Im Kreis schwimmen gegen das Virus Die Corona-Regeln und der gesunde Menschenverstand

Ein Gastbeitrag von Ekaterina Quehl

Schon seit Monaten komme ich mir vor wie in einem Orwell-Roman. Das, was gestern noch absurd schien, kommt heute als Selbstverständlichkeit daher. Und das, was gestern ganz gewöhnlich war, scheint heute unvorstellbar. Und diejenigen, die das heutige Absurdum als ein solches wahrnehmen, werden häufig als Verschwörungstheoretiker, Covidioten und Rechte diffamiert. Ich frage mich, welche persönliche Eigenschaft man besitzen muss, um das, was heute passiert, zu verstehen. Denn der gesunde Menschenverstand ist es definitiv nicht. 

Einige meiner Freunde befinden sich im festen Glauben an die Berichterstattung der Öffentlich-Rechtlichen und sind fest davon überzeugt, dass die drastischen Maßnahmen voll gerechtfertigt sind. Das Hauptargument ist dabei, dass sie sonst nicht alle anderen Länder auch einführen würden. „Da wird schon was dran sein“, hat mir neulich meine gute Freundin gesagt. Dass die Zahl der positiv Getesteten gegenüber dem Frühjahr deshalb so deutlich erhöht ist, weil immer mehr Menschen getestet werden, wollte sie mir nicht abkaufen. Auch dann nicht, als ich ihr die Tabelle vom RKI-Lagebericht gezeigt habe, in der dies schwarz bzw. blau auf weiß steht. Dabei nennt sie positiv Getestete Erkrankte, holt ihre ausgefranste Stoffmaske aus ihrer Hosentasche und zieht sie über ihr Gesicht in der festen Überzeugung, dass diese vor Coronaviren schützen soll. Wen auch immer.

Apropos Masken und Regeln. Ich muss zugeben, dass ich selbst noch im Frühling voller Angst war und dachte, wir sind von einem ultimativen Killer-Virus befallen und müssen uns schützen mit allen Mitteln. Doch dann habe ich verfolgt, dass – zumindest in Deutschland – die Krankenhäuser nicht überfüllt waren, dass die meisten Verläufe doch eher mild oder gar asymptomatisch sind, dass überwiegend die Risikogruppen wirklich gefährdet sind und dass diese Entwicklung mehr oder weniger stabil geblieben ist. Auch nach all den Partys und Demonstrationen hat sie sich nicht geändert. Dann sagte mir mein gesunder Menschenverstand, ich darf etwas entspannter damit umgehen. Mit Vernunft und ohne Panik. Und das ist auch etwas, was man von denjenigen erwartet, die die Maßnahmen zur Pandemiebekämpfung in unserer Gesellschaft einführen. Ja, die neuesten Entwicklungen machen auch mir Sorgen. Und ich bin weit entfernt davon, sie auf die leichte Schulter zu nehmen. Gerade deshalb wäre der gesunde Menschenverstand in so einer Situation sehr dienlich. Nehmen Sie nur die Maskenpflicht! Sie ist dermaßen absurd umgesetzt, dass ich beim Lesen der Regeln nur noch kognitive Dissonanz bekomme. Würde ich versuchen, die Logik dahinter zu erkennen, so würde ich zu einer ganzen Reihe skurriler Schlussfolgerungen über das Verhalten des Virus kommen. 

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So könnte man denken, es benimmt sich sehr differenziert bestimmten Menschengruppen und Events gegenüber. Den Menschen gegenüber, die gerne große Partys feiern, zum Beispiel in Stuttgart oder Frankfurt, also bei der „Partyszene“, benimmt sich das Virus respektvoll und dermaßen zurückhaltend, dass die großen Medien seine Anwesenheit nicht mal für erwähnenswert halten. Dagegen reicht etwa in Garmisch-Patenkirschen schon eine einzige „Party-Gängerin“ dafür, dass sie von Politik und Medien öffentlich als Superspreader an den Pranger gestellt wird – wie sich herausstellte unberechtigt.

