Landgericht stoppt eigenmächtiges Gendern eines Autorenbeitrages Aber letztlich kommt es nicht auf Gerichte, sondern auf das Sprachvolk an

Ein Gastbeitrag von Josef Kraus

Am 18. Mai 2022 stoppte das Landgericht Hamburg den „Verlag ManagerSeminare (Bonn)“ in seiner Gender-Beflissenheit. Dieser Verlag hatte in seiner Zeitschrift „Training aktuell“ den Beitrag einer Autorin von sich aus, das heißt gegen den mehrfach erklärten Willen der Autorin, sprachlich gegendert und unter anderem aus dem Begriff „Zeichner“ eine „zeichnende Person“ gemacht. Die Richter waren aufgrund einer Klage der Autorin gegen den Verlag indes der Auffassung, dass damit gegen das Urheber- und Persönlichkeitsrecht verstoßen worden war.

David
Diejenigen, die selbst wenig haben, bitte ich ausdrücklich darum, das Wenige zu behalten. Umso mehr freut mich Unterstützung von allen, denen sie nicht weh tut!

Geklagt hatte die Autorin Sabine Mertens, die als Leiterin einer entsprechenden Arbeitsgruppe innerhalb des „Vereins Deutsche Sprache“ (VDS; vds-ev.de) auch sonst unbeirrt ihre Stimme gegen die Gender-Sprache erhebt. Mertens hatte den Verlag mehrfach darauf hingewiesen, keine Änderungen zugunsten des Genderns zulassen zu wollen. Dennoch hat der Verlag trotz der Zusage, den Artikel in der eingereichten Form abzudrucken, ihn nach der Freigabe durch die Autorin in der Endversion „gendergerecht“ verändert.

Schließlich kam es vor Gericht zu einem Vergleich, den die Klägerin selbst vorgeschlagen hatte. Die betreffenden Stellen werden im Online-Angebot des Verlages in den Originalzustand zurückversetzt, die Beklagten müssen 4/5 der Prozesskosten tragen. Der Verlag bleibt allerdings stur „überzeugt von der Richtigkeit und Überlegenheit der Gendersprachregeln.“

Wie man sieht: Es lohnt sich, gegen das hochideologisierte Zwangs-Gendern vorzugehen. Der Erfolg der Autorin Mertens ist angesichts des gerade in der Wissenschaft, in den öffentlich-rechtlichen Sendern und in den Kommunalverwaltungen um sich greifenden Wahns, die deutsche Sprache zu „gendern“, ein Teilerfolg, nicht mehr und nicht weniger. Aber immerhin.

Was man gegen den Gender-Wahn tun kann

Entscheidend ist indes, ob sich der deutsche Michel die hochideologisch motivierte Verhunzung seiner Sprache gefallen lässt. Bislang ist der deutsche Michel hier leider arg großzügig, ja nachlässig und selbstvergessen. Repräsentative Umfragen zeigen zwar, dass zwei Drittel bis drei Viertel der Deutschen das Gendern ihrer Sprache ablehnen, aber die Gender-Ideologen ficht das nicht an. Die Sprache gehört aber dem Volk und nicht verbohrten Volkspädagogen, die mit der Gender-Ideologie ein neues Menschen-, Familien- und Gesellschaftsbild umsetzen wollen.

Gegen diese Front von Genderisten, die eigentlich eine Minderheit darstellen, muss sich der deutsche Michel heftiger zur Wehr setzen. Er könnte das vielfältig tun:

  • Amtliche Anfragen, die gegendert sind, sollte man an das jeweilige Amt unter Verweis auf die Verstöße gegen die üblichen Sprachregeln unbearbeitet zurückschicken. Das Gleiche sollte man mit Schreiben von Firmen, etwa Unternehmen, Banken, Sparkassen, tun. Und von Kirchen!
  • Einkäufe bei Anbietern, die „gendern“, kann man meiden oder zumindest reduzieren. Printprodukte, in denen „gegendert“ wird, kann man mit entsprechender Begründung abbestellen bzw. nicht mehr kaufen.
  • Bei den Öffentlich-Rechtlichen sollte man zu Zigtausenden protestieren, wenn Talkshow-Ladies und Nachrichtensprecher wieder auf Schluckauf-Sprache („Bürger – Schluckauf – innen“) machen.
  • Aus Vereinen, die in ihren Schreiben und Periodika „gendern“, kann man mit entsprechender Begründung austreten. Gilt auch für Kirchen. Beispiel: Der VDS-Vorsitzende Professor Walter Krämer ist auch mit öffentlicher Erklärung aus der Kirche ausgetreten, nachdem sein Bistum, das Bistum Hildesheim, eine Gender-Fibel herausgegeben hatte.
  • Studenten, die gezwungen werden, in ihren Arbeiten zu „gendern“, können dagegen vorgehen. Der VDS übrigens unterstützt solche Klagen gegebenenfalls auch anwaltlich.
  • Eltern, deren Kindern in der Schule die Gender-Sprache nahegebracht wird, sollen dagegen protestieren. Diese Sprache verstößt nämlich gegen das amtlich orthographische Regelwerk!
  • E-Mails, die man bekommt und die „gegendert“ sind, kann man teilweise blockieren. Zum Beispiel kann man das Gender-Sternchen * blockieren. Die Absender solcher Mails sollten entsprechend informiert werden.

Weitere Beispiele sammelt reitschuster.de gerne.

Eine kleine Lektion gegen sprachliches Absurdistan

Zum Schluss noch eine kleine Grammatik-Lektion: Im vorliegenden Rechtsstreit ging es unter anderem um den Begriff „Zeichner“, der vom Verlag gegen alle Regeln der Grammatik zu „zeichnender Person“ verhunzt wurde. Nun: Der Ausdruck „zeichnend“ ist ein Partizip Präsens, das heißt, hier geht es um eine Person, die gerade im Moment zeichnet. Das tut diese Person aber nicht rund um die Uhr. Denn diese Person schläft auch mal, wandert, isst, liest, faulenzt usw. Aber sie ist keine ständig „zeichnende“ Person, während ein Zeichner eben auch mal schläft, wandert, isst, liest, faulenzt – ohne deshalb kein Zeichner mehr zu sein.

Wie schräg solche Grammatikverstöße gegen das Partizip Präsens um sich greifen, zeigen drei ausgewählte Beispiele von sprachlicher Absurdität: „Letztes Jahr gab es in unserer Stadt drei tote Radfahrende“. „Im Hörsaal sitzen viele schlafende Studierende“. Und dann die aktuelle ZEIT-Gender-Spitze zur NRW-Wahl mit einer Wahlbeteiligung von nur 55 Prozent: „Viele Wählende blieben zu Hause“. Ja, was denn nun: Radeln die Toten immer noch? Schlafen oder studieren die Leute im Hörsaal? Ist man auch ein Wählender, wenn man nicht wählt?

Gastbeiträge geben immer die Meinung des Autors wieder, nicht meine. Und ich bin der Ansicht, dass gerade Beiträge von streitbaren