Jetzt muss auch Winnetou den „Rassisten-Tod“ sterben Nach Protesten: Ravensburger Verlag streicht Buch aus Programm

Endlich verstehe ich, warum ich nach den Maßstäben derjenigen, die heute in Politik und Medien den Ton angeben, ein böser, böser Rassist sein muss. Hatte sich die Grünen-Landeschefin von Berlin, Bettina Jarasch (mit deren Schwester ich einst in Augsburg im Geschichts-Leistungskurs saß, so klein ist die Welt) selbst geißeln müssen, um der politischen Höchststrafe zu entkommen, nachdem sie – ich traue mich kaum, den Frevel hier laut zu wiederholen – in einer Fragerunde bekannt hatte, als Kind wäre sie gerne Indianerhäuptling geworden. Pfui, pfui und nochmal pfui! Wie konnte sie nur! Sie löste damit so massives Entsetzen aus, dass sie sich entschuldigen musste. Mehr noch: Die Stelle wurde aus einem Video vom Parteitag entfernt.

Es habe sich um eine „unreflektierte Kindheitserinnerung“ gehandelt, schämte sich Jarasch laut Tagesspiegel. „Auch ich muss noch viel lernen.“ Weil doppelt gebüßt besser hält, setzte sie auf Twitter noch einen drauf bei der Selbstgeißelung: Sie erklärte, sie habe mit einem Parteimitglied gesprochen, das von dem Indianer-Ausspruch persönlich betroffen und „tatsächlich verletzt“ sei. Damit ihre Aussage aus der Vorstellungsrunde „nicht uneingeordnet im Livestream“ stehenbleibe, sei diese nachträglich gelöscht worden (Details siehe hier).

Dieser lange Rückblick war notwendig, damit Sie die Tragweite des Geständnisses verstehen, dass ich nun mache: Ich habe in meiner Kindheit liebend gerne „Winnetou“ gelesen. Schlimmer noch: Ich wäre gerne Winnetou gewesen. Oder zumindest wie Winnetou. Ich bin überzeugt, die Bücher über ihn haben mir viel gegeben. Sie haben mich nicht nur Hochachtung vor den Indianern gelehrt, sie haben auch Respekt vor der Natur und vor Menschenleben tief in mir verwurzelt. Deshalb würde ich die Bücher jedem Kind auch heute empfehlen.

Und, noch schlimmer: Ich bin nicht bereit, mich bei irgendjemand zu entschuldigen dafür, der sich jetzt verletzt fühlt. Schlimmer noch: Ich halte es schlicht für gaga, und zwar komplett, wenn sich irgendjemand dadurch verletzt fühlt, dass ich als Kind Winnetou sein wollte. Habt ihr keine anderen Sorgen?

‘Ursprung im Kolonialismus‘

Auslöser für mein Geständnis war eine Nachricht in der „Schwäbischen Zeitung“ mit folgender Überschrift: „Ravensburger Verlag nimmt Winnetou-Kinderbuch nach Kritik aus dem Programm.“ Das Unternehmen bekam massive Kritik in den sozialen Medien, weil es das Buch „Der junge Häuptling Winnetou“ verlegt. „Die Internetnutzer kritisierten grundsätzlich, dass der Stoff des Klassikers von Karl May überhaupt noch verlegt wird, zumal für Kinder“, schreibt das Blatt: „Darin würden rassistische Stereotype wiedergegeben, die ihren Ursprung im Kolonialismus haben, lautete zum Beispiel ein Kritikpunkt der Instagram-Nutzer.“

Ein anderer Nutzer kommentierte: „Was soll dieses Buch? Es reproduziert rassistische Stereotype, die ihren Ursprung im Kolonialismus haben.“ Ein Account mit dem Namen „Vielfältiges.Klassenzimmer“ behauptete, der Stoff sei „schädlich“ und beinhalte „Romantisierung von Völkermord“. Ich habe das haargenau umgekehrt in Erinnerung. Die Lektüre von „Winnetou“ hat mich für das Schicksal der Indianer sensibilisiert. Haben diese Leute die Bücher überhaupt gelesen? Ich glaube, nicht. Hauptsache, politisch korrekt sein und vorauseilend vor dem Zeitgeist kuschen.