Respekt zeigte das Virus auch vor guter Küche, in Restaurants. Aber nur bis 1. November. Weiter zurückhalten wird sich das Virus beim Reisen in der Bahn oder im Flugzeug. Seine selektive Zurückhaltung den Essenden gegenüber ist nicht zu übersehen. Genau wie seine seltsame Vorliebe für bestimmte Straßen in Großstädten und in Hamburg sogar für bestimmte Hausnummern. Der Berliner Senat hat aber diese Vorlieben erkannt und diese in einer Infektionsschutzverordnung erläutert. Und diejenigen, die seine Vorlieben nicht akzeptieren wollen, will der Berliner Senat bestrafen. Singen beispielsweise mehrere Personen in geschlossenen Räumen, breitet sich das Virus zwischen den Singenden so stark aus, dass Singende mit bis zu 500 Euro bestraft werden können. Beim Tanzen in geschlossenen Räumen einer Gaststätte verbreitet es sich allerdings noch viel intensiver, wenn ich mich an der Höhe der Strafe orientiere: Tanzende müssen bis zu 10.000 Euro für ihren Spaß bezahlen. In meinem Berliner Fitnessclub darf man im Schwimmbad nur noch im Kreis schwimmen, rechtsdrehend. Viele tun das sogar, wenn sie allein im Bad sind oder nur zu zweit – obwohl sie da auf entfernten Bahnen viel mehr Abstand hätten. Glauben sie, Rechtsdrehen hilft gegen das Virus? Auf dem Fitnessgerät darf die Maske abgenommen werden, sobald man aufsteht, muss sie angelegt sein. Hat das Virus Angst vor Menschen, die Sport machen? Offensichtlich. Denn ab Montag darf es seine Kondition in menschenleeren Studios allein verbessern.

Menschen, die einen gesunden Menschenverstand an den Tag legen, bevor sie solchen Regeln gehorchen, werden von denjenigen, die dies nicht tun, häufig als Coronaleugner diffamiert. Oder als Verschwörungstheoretiker. Oder als Rechte. Bei manchen werden sogar soziopathische Züge vermutet, wenn sie beispielsweise aus medizinischen Gründen keine Maske tragen können. Aber nicht bei den Mitarbeitern des Bundestags. Für diese war es sogar eine Zeit lang empfehlenswert, die Maske abzusetzen, weil es zur erhöhten CO2-Aufnahme kommen kann. So hieß es zumindest in der früheren Fassung der Empfehlungen, die der Bundestag für seine Mitarbeiter verfasst hat. Jetzt ist das wieder anders.

Dass die Maskenpflicht immer mehr den Bezug zur Corona-Pandemie verliert, fällt auch nur denjenigen auf, die sich ihres gesunden Menschenverstandes bedienen und versuchen, wenigstens einen Hauch der Logik hinter den ganzen Regelungen und Maßnahmen zu erkennen. Maske ist „Das neue Schwarz auf den Fashion-Weeks“, schreibt die F.A.Z., „Maske ist das Symbol der Freiheit“, schreibt der Stern.

„Krieg ist Frieden! Freiheit ist Sklaverei! Unwissenheit ist Stärke!“ G. Orwell/Neusprech.


Ekaterina Quehl ist gebürtige St. Petersburgerin und lebt seit über 15 Jahren in Berlin. Pioniergruß, Schuluniform und Samisdat-Bücher gehörten zu ihrem Leben wie Perestroika und Lebensmittelmarken. Ihre Affinität zur deutschen Sprache hat sie bereits als Schulkind entwickelt. Aus dieser heraus weigert sie sich hartnäckig, zu gendern. Mit 27 kam sie nach einem abgeschlossenen Informatik-Studium aus privaten Gründen nach Berlin und arbeitete nach ihrem zweiten Studien-Abschluss viele Jahre als Übersetzerin, aber auch als Grafik-Designerin. Mittlerweile konzentriert sie sich beruflich fast ausschließlich auf Design und studiert neben ihrem Beruf noch Design und Journalismus.

 


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Bild: Yuliia_Heinz/Shutterstock
Text: Ekaterina Quehl


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