Queer-Beauftragter der Regierung hetzt gegen besorgte Mutter Sven Lehmanns Reaktion auf einen Leserbrief ist mehr als entlarvend

Von Kai Rebmann

Man muss mit Alice Schwarzer nicht immer einer Meinung sein. Böse Zungen behaupten sogar, es sei in der Regel besser, die Auffassungen der Mutter aller deutschen Feministinnen nicht zu oft zu teilen. Aber wo Alice Schwarzer recht hat, hat sie nunmal recht. Vor wenigen Wochen warnte Schwarzer vor den Gefahren, die das von der Ampelkoalition geplante Selbstbestimmungsgesetz (SelbstBestG) für die Gesellschaft und insbesondere Kinder und Jugendliche mit sich bringt. Die Emma-Gründerin äußerte die durchaus berechtigte Sorge, dass der Wunsch nach einer Änderung des Geschlechts – sei es „nur“ als Eintrag im Pass oder durch chirurgische Eingriffe und Hormonbehandlungen – zu einem „Massenphänomen“ und einer „Modeerscheinung“ geworden sei. Diese nüchterne und objektiv kaum bestreitbare Feststellung rief Sven Lehmann (Grüne) auf den Plan. „Wer Transmenschen zuhört, spürt den großen Leidensdruck durch das jetzige Transsexuellengesetz und die gesellschaftliche Diskriminierung“, behauptete der Queer-Beauftragte der Bundesregierung und unterstrich damit seine Forderung nach dem SelbstBestG.

David
Diejenigen, die selbst wenig haben, bitte ich ausdrücklich darum, das Wenige zu behalten. Umso mehr freut mich Unterstützung von allen, denen sie nicht weh tut!

Lehmann ignoriert dabei allerdings, dass es Schwarzer war, die sich schon für die Rechte von Transsexuellen eingesetzt hat, noch bevor der Grüne im Jahr 1979 geboren wurde und in Deutschland überhaupt jemand wusste, was Transsexuelle eigentlich sind. Stefanie Moers, die Mutter einer 18-jährigen Tochter, nahm Lehmanns Kritik an Schwarzers Aussagen zum Anlass, um dem Queer-Beauftragten, der dem Bundesfamilienministerium unterstellt ist, einen offenen Brief zu schreiben, der in der Emma veröffentlicht wurde. Moers wohnt eigenen Angaben zufolge in Pulheim (NRW) und dankt Schwarzer in der Einleitung ihres Briefs dafür, dass sie die Diskussion über das SelbstBestG „medial angestoßen“ hat, was von einem nach wie vor vorhandenen Gespür für gesellschaftlich relevante Themen zeuge. Schwarzer spreche damit vielen Eltern aus der Seele und ganz sicher „nicht von außen“. Abschließend richtet sich Moers mit der Bitte an Lehmann, nicht nur Gesetze für die „extrem kleine Gruppe der Trans-Menschen“ zu machen, sondern „auch an die psychische und körperliche Gesundheit der durchschnittlichen Mehrheit“ zu denken.

Moers gibt detaillierte Eindrücke aus ihrem Alltag als Mutter preis

Moers ist seit vielen Jahren SPD-Mitglied und verortet sich im politischen Spektrum eigenen Angaben zufolge „klar links“. In ihrem Brief schildert sie Lehmann einige Erfahrungen aus ihrer Lebenswirklichkeit als Mutter eines Teenagers, die dem in einer homosexuellen Beziehung lebenden Queer-Beauftragten naturgemäß fehlen. Sie sei überrascht gewesen, als ihre Tochter ihr davon erzählt habe, wie leicht es einigen ihrer Mitschüler inzwischen falle, sich als pan-, bi-, homo- oder transsexuell zu bezeichnen. Das ginge so weit, dass sich heterosexuelle Schüler inzwischen fragen würden, ob mit ihnen „alles in Ordnung ist“ oder sie „anders“ seien. Bezeichnungen wie „LGBTQIA+“ brächten die unsicheren und pubertierenden Kinder durcheinander, umso mehr, wenn im nächsten Jahr „vielleicht noch ein paar Buchstaben mehr“ dazukämen.