Der Verlag machte denn auch prompt den Kniefall. Auf Instagram schrieb Ravensburger:

„Wir haben die vielen negativen Rückmeldungen zu unserem Buch „Der junge Häuptling Winnetou“ verfolgt und wir haben heute entschieden, die Auslieferung der Titel zu stoppen und sie aus dem Programm zu nehmen.

Wir danken Euch für Eure Kritik. Euer Feedback hat uns deutlich gezeigt, dass wir mit den Winnetou-Titeln die Gefühle anderer verletzt haben. Das war nie unsere Absicht und das ist auch nicht mit unseren Ravensburger Werten zu vereinbaren. Wir entschuldigen uns dafür ausdrücklich.“

Untertänigste Selbstgeißelung

Der Kniefall wird dann noch tiefer:
„Unsere Redakteur*innen beschäftigen sich intensiv mit Themen wie Diversität oder kultureller Aneignung. Die Kolleg*innen diskutieren die Folgen für das künftige Programm und überarbeiten Titel für Titel unser bestehendes Sortiment. Dabei ziehen sie auch externe Fachberater zu Rate oder setzen ‚Sensitivity Reader’ ein, die unsere Titel kritisch auf den richtigen Umgang mit sensiblen Themen prüfen. Leider ist uns all das bei den Winnetou-Titeln nicht gelungen. Die Entscheidung, die Titel zu veröffentlichen, würden wir heute nicht mehr so treffen. Wir haben zum damaligen Zeitpunkt einen Fehler gemacht und wir können euch versichern: Wir lernen daraus!“

Ich tue mich schwer, das noch ernsthaft zu kommentieren.

Mehr als komplett gaga“ fällt mir dazu einfach nicht mehr ein.

Wie geht es Ihnen? Finden Sie, ich bin zu harsch in meinem Urteil? Finden Sie „Winnetou“ rassistisch? Verharmlost es das Unrecht, das den Indianern geschehen ist? Oder haben sie die Bücher wie mich für das Schicksal der Indianer erst sensibilisiert? Finden Sie, man sollte diesen ganzen Irrsinn einfach komplett ignorieren und nicht mehr darüber berichten? Oder teilen Sie meine Auffassung, dass man zum Teil dieses Wahnsinns würde, wenn man sich nicht mehr darüber aufregen würde? Ich freue mich auf Ihre Meinungen unten in den Kommentaren! Gerne nehme ich einige dann auch hier im Artikel auf.

Hier die Koordinaten des Ravensburger Verlages – wenn sie die öffentliche Meinungen nicht nur den „woken“ Aktivisten überlassen und dem Verlag selbst Ihre Meinung sagen wollen:

Vorstandsvorsitzender: Clemens Maier
Robert-Bosch-Str. 1
88214 Ravensburg
E-Mail: [email protected]
Telefon: +49 – (0) 751 – 86 0
Fax: +49 – (0) 751 – 86 13 11

Leserzuschriften, Schreiben meiner Leser an den Verlag und Kommentare:

