die es nicht in die Medien schaffen. Wir geben Zahlen einen Namen und eine Seele. Die Serie „Kollateralschaden“ basiert auf Berichten Betroffener der Coronapolitik, damit keiner sagen kann: „Das haben wir nicht gewusst!“

Wir schreiben auf: Johanna Wahlig (Politologin, Journalistin, Unternehmerin) und Frank Wahlig (Historiker und 30 Jahre ARD-Hauptstadtkorrespondent) recherchieren für reitschuster.de. Wer aus seinem beruflichen oder privaten Leben einen „Kollateralschaden“ melden möchte: Vertraulich und persönlich, per E-Mail an [email protected]

Von Johanna und Frank Wahlig

Die Wicherts ...

…wohnen nicht mehr nebenan.

Herr Wichert kam im Sommer in einer Nacht- und Nebelaktion nach Ungarn. Der Hund auf dem Beifahrersitz. Das Auto vollgestopft mit Kram und Akten und Computern. Die Wohnung in Sachsen wurde von den erwachsenen Kindern aufgelöst. Die Möbel sind eingelagert. Das war kurz vor dem Lockdown in Tschechien.

Die Wicherts sind abgehauen. Für immer. Im Süden Ungarns haben sie ein Haus gekauft. Jetzt wird renoviert. Der Immobilienmarkt in der Gegend ist in Bewegung. Die Nachfrage steigt.

„Corona war der letzte Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte“, sagt Frau Wichert. „Wir haben uns in Deutschland nicht mehr zu Hause gefühlt, deshalb sind wir weg.“ Masken, Vorschriften, übergriffiger Staat, keine Perspektive. Die Entwicklung machte Angst. „Auch wenn Sie mich als hysterisch bezeichnen wollen,“ sagt Frau Wichert, „es hat mich an die Spätphase der DDR erinnert. Ich will das nicht mehr.“ Flucht nach Ungarn, rückwärts sozusagen.

Die Wicherts leben jetzt in einem Dorf, unweit der Donau. Das Leben ist einfach, die Menschen freundlich. Der Mann ist IT-Spezialist. „Wir zahlen bereits Steuern in Ungarn und integrieren tun wir uns selbst.“

Im nächsten Dorf wohnt eine andere deutsche Familie, seit zwei Jahren. Haus in Norddeutschland verkauft, abgemeldet. Die Tochter geht in die Dorfschule. Dritte Klasse. Deutsch und Geschichte sind Unterrichtsfach. Das Kind spreche bereits gut ungarisch. Es habe keine Schwierigkeiten in der Schule.

Es gibt immer mehr Wicherts in der Gegend. Sie sind gut ausgebildet, haben ein finanzielles Polster. „Wir eignen uns nicht für eine RTL-Auswanderer-Soap, dazu sind wir zu normal, zu bürgerlich, zu leistungsorientiert.“ Die Familien haben einen Ungarischlehrer engagiert. In der Öffentlichkeit versuchen wir nur ungarisch zu reden, sagt der deutsche Steuerberater aus der Nachbarschaft. In einem Jahr will er soweit sein, arbeiten zu können. Wir sind ja „Schaffer“, sagt er.

1,2 Millionen „Wicherts“ verlassen jedes Jahr das Land, so das Statistische Bundesamt. Tendenz steigend. Seit Corona ist das Interesse an Ungarn groß. Dorffeste, Schulausflüge, Sportveranstaltungen gibt es dort. Bekannte von Bekannten rufen an: „Wir beraten, wir erzählen, was wir tun. Wir vermitteln Kontakte zu Behörden.“

Vergangene Woche erst haben wieder zwei Deutsche nachgefragt. Eine Familie mit Kindern kommt noch vor Weihnachten an. Zehn weitere „Wichert-Familien“ wollen nach Ungarn. Ärzte, Architekten, Handwerker, Unternehmer. „Corona gibt den letzten Anschub“, sagt der Steuerberater.

Die Wicherts werden in Deutschland nie mehr nebenan wohnen. Die „Wicherts“ werden immer mehr und zahlen Steuern in Ungarn. Der Sohn der Familie Wichert wird seine Zimmermannslehre in Deutschland beenden. Einen Arbeitsplatz in Ungarn hat er schon.

Anm. d. Red.: Die Geschichte der Wicherts ist so interessant, dass ein Besuch im Frühling in Ungarn vorgemerkt ist …

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Johanna Wahlig ist Politologin, Journalistin und Unternehmerin. Frank Wahlig ist Historiker und war 30 Jahre lang ARD-Hauptstadtkorrespondent.

Bild: privat
Text: Johanna und Frank Wahlig


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