Weil es Lehmann selbst nicht besser wissen kann, erklärt Moers dem Queer-Beauftragten der Bundesregierung, was es mit der Eltern-Kind-Beziehung auf sich hat. Diese Passage halte ich für so wichtig und aussagekräftig, dass ich sie vollständig zitieren und für sich selbst sprechen lassen möchte: „Deshalb ist es unerlässlich bei allen Plänen, die so tief in die persönliche und psychische Entwicklung des Kindes eingreifen, die Eltern niemals außen vor zu lassen. Die allermeisten Eltern lieben ihre Kinder, wollen das Beste für sie und kennen ihre Kinder besser als jeder Therapeut oder Lehrer. Das wird meiner Meinung nach in der heutigen Zeit auch immer mehr übersehen. Eltern sind nicht das Problem, sie sind immer noch in 90 Prozent aller Fälle die Lösung.“ Damit bezieht sich die Mutter auf Pläne der Ampel, Kindern ab 14 Jahren die Änderung des Geschlechts im Zweifel auch gegen den Willen der Eltern und stattdessen mit dem Einverständnis von Psychologen und Familienrichtern zu ermöglichen.

Moers appelliert an Lehmann, er möge bitte nicht zulassen, „dass schon 14-Jährige in ihrer völlig unsicheren Lebenssituation, die noch dazu medial fehlgeleitet werden, solch tiefgreifende Entscheidungen ohne die Eltern treffen können.“ Gerade ihre und die vorherigen Generationen hätten viel dafür gekämpft, dass wir heute in aufgeklärten Zeiten lebten, die viele Möglichkeiten böten. „Bitte vergessen Sie die Mehrheit nicht, die nicht diese außergewöhnlichen Lebensherausforderungen hat“, forderte Moers vom Adressaten ihres Briefs.

Lehmann dreht frei und wirft Moers Homophobie und 'elterliches Machtgehabe' vor

Wer von Lehmann, der Würde seiner politischen Position entsprechend, eine sachliche Reaktion auf diese Kritik, wenn man sie denn überhaupt als solche bewerten möchte, erwartet hat, sah sich gewaltig getäuscht. Stattdessen leistete sich Lehmann eine unfassbare Entgleisung, indem er kurz nach der Veröffentlichung des offenen Briefs gleich in mehreren Instagram-Storys den Beitrag der Nutzerin „Hase im Pfeffer“ teilte und sich damit den folgenden Inhalt zu eigen machte: „Aus jeder Zeile des Briefs strotzt so viel Queer- und Transfeindlichkeit, Homophobie, Adultismus und elterliches Machtgehabe, dass Stefanie Moers noch so oft sagen kann, dass sie ‚politisch klar links‘ stünde, wie sie will. Der Text könnte so auch von evangelikalen Christ*innen und bürgerlichen Faschos stammen.“

Lehmanns Hetze gegen eine fürsorgliche Mutter, die er den „bürgerlichen Faschos“ zurechnet, bringt sowohl seine Vorgesetzte, Bundesfamilienministerin Lisa Paus (Grüne), als auch die gesamte Ampelkoalition in die Bredouille. Entweder sie distanzieren sich von ihrem Queer-Beauftragten und entbinden ihn von seinen Aufgaben, oder sie belassen ihn im Amt und signalisieren damit offene Zustimmung zu Lehmanns verstörenden Ansichten. Der von Lehmann fleißig geteilte Post ist aber auch noch aus einem anderen Grund interessant. Wohl um auf der ideologisch „sicheren Seite“ zu sein, wird bei dieser Gelegenheit auch gegen Christen gehetzt, obwohl sich die Autorin dieses Textes auch auf „fundamentalistische Muslime“ hätte beziehen können. Die Transgender-Ideologie und alles, was damit zusammenhängt, wird im Islam ebenso deutlich und aus denselben Gründen abgelehnt wie im Christentum.

Damit Sie, liebe Leser, sich selbst ein Bild davon machen können, ob Stefanie Moers eine bürgerliche Faschistin ist oder vielleicht doch nur eine Mutter, die sich um das Wohl ihrer Tochter sorgt, können Sie hier den offenen Brief an Sven Lehmann nachlesen.

Namentlich gekennzeichnete Beiträge geben immer die Meinung des Autors wieder, nicht meine. Ich schätze meine Leser als erwachsene Menschen und will ihnen unterschiedliche Blickwinkel bieten, damit sie sich selbst eine Meinung bilden können.

Kai Rebmann ist Publizist und Verleger. Er leitet einen Verlag und betreibt einen eigenen Blog.

Bild: Shutterstock
Text: kr

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