Judith Sevinç Basad schmeißt bei Bild hin Bestseller-Autorin reagiert auf Kniefall von Mathias Döpfner

Von Kai Rebmann

Unabhängiger Journalismus wird in Deutschland zu einem immer kostbareren Gut. Noch vor wenigen Jahren erschien es undenkbar, dass in Mitteleuropa eine ernsthafte Diskussion über Zensur in den Medien geführt werden muss. Doch im Jahr 2022 verschlechtert sich die Pressefreiheit auch in Deutschland immer weiter, laut Reporter ohne Grenzen liegt die Bundesrepublik hier inzwischen hinter Ländern wie Costa Rica, Jamaika oder den Seychellen. An die Hofberichterstattung im öffentlich-rechtlichen Rundfunk (ÖRR) hat sich der deutsche Zwangsgebührenzahler inzwischen ja gewöhnt, dass sich jetzt aber auch der einst so stolze und mächtige Axel-Springer-Verlag vorschreiben lässt, was und vor allem wie er zu berichten hat, ist dagegen neu. Die Bestseller-Autorin und Bild-Kolumnistin Judith Sevinç Basad hat in einem offenen Brief an Mathias Döpfner die von dem Axel-Springer-Chef betriebene Zensur im eigenen Haus angeprangert und die Gründe für ihre Kündigung bei der Bild dargelegt.

David
Diejenigen, die selbst wenig haben, bitte ich ausdrücklich darum, das Wenige zu behalten. Umso mehr freut mich Unterstützung von allen, denen sie nicht weh tut!

Stein des Anstoßes war ein Anfang Juni in der Welt erschienener Artikel von fünf Gastautoren, die darin die Gefahren der Transgender-Ideologie und deren Indoktrinierung im frühesten Kindesalter unter anderem in den Medien des ÖRR kritisierten. Nach heftigen Reaktionen aus der „woken“ Blase sah sich Döpfner wenige Tage später zum Kniefall vor der LGBTQXYZ-Community gezwungen. Als Judith Sevinç Basad jetzt für die Bild, die wie die Welt bei Axel Springer erscheint, diese Vorgänge in ihrer Kolumne aufgreifen wollte, wurde ihr damit gedroht, dass der Artikel nur veröffentlicht wird, wenn sie sich kritisch zum Welt-Gastbeitrag der fünf Wissenschaftler äußert. Da die Autorin das nicht mit dem Berufsbild, das sie von einem freien Journalisten hat, vereinbaren konnte, reichte sie bei der Bild die Kündigung ein. Ihre Beweggründe hat sie jetzt in einem offenen Brief an Mathias Döpfner geschildert.

Offener Brief als Plädoyer für unabhängigen Journalismus

Judith Sevinç Basad drückt zunächst ihr Bedauern über die Kündigung aus, da sie stolzes Mitglied einer Redaktion gewesen sei, „die mit so großer Entschlossenheit freiheitsfeindliche Ideologen klar und furchtlos analysiert, benennt und beschreibt“. Als Beispiel hebt sie ihren inzwischen ehemaligen Kollegen Paul Ronzheimer und dessen Engagement in Afghanistan, dem Iran und der Ukraine hervor. Dann sah sich die Kolumnistin dazu gezwungen, in die Vergangenheitsform zu wechseln: „Bild ließ sich von keiner Autorität der Welt, von keiner noch so trendigen Konvention einschüchtern, sondern kämpfte wie ein altes Schlachtschiff für die eigenen Werte: Demokratie, Meinungsfreiheit und das Existenzrecht Israels“. Als entscheidenden Grund für ihre Kündigung nennt Judith Sevinç Basad schließlich den Umgang von Axel Springer bzw. dessen Chef Mathias Döpfner mit der „woken Bewegung“. Sie habe den Eindruck, dass sie nicht mehr über die Gefahren berichten könne, die von dieser gesellschaftlichen Bewegung ausgingen.

