Keine Einreise wegen Corona – Notfallpatient muss an der Grenze warten Lebensgefährliche Bürokratie

Von Christian Euler

Pünktlich zum Frühlingsbeginn treibt der Virus-Wahn immer seltsamere Blüten. Wie surreales Theater erscheint, was sich zu Beginn dieser Woche am deutsch-österreichischen Grenzübergang nahe Füssen zugetragen hat: Ein Tiroler Rettungswagen mit einem Herzpatienten an Bord wurde von der deutschen Polizei gestoppt. Ein wichtiges Dokument für die von Deutschland verhängten strengen Einreiseregeln fehlte, nachdem Tirol zum Virusvariantengebiet erklärt worden war.

Der Rot-Kreuz-Wagen musste 30 Minuten warten, bis das fehlende Papier von einem weiteren Rettungswagen nachgeliefert wurde. 30 lange –und lebensgefährliche – Minuten, da der Patient an akuten Herzproblemen litt. Bizarr: Sowohl der Patient als auch die Sanitäter waren negativ getestet. Zudem handelt es sich bei dem Dokument laut Andreas Inwinkl, dem Bezirksgeschäftsführer und Leiter des Rettungsdienstes beim Roten Kreuz Reutte, nur um die Kopie einer E-Mail: „Ein allgemeiner Wisch, mehr nicht. Darin teilt das Bayerische Staatsministerium den eigenen Leuten an der Grenze mit, dass eine Einreise für Behörden und Organisationen für Sicherheitsaufgaben – also Rettung, Polizei, Feuerwehr und andere, die sich im Einsatz befinden – erlaubt ist.“

Das Papier hätte den Beamten der deutschen Bundespolizei an der Grenze ohnehin bekannt sein müssen, so Inwinkl. Selbst Albert Camus Ethik des Absurden überschreitet die Tatsache, dass es sich bei dem Patienten um einen deutschen Staatsbürger handelt.

„Das deutsche Grenzregime artet aus“

Dass die Bundesrepublik die Bürokratie traditionell übersteigert und preußisches Pflichtbewusstsein als hohe Tugend pflegt, ist nicht neu. Dass der rigorose Behördengehorsam aber Menschenleben gefährdet, stößt weithin auf Unverständnis. „Medizinische Versorgung muss jederzeit über Grenzbürokratie stehen“, zürnt Tirols Landtagspräsidentin Sonja Ledl-Rossmann, „die stationären Grenzkontrollen sind unverständlich und weder verhältnismäßig noch EU-rechtskonform.“ Der Vorfall in Füssen zeige ganz klar, „dass das deutsche Grenzregime ausartet.“

Das Herzklinikum Füssen, in das der Patient eingeliefert werden sollte, ist ein offizieller Vertragspartner der Tiroler Krankenkassen. „Wenn Deutschland jetzt auch akute Rettungseinsätze verunmöglicht, schlägt das dem Fass den Boden aus,“ wettert Ledl-Rossmann.

Harte Grenzkontrollen sind für sie keine brauchbare Lösung. Grund genug für die Landtagspräsidentin Tirols, auf eine „sofortige Beendigung der Schikanen an der Grenze“ zu drängen. Hier dürfte sie die Rechnung ohne den bayerischen Landesvater gemacht haben. Markus Söder scheint Gefallen daran gefunden zu haben, mittlerweile gebetsmühlenartig Grenzschließungen als Teil seines Notbremsen-Plans zu propagieren.

Diejenigen, die selbst wenig haben, bitte ich ausdrücklich darum, das Wenige zu behalten. Umso mehr freut mich Unterstützung von allen, denen sie nicht weh tut!
Dipl.-Volkswirt Christian Euler widmet sich seit 1998 intensiv dem Finanz- und Wirtschaftsjournalismus. Nach Stationen bei Börse Online in München und als Korrespondent beim „Focus“ in Frankfurt schreibt er seit 2006 als Investment Writer und freier Autor u.a. für die „Welt“-Gruppe, Cash und den Wiener Börsen-Kurier.
Bild: maradon 333/Shutterstock (Symbolbild)
Text: ce

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