Ideologie statt Journalismus

Stramm Anti-Israel und Pro-Putin, nicht die geringste Ahnung von Russland, vom hybridem Krieg des Kremls, von der Gerassimow-Doktrin – aber zu allem eine feste Meinung, und bereit, den Leser zu erziehen und ihm die Welt zu erklären – etwa warum Putin ein lieber ist. Es sind fakenews pur, die Spiegel-Miteigentümer Jakob Augstein heute wieder verbreitet. Mit arroganten, weltfremden und faktenfreien Ideologen wie ihm geht der Journalismus vor die Hunde…*

 

*) (gar nicht zu reden davon, wie irreführend der Spiegel gestern über den Ausschluss von Nawalny von der Wahl berichtet hat – siehe mein gestriger Beitrag unten.
Legendär auch Augsteins Haltung zur US-Wahl: Da sympathisierte er ausgerechnet mit Trump, weil ihm Clinton zu Putin-kritisch war.

 

 

Irreführende Berichte in deutschen Qualitätsmedien: Spiegel Online, zeit.de tagesschau.de etc. haben bei ihren Beiträgen zum Ausschluss von Putin-Herausforderer Alexej Nawalny von den Präsidentschaftswahlen im März den Kreml-Duktus übernommen. Und zwar schreiben sie, Nawalny sei wegen einer Verurteilung wegen Betrugs nicht zugelassen worden. Das greift zu kurz. Fakt ist: Der Europäische Menschengerichtshof hat bereits eines der Urteile gegen Nawalnij für willkürlich erklärt und Russland deswegen veurteilt (siehe Bild). Darüber steht kein Wort in diesen Berichten. Ohne diese Information sind sie irreführend – wenn wohl auch ohne bösen Willen.* Der Spiegel geht allerdings noch weiter: Er unterstellt Nawalny gar Betrug seiner Anhänger. Das ist schon Täuschung der Leser – also fakenews.**

 

**) Spiegel Online schreibt: „In einer früheren Version des Artikels hieß es, Nawalny wolle als Gegenkandidat von Wladimir Putin bei der russischen Präsidentschaftswahl antreten. Tatsächlich hat er sich nur von seinen Anhängern als Kandidat aufstellen lassen – aufgrund einer Vorstrafe ohne jede Erfolgsaussicht. Wir haben die entsprechenden Stellen präzisiert.“

 

 Quelle: https://www.zdf.de/nachrichten/heute/alexej-nawalny-bekommt-in-strassburg-recht-100.html

 

Kommentar von Andreas Umland: „Die oft betont respektvollen, „korrekten“, ja teils hochachtungsvollen Präsentationen der bizarren Verlautbarungen von Putin & Co., die gegen Waffenlieferungen ins Konfliktgebiet seien, die lediglich einen Vorbestraften von Wahlen ausschliessen usw., in vielen deutschen Leitmedien dürfte einmal selbst Gegenstand von Medienforschung werden. Die Message dahinter scheint häufig zu sein: „Demokratisch mag es vielleicht in Russland nicht hundertprozentig zugehen, aber an Recht, Ordnung und Frieden ist ja auch Moskau interessiert!“ Ein trauriges Kapitel insbesondere des deutschen öffentlich-rechtlichen Rundfunks, der mit seiner häufig unkommentierten Weitergabe von Kremlmeldungen die Propaganda eines Regimes mitbetreibt, in welchem Anstalten wie ARD und ZDF undenkbar wären.“

 

Quellen: Zeit.de

Tagesschau.de

Spiegel.de

 

*) Das Phänomen ist fünfzehn Jahre alt und keinen scheint es zu kümmern. Die Nachrichtenagenturen, auf die auch diese Meldungen offenbar zurückgehen, behandeln die Unrechts-Justiz und -Behörden in Putins autoritärem System so wie entsprechende Behörden in Demokratien – sie nehmen ihre Entscheidungen für bare Münze, werden damit regelmäßig zu nützlichen Idioten und führen ihre Leser in die Irre. Wie absurd, dass so viele Menschen glauben, unser Medien würden Putin „bashen“. Das liegt wohl daran, dass ich kaum jemand die Realität in Russland vorstellen kann – und viele denken, genauso wie bei Trump würde bei Putin über jede negative Kleinigkeit groß berichtet. Dabei ist bei ihm tendenziell eher das Gegenteil der Fall.

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