Im nächsten Abschnitt erläutert Judith Sevinç Basad, warum ihr die Kolumne bei der Bild ein so großes Anliegen gewesen war. Sie habe verfolgt, wie die einzige Frau im Adidas-Vorstand gefeuert wurde, weil sie der Meinung war, dass Rassismus bei dem Sportartikel-Hersteller kein großes Problem sei. Dozenten einer medizinischen Universität in den USA weigerten sich von „Vater“ und „Mutter“ zu sprechen oder Begriffe wie „männlich“ oder „weiblich“ in den Mund zu nehmen. Und schließlich habe sie darüber berichten müssen, wie Kinder an deutschen Schulen von Antirassismus-Aktivisten gedemütigt worden seien, um ihnen ihre „weißen Privilegien“ auszutreiben. „Besonders aggressiv gehen dabei Trans-Aktivisten vor, die eine der krudesten Behauptungen vertreten, die das 21. Jahrhundert hervorgebracht hat: Dass das biologische Geschlecht nicht existiert“, schreibt die Journalistin in dem offenen Brief.

Diesem Aktivismus hätten sich 120 deutsche Wissenschaftler in einem 50-seitigen Dossier entgegengestellt, darunter die fünf Gastautoren des umstrittenen Welt-Artikels. Judith Sevinç Basad betont, dass es in dem Beitrag nicht darum gegangen sei, „transsexuelle Menschen zu diskreditieren“. Vielmehr hätten die Autoren kritisiert, dass im ÖRR „schon Kindern vermittelt wird, dass eine Transition die beste Option für sie sei – ohne auf die Nebenwirkungen von lebenslangen Hormontherapien, Pubertätsblockern und irreversiblen Operationen einzugehen“. Dass ihr eigener Artikel zu diesem Thema verlagsintern verhindert worden sei und die Tatsache, dass Döpfner „vor der unerträglichen Tyrannei der woken Aktivisten eingeknickt“ ist, hätten sie psychisch zermürbt, wie Judith Sevinç Basad schreibt.

Döpfner wirft den Phrasendrescher an und spricht von „Vielfalt und Freiheit“

Im letzten Teil ihres offenen Briefs an Mathias Döpfner geht Judith Sevinç Basad auf die Behauptung des Verlagschefs ein, dass Axel Springer für „Vielfalt und Freiheit“ stehe. Die Journalistin stellt die Frage nach der Deutungshoheit dieses Begriffs, mit dem sich gerade die Transgender-Ideologen besonders gerne schmücken. Wenn ein Gastkommentar kontextlos in die rechte Ecke gestellt wird, habe das nichts mit „Vielfalt und Freiheit“ zu tun, sondern vielmehr mit „Gleichschaltung und Unterwerfung“, wie die Autorin betont. In besonderem Maße erschrocken zeigt sich Judith Sevinç Basad darüber, dass Döpfner die Verfasser des Welt-Artikels in einem Brief an die Axel-Springer-Belegschaft in die Nähe von Holocaustleugnern gerückt habe. Wer solche Vergleiche ziehe, der sei nicht weit davon entfernt, den Holocaust selbst zu relativieren, warnt die Ex-Bild-Kolumnistin.

Der Kniefall von Mathias Döpfner vor der „woken“ Blase sowie die nun bekannt gewordene Zensur beim Axel-Springer-Verlag sind weitere Rückschläge für den freien und unabhängigen Journalismus in Deutschland. Wer die Wahrheit sagt, braucht ein schnelles Pferd, heißt es in einem alten Sprichwort, das je nach Quelle Konfuzius, Buffalo Bill oder sogar dem ehemaligen Hamburger Bürgermeister Henning Voscherau zugeschrieben wird. Leider wird die Wahrheit, etwa dass es eben doch nur zwei Geschlechter gibt, nicht nur im gesellschaftlichen Diskurs immer mehr umgedeutet, sondern inzwischen auch in den großen Verlagshäusern und Redaktionen. Die Medien haben einen wesentlichen Einfluss auf die Meinungsbildung in der Bevölkerung, weshalb Journalisten die Aufgabe und Pflicht haben, Missstände unabhängig von Haltung und Ideologie offenzulegen. Man kann daher nur den Hut vor Judith Sevinç Basad und ihrer Entscheidung ziehen, lieber auf einen gut dotierten Job als Kolumnistin bei der größten deutschen Tageszeitung zu verzichten, anstatt sich und die Werte des unabhängigen Journalismus an eine völlig durchgeknallte Ideologie zu verkaufen.

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Kai Rebmann ist Publizist und Verleger. Er leitet einen Verlag und betreibt einen eigenen Blog.

Bild: nitpicker / Shutterstock
Text: kr

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