Klartext von Unions-Präsident zum “Vollchaos” in der Corona-Politik Dirk Zingler platzt beim Pressegespräch der Kragen

Von reitschuster.de

Der Profi-Fußball blickt besorgt auf die kommende Zeit. Wie im letzten Winter drohen leere Stadien. Und das, obwohl Ansteckungen unter freiem Himmel weiterhin keine Rolle spielen.

Für einen Aufreger sorgten zuletzt Bilder aus Köln, wo am letzten Wochenende 50.000 Menschen das Rheinderby gegen Mönchengladbach im Stadion verfolgten. Natürlich galt in der Arena die 2G-Regel. Teile der Medien und der Politik forderten im Anschluss härtere Maßnahmen für den Fußball.

Unverständnis äußerte der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach: „Ich finde es hochproblematisch, was wir beim Fußball sehen“, sagte Lauterbach. „Die Menschen infizieren sich nicht im Stadion, aber die Anreise und die Feiern nach dem Spiel sind die Infektionsherde. Daher sind Spiele im vollen Stadion aktuell nicht akzeptabel.“

Zu einer anderen Sicht der Dinge kam am Donnerstag der Präsident des 1. FC Union, derzeit Viertplatzierter in der Bundesliga, auf einer Pressekonferenz seines Vereins. Hatte der Unternehmer Dirk Zingler zuerst einer Kommentierung der Corona-Thematik abgeschworen, brach sich sein Unmut zur herrschenden Lage anschließend nur um so deutlicher Bahn.

„Unser Land ist in einem katastrophalen Zustand, weil es katastrophal geführt wurde und katastrophal kommuniziert wurde“, sagte der Vereinspräsident zum Auftakt seiner Wutrede.

Hinsichtlich drohender Geisterspiele und möglicher Lockdowns beschreibt der 57-Jährige das politische Agieren der Entscheidungsträger: „Wir erleben Pressekonferenzen der Ministerpräsidenten – und drei Wochen später eine Verordnung, die nichts mehr von dem enthält, was auf den Pressekonferenzen gesagt wurde. Es war für mich nicht vorstellbar, wie schlecht dieses Land geführt wird. Das Abwälzen der Verantwortung auf Menschen, Veranstalter und Unternehmer ist kaum noch zu ertragen. (…) Es wird sich aufgeregt über volle Stadien. Aber wir regen uns nicht auf über lange Schlangen an Impfzentren, die mit zu geringer Kapazität und zu wenig Impfstoff arbeiten.“

Zingler äußerte sich dann zur Diskriminierung ungeimpfter Fußballer, für deren Marginalisierung symbolhaft Joshua Kimmich steht.

„Ich kann mich daran erinnern, dass Karl-Heinz Rummenigge vor einem Jahr gesagt: Lasst uns als Fußballer als Vorbild vorangehen und uns impfen. Es gab eine Empörungswelle darüber, dass sich die Profifußballer vordrängeln würden. 18 Monate danach wird ein einzelnes Mitglied einer Berufsgruppe, die einen Impfstatus von über 90 Prozent hat, an den Pranger gestellt, weil er noch nicht geimpft ist. So absurd ist die Corona-Politik in diesem Land geworden. (…) Dass sich unsere Bundesregierung mit einer Einzelperson einer Berufsgruppe befasst, die zu 90 bis 95 Prozent geimpft ist, ist ein Skandal – und nicht Joshua Kimmich. Wenn wir gesellschaftliche Solidarität einfordern, soll das Land mal liefern, dann soll der Staat solidarisch mit seinem Volk sein und seine Hausaufgaben machen: Impfstoff zur Verfügung stellen, 30.000 Pflegekräfte einstellen und Krankenhausbetten organisieren. Danach kann er Solidarität von seinem Volk einfordern.“

Anschließend drückte der Präsident seine Erleichterung aus, die scheidende Regierung am Ende zu sehen: „Ich wünsche mir eine klare Führung. Durch Krisen muss geführt werden, und dabei muss gut kommuniziert werden. All das tun wir nicht. Wenn der Bundestag etwas mehrheitlich beschließt und es wird zum Gesetz, dann ist es so. Wir sind aber im Vollchaos. Ich bin froh, dass diese abgewählte Regierung endlich abtritt und wir hoffentlich einen Neuanfang kriegen.“

Diese Hoffnung verbindet Zingler mit den zumindest professionell geführten Koalitionsverhandlungen, bei denen nichts an die Presse durchsickerte. Dadurch erlebe er “ein gewisses Maß an Professionalität. Ich muss nicht mit allen Ergebnissen einverstanden sein. Und wenn dieser Clown aus München nicht mehr dabei ist, scheint ja die BILD-Zeitung keine Nachrichten mehr zu bekommen. Das erfreut mich.“ Ob es noch andere Gründe für Zinglers überraschenden Optimismus gibt, blieb offen.

Die Nachfrage, wer denn mit dem “Clown aus München” gemeint wäre, ließ Zingler ebenfalls offen: „Sie wissen nicht, wen ich meine. Es ist ein Kumpel von mir in München …“ Über die guten Kontakte des “Clowns” zur BILD-Zeitung hätten wir ebenfalls gern mehr erfahren.

Zuletzt holte Zingler noch zum Rundumschlag aus und kritisierte die Einschränkungen der Grundrechte, ohne dass ernsthaft versucht worden wäre, die Krise durch mildere Maßnahmen zu lösen: “Der Profifußball ist nicht in der Lage, liefern zu müssen, sondern liefern muss der Staat – durch vernünftige Kommunikation und vernünftige Corona-Politik. (…) Ich habe 2021 fünf Wochen lang jeden Tag Stunden auf einer Intensivstation verbracht (aufgrund eines Krankheitsfalls im engsten persönlichen Umfeld, d. Red.). Ich weiß, wovon ich rede, ich weiß auch, was für eine Belastung die Schwestern und Pfleger haben. Mir brauchen sie nichts erzählen. Nicht der Fußball ist das Problem. Das Problem ist, dass wir in der Pandemie 30.000 Pflegekräfte und 6.000 Betten verloren haben. Der Staat muss erst einmal seine Hausaufgaben machen, dann kann er die Grundrechte bei den Menschen einschränken. Dann habe ich auch Verständnis dafür und das Gefühl: Du hast alles untersucht, Staat, du bist an die Grenzen des Möglichen gegangen. (…) Da setzt sich eine Gesundheitssenatorin (Berlins Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci, d. Red.) hin und sagt: Ich würde am liebsten noch mehr verbieten. Da fehlen mir die Worte. Dieser Ansatz, dass ich nur durch Verbieten Infektionen vermeiden kann, da hört es bei mir leider auf.“

Würden sich im Fußball-Geschäft wieder mehr Charaktere finden, die Klartext reden, und nicht zu allem Ja und Amen sagen, würde der Fußball auch wieder erheblich an Reiz gewinnen.

Jetzt neu. Das Original aus der Bundespressekonferenz.

Bild: Nizz, Shutterstock
Text: reitschuster.de

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