  •  „Niemand hat mich so beeinflusst wie die Figur des Winnetou: Freundschaft, Mut, Ehre, Tapferkeit, Ehrlichkeit, Menschlichkeit, Erbarmen und Vergebung, Deeskalation von Konflikten uvm. haben mich herausgefordert. Nebenbei habe ich die Sichtweise der Indianer kennengelernt, und mal eben, wo der Rio de la Plata, der Mississippi und St. Louis sich befinden. Die erworbene Lesekompetenz ist auch nicht zu verachten.“
  • Sehr geehrte (da ich mir beinahe sicher bin, dass jene auch bei Ihnen noch irgendwo zu finden sind) Damen und Herren, Herr Clemens Maier,
    braucht es mittlerweile tatsächlich nicht mehr als einen einzigen Shitstorm in den sozialen Netzwerken, dass Sie Werke, welche in unmittelbarer Fortfolge von Literaturklassikern stehen, einfach canceln?
    Wie durchweg enttäuschend und irrational Ihre Marketingabteilung darauf reagiert hat, beweist nicht nur die mangelnde Reflektiertheit jener Entscheidung, sondern auch, dass das ursprüngliche Motiv von Karl May nicht verstanden, verdreht oder schlicht und einfach vergessen worden ist.
    Zu Ihrer Erinnerung: Karl May, hat den Völkermord an den Indianern in seinen Werken erst thematisiert und die Gesellschaft bereits Ende des 19. Jahrhunderts und über viele Generationen bis zum heutigen Tag darauf sensibilisiert.
    Das scheint jedoch keine Rolle mehr zu spielen, auch nicht, dass Sie mit dieser Entscheidung der jüngeren Gesellschaft den Zugang zu dieser Thematik wieder erschweren. Das ist das eigentliche – in dem Fall das wirkliche und einzige Problem!
    Glückwunsch, wenn wir vor ideologisch getriebener Brüskiertheit und mangelnder Sachkenntnis weiter Stück für Stück einknicken, dann können Sie sich bereits darüber Gedanken machen Ihre, den römischen Imperialismus verherrlichenden Asterix Puzzle vom Markt zu nehmen. Wobei Puzzle per se auch problematisch sein dürften. Die Teile sind ja alle unterschiedlich und haben auch noch verschiedene Farben, wie lange das wohl noch gut gehen wird bis zum nächsten Aufruhr im sozialen Netzwerk? An dieser Stelle bin ich mir jedoch sicher, dass wenn es eine Marketingabteilung gibt, die damit fertig wird, sie bereits bestens gerüstet sind.
    Zu Ihrer Kenntnis: Ich habe 2 Neffen im Alter von 2 und 6 Jahren, die ich mit großer Freude mit Kinderartikeln verwöhne. Ein Ravensburger Produkt wird jedoch sehr lange nicht mehr dabei sein.

  • z.Hd. Clemens Maier
    Mit größtem Erstaunen habe ich gelesen, daß ihr Verlag „Winnetou-Bücher“ aus dem Verkehr zieht. Wenn man einmal davon absieht, dass die in vorauseilendem Gehorsam mitgelieferte Begründung einfach nur lächerlich ist, kommen mir als „gelerntem“ DDR-Bürger äußerst ungute Erinnerungen. Die Karl May Werke waren dort nämlich verboten. Die „Partei- und Staatsführung der DDR“ begründete das Verbot gegenüber seinen Untertanen mit ganz ähnlichen Argumenten, wie ihr Haus. Gegenüber dem Westen führte man natürlich „Lizenzprobleme“ ins Feld. Es ist genau diese in der DDR übliche Doppelzüngigkeit, derer sie sich bedienen. Natürlich steht heute nicht mehr das MfS vor der Tür, wenn man nicht kuscht. Aber wie sagte ein MfS-Verhöroffizier zu mir:“Wir haben unsere Möglichkeiten“.Es ist einfach nur widerwärtig, die Wiederauferstehung dieses Geistes miterleben zu müssen. Die wunderbare Bärbel Bohley hat es im Frühjahr 1991 bei ihrem Gespräch mit Chaim Noll, Katja Havemann und Peter Schneider vorausgesagt:„Das ständige Lügen wird wiederkommen…die geheimen Verbote, das Beobachten, der Argwohn, die Angst, das Isolieren und Ausgrenzen, das Brandmarken und Mundtotmachen derer, die sich nicht anpassen – das wird wiederkommen, glaubt mir. Man wird Einrichtungen schaffen, die viel effektiver arbeiten, viel feiner als die Stasi. Auch das ständige Lügen wird wiederkommen, die Desinformation, der Nebel, in dem alles seine Kontur verliert.“
    Bärbel Bohley, Deutsche Bürgerrechtlerin
    Ausgerechnet Bücher. Schämen sie sich, Herr Vorstandsvorsitzender
  • Lieber Herr Maier,
    wer hat eigentlich beim Ravensburger Verlag nicht „mehr alle Tassen im Schrank“?
    Sie in Ihrer Vorstandsküche oder doch irgendwelche nachgeordneten MitarbeiterInnen?
    Winnetou lebt  – Dem Ravensburger Verlag wünsche ich, dass er zukünftig nur noch von den Umsätzen dieser radikalen Spinnern leben muss!
    Für meine drei Enkelkinder kommt mir von Ravensburger nichts mehr auf den Einkaufszettel.
Diejenigen, die selbst wenig haben, bitte ich ausdrücklich darum, das Wenige zu behalten. Umso mehr freut mich Unterstützung von allen, denen sie nicht weh tut!
Bild: Pe3k/Shutterstock
Text: br

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