Generation M wie Mainstreamer – Ignoranz ohne Altersbeschränkung Gastbeitrag: Kritische Betrachtung einer allgegenwärtigen Gattung

Ein Gastbeitrag von Josef Hueber

Das Profil des Mainstreamers

Sein intellektuelles Gesicht ist das einer Schaufensterpuppe: glatt, ohne Individualität, identisch wie alle anderen gegossen. Er ist, nach den Generationen X, Y und Z, Teil der neuen Generation M, der Generation Mainstreamer. Er ist der in-Typ, der dir täglich begegnet. Wenn es um zweifelndes Nachfragen geht, merkst du an seinen uniformen, gestanzten Anworten, dass er dazugehört. Ungewöhnlich ist der Gegensatz zu den Vorläufer-Generationen. Die Generation M ist altersübergreifend. Jung und Alt kommen sich näher wie nie zuvor. Alte Narren und Grünschnäbel mit Eierschalen hinter den Ohren sind einer Meinung. Ignoranz hat eben keine Altersbeschränkung


Das unerschütterliche Bewusstsein

Grundsätzlich geht er im sozialen Kontakt davon aus, dass sein Gegenüber dasselbe Denkprofil zeigt wie er. Sein zweifel- und erschütterungsresistentes Ego nährt sich von der Erfahrung, dass Meinungen über Fakten die Oberhand behalten, wenn sie nur von der Mehrheit vertreten und notfalls auch mit Empörung gegen Zweifler verteidigt werden. Seine soziale Freundlichkeit endet, wo die Zustimmung zu seinen Überzeugungen endet. Dann kann er unwillig bis aggressiv werden. Man sollte ihm nicht mit dem offenen Visier einer abweichenden Meinung begegnen, andernfalls ist man bald ohne Freunde.

Den Blick in die Gegenrichtung gibt es nicht

Outet sich der Mainstream-”Denker mit seinen „richtigen“ Ansichten, gibt es kein Nachfragen. Jeder Nachplapperer in dieser Truppe labt sich an seiner Überzeugung, von der Sache, über die er gerade schwadroniert, etwas zu verstehen. Widersprichst du, fragt der Mainstreamer sofort: „Woher weißt du das?“ Dass er selbst eine Untermauerung für sein „Wissen“ liefert, darauf sollte man nicht hoffen. Ist auch nicht nötig. Er weiß nichts und alles, und alle, die er kennt, wissen es mit ihm.

Beim Thema Umwelt, Energiewende, Individualverkehr, Fleischverzehr, Gentechnik, Müll, Massentierhaltung und nahezu allem, was grün leuchtet, ist klar: Es ist High Noon, 5 vor 12, wenn nicht 5 Minuten danach. Alles geht seinem Ende zu, aus einem einzigen Grund: Die CO2-Bedrohung nuklearen Ausmaßes, das Verenden der Natur und wir mit ihr – all das ist radikal und total. „Gigantische Transformationen“ (Merkel) müssen umgesetzt werden. Wir müssen loskommen von CO2, vom Massen-Ei, von der Kohle, von Atomkraft, von Individualverkehr (allenfalls ausnahmsweise noch als E-Mobilität zu denken), vom Fleischverzehr, vom Flugverkehr.

Kompetenz im Liliput-Format

Das Faktenwissen des Mainstreamers hat Platz im Liliput-Format von Wörterbüchern, wie sie Schüler zum „Spicken“ bei Prüfungen benutzen. Das genügt, weil der Mainstreamer im Kopf keinen Raum für Contra-Argumente benötigt. Kompetenz schreibt er sich selbst zu. Sie outet sich aber als evident abwesend, wenn man sie mit Nachfragen anzweifelt, weil der Mainstreamer nur repetieren kann, was er von Gleichgesinnten in Zeitung und Radio und Fernsehen gelesen und gehört hat. Zeigt er die Gelbe Karte in Diskussionen gegen falsche Meinungen, weiß er, dass er als Experte seine Wahrheit von der Unkenntnis anderer zu unterscheiden weiß. Wie jungfräulich und von Wissen unberührt sein Protest gegen die Errungenschaften der ihm Freiheit und Wohlstand gewährenden Zivilisation ist, zeigen auf Youtube dokumentierte, spontane Kurz-interviews während einer Fridays-For-Future- Demonstration gegen den Klimawandel. Sie haben Modellcharakter für Diskussionen mit Mainstreamern. Einfachste, grundlegende Fragen zu CO2 können von den aufrechten Weltrettern nicht beantwortet werden.

Qu : Auf welche Menge von CO2 müssten wir kommen, um das Klima noch zu retten?
A : Da hab‘ ich jetzt keine konkrete Zahl im Kopf.
Qu : Bei welcher Durchschnittstemperatur würden wir landen, um eine Zielgröße anzugeben?
A : Dazu kann ich jetzt nichts Konkretes sagen. So genau kenn‘ ich mich da nicht aus.

Meinung siegt qua Masse, ohne Fakten, ohne Wissen. Die Reihen sind dicht geschlossen, die intellektuelle Freitagsfront marschiert.

Selbst- und Fremdwahrnehmung im Faktencheck

In John Boynes Roman „Der Junge im gestreiften Pyjama“ sagt ein jüdischer Arzt, der in Auschwitz zum Dienstboten des Lager-Kommandanten degradiert wurde, in einem vertraulichen Gespräch mit dessen Sohn, dem kindlichen Protagonisten: „Nicht jeder, der nachts in den Himmel schaut, ist deswegen ein Astronom“.

Der Mainstreamer sieht sich selbst ganz anders.


Josef Hueber, geboren in Nürnberg, studierte in München und Exeter (England) Germanistik und Anglistik für das Lehramt an Gymnasien. Die an der Schule verbreiteten Lehrbücher in den weltanschaulich stark bestimmten Fächern durchschaute er lange nicht als das, was sie waren: Transportmittel für linke und grüne Ideologien. Seine Erkenntnis: Better late than never! Das öffentliche Bewusstsein sieht er heute geprägt von Anti-Amerikanismus, Israel-Bashing, Antisemitismus, Umweltalarmismus, Wissenschaftsfeindlichkeit und Selbstverleugnung in Fragen der kulturellen Identität, sowie von zunehmenden Angriffen auf die persönliche Freiheit durch den Nannystaat. In zunehmendem Maße pulverisiert man, was als Errungenschaft der Aufklärung gelten darf und deswegen den Alleinanspruch auf Modernität erheben kann.

Seine Begegnung mit Blogs, für die er auch Übersetzungen aus dem Englischen lieferte, stellte den Beginn seiner Tätigkeit als freier Autor dar. Blogs sind für ihn unverzichtbare Augenöffner in nahezu allen aktuellen gesellschaftlichen und politischen Fragen. Er sieht sie als verlässliche Garanten für einen kontroversen Wettbewerb der Meinungen in einer von den Mainstream-Medien beherrschten Diskurshoheit. Im April 2020 erschien sein Buch “Stromaufwärts denken”.

 


Bild: Prostock-Studio/istockphotos
Text: gast

Abonnieren
Benachrichtigen Sie mich bei
25 Kommentare
Bewertung
Neueste Älteste
Inline Feedbacks
Alle Kommentare anzeigen
WM
5 Monate zuvor

Ich nenne diese Leute Generation P wie Papagei. Sie wiederholen ohne Verstand die Positionen der Macht zu jedem Thema, insbesondere Asylanten, Klima und Corona. Mit den k. o. „Argumenten“ Humanität (Moral), „Wissenschaft“ und „Studie“, weswegen sie natürlich immer richtig liegen, und ihr Ggü ein unempathischer Moron ist.

Rückfragen, Einwände oder Gegenargumente werden grundsätzlich nicht beantwortet, genau wie bei einem Papagei.

Aus deren Sicht ist jede Debatte überflüssig, weil alle Frage schon richtig von oben entschieden wurde. Dieses Verhalten ist entweder Irrsinn oder Kommunismus.

Britta Jacobs
5 Monate zuvor

Generation M.. treffend beschrieben… hier so meine Gedanken dazu – auch un gerade in Zeiten von Corona:
Es gibt leider sehr viele junge Menschen, die der Meinung sind, dass das gesellschaftliche System geändert werden müsste „zum Wohle aller“ ohne zu sehen, dass dieser Umbau zwangsweise nur mit grossen Einschränkungen und Verlusten aller einhergeht und es sehr fraglich ist, ob das denn wirklich zum Wohle aller ist. Indoktriniert bereits in der Schule und dann weiter durch Medien und Parteien sind diese Jugendlichen so aufgewachsen, dass sie weder mit einem Überwachungsstaat noch mit Maßregelungen Probleme haben, wenn es denn gut für „die Gesundheit“ oder „das Klima“ oder „die Engeriewende“ ist und sie leben in einer Bubble, die die reale Welt nicht wahrnimmt. Sie wissen nicht, was Verlust von Privatsphere oder Freiheit ist und wie sich das auswirken kann. Sie haben Verzicht meist nicht kennengelernt und so können sie dann wunderbar am Freitag für das Klima laufen, werden aber trotzdem nicht auf das Handy oder die neuen schicken Klamotten verzichten. Man kann auch – ohne den Bruch im Weltbild zu sehen – mit einer Jacht zu Konferenzen auf der anderen Seite der Erde reisen.
Und es ist kein Problem, eine Maske zu tragen, denn man ist jung und kennt keine Atemprobleme und kann daraus ja ein modisches Accessoire machen. Welche anderen Auswirkungen das hat und ob es sinnvoll ist, ist zweirangig.
Wenn denn die Alten sterben – so wie in Zeiten Coronas, so tun sie dieses weit weg, allein, im Heim und das berührt deutlich weniger, als wenn es zu Hause passiert.

Sie haben meist noch nicht das Geld verdienen müssen, dass für den Lebensunterhalt reichen muss und sind mit Ideologien aufgewachsen, die Gutmenschtum preisen, aber nicht erklären, woher das Geld dafür kommt und wer es denn verdienen soll.
Sie hinterfragen nicht, denn dazu sind sie noch nicht alt genug und sie haben die Zeiten nicht kennengelernt, wo die Gesellschaft noch mehr Zusammenhalt hatte und trotzdem mehr Freiheit, wo man sich noch persönlich kannte und nicht nur virtuell, wo Familie noch ein Zusammenleben von mehr als 2 Personen meinte und daher auch die Grenzen und Freiheiten anderer von klein auf täglich lernbar waren.

Das ist es was mir Sorge macht, denn das System hat seine Jünger schon vorbereitet, wie man am Wahlergebnis in NRW sehen kann, wo zum ersten Mal 16 jährige wählen durften.
Wenn dann noch die Dämonisierung derjenigen durch Politik und Medien dazukommt, die das anders sehen und Einschränkungen durch Gutmenschtum begründet werden, dann sehe ich wenig Hoffnung für einen Weg, der die Freiheit und Menschlichkeit aller respektiert.

G
5 Monate zuvor

Das nennt man den „Dunning-Kruger-Effekt“.

Dabei sollte man allerdings den Effekt der „Gell-Mann Amnesie“ nie außer Acht lassen…

Tanzbär
5 Monate zuvor

Einfach genial und köstlich! Genau das, was die Welt lesen und nachvollziehen sollte.

Ulrike Heucken
Antwort an  Tanzbär
5 Monate zuvor

Die Worte „genial und köstlich“ würde ich angesichts des Massensterbens nicht verwenden.

Thorsten
5 Monate zuvor

Ich mache mir immer den Spaß, den Corona-Mainstream zu fragen, wie viele liegen aktuell auf der Intensivstation, wie viele Tests wurden gemacht, wie hoch ist die positiven Quote. Sehr spannende Antworten, die es da gibt 😉

Helmut
Antwort an  Thorsten
5 Monate zuvor

Leider kapieren die meisten Menschen nicht, dass die Zahl der Infizierten wenig aussagt, und wenn ich wie Sie nach Anzahl der Menschen frage, die auf der Intensivstation liegen oder wieviele Tests durchgefuehrt wurden, dann sehe ich immer in ein ratloses Gesicht.

Charlott
5 Monate zuvor

Eine Spitzen-Analyse!!!
„Die Generation M ist altersübergreifend.“ Man könnte sie auch Generation P (wie Prantl) nennen, 30% sind Ü75 bis 85 (das sind die, die auf Teufel komm raus die Masken tragen, damit sie nur ja nicht ersticken – schon an sich ein Paradoxon oder ein Pleonasmus), mit Ü85 hat man dann noch Erfahrung mit Krieg und 1000-jährigem Reich und denkt etwas anders, 25% sind die, die die wählen, die deren Schuldkomplex bedienen, so dass sie mit diesen „beladenen“ alles durchsetzen können. Dann sind da noch 25% zwischen 25 und 35, die den Schuldkomplex schon mit der Muttermilch mitbekommen haben und mit piep piep piep, wir haben uns alle lieb erzogen worden sind. Der Rest, der nicht zur Generation M gehört, gehört logischerweise zur Generation N, weil er alternative Medien, und seien es auch nur objektive Medien, wie die Seite von Boris Reitschuster, liest.

Hansgeorg Voigt
5 Monate zuvor

Schön geschrieben. Während die Jungen in der Schule nichts mehr strukturiert beigebracht bekommen und nur noch „diskutieren“, haben sich die Älteren dem betreutem Denken hingegeben. Im Ergebnis kommt das selbe heraus. War das früher anders? Ich glaube nein! Nur da der Kompass der Gesellschaft sich nach links verschoben habt und sich Ersatzreligionen mit totalem Anspruch wie Klima, Vegan und … gebildet haben (auch in Kombination), fällt es dem Rest stärker auf.

Corinne Henker
5 Monate zuvor

Treffende Analyse. Ich denke, auch der Dunning-Kruger-Effekt spielt hier eine gewisse Rolle. Er bezeichnet die „kognitive Verzerrung im Selbstverständnis inkompetenter Menschen, das eigene Wissen und Können zu überschätzen“ (Wikipedia). Weniger kompetente Personen neigen dazu, ihre eigenen Fähigkeiten zu überschätzen, können überlegene Fähigkeiten bei anderen nicht erkennen und das Ausmaß ihrer Inkompetenz nicht richtig einschätzen. Durch Bildung oder Übung könnten sie nicht nur ihre Kompetenz steigern, sondern auch lernen, sich und andere besser einzuschätzen. Aber das wäre ja anstrengend. Also plappert man lieber die Mainstream-Meinung nach und erfreut sich sozialer Anerkennung.
Die Mehrheit der Bevölkerung war wohl schon immer unfähig zu selbständigem Denken und braucht geistige Führer. Früher waren es Kirchen und Priester, später Marx, Lenin und Che Guevarra, heute sind es die Mainstream-Medien, Corona-Apostel und Klimareligion.

Peter M3
5 Monate zuvor

Dem „Mainstreamer“ wird es durch die Massenmedien extrem leich gemacht. Und, er kann sich durchaus auf (gekaufte) Expertise berufen, egal ob die Lobbyisten der Transatlantikfa oder Prof. der „Stiftung Wissenschaft und Politik“ oder eines Herrn Lesch oder anderen Welterklärern. Die Konditioniermaschine läuft vom Morgen- bis zum Nachtmagazin auf allen Kanälen.

M zu sein ist leicht und man ist auf der sicheren Seite. Genauso, wenn man sich dazu entschließt Fan des FCB zu werden. Obendrein ist man auf Arbeit in der Regel gern gesehen und everybodys Darling. Da gibt es sogar Exemplare, die reden dem „Q“, also dem „Querulanten“ nach dem Munde! Das sind dann allerdings schon „Meister ihres Faches“.

Q zu sein ist anstrengend, zeitintensiv und macht auch einsam. Im Familienkreis vermeidet man dann politische Themen, um böses Blut zu vermeiden. Argumentativ ist man sowieso immer in der Defensive egal ob als Putinversteher, SARS-COV-2 Hinterfrager oder Kritiker des Gender-Dadaismus und der Sprachverhunzung.

Sabine Neuhäuser
5 Monate zuvor

Da bin ich doch froh, dass ich der „Null-Bock-Generation“ der 80er angehörte.

Die Schule habe ich gehasst, für Politik habe ich mich nicht interessiert.
Kurzum, ich habe mir damals keine Gedanken um die Zukunft gemacht.
….Aber eben auch nicht irgendetwas nachgeplappert, nur weil es en vogue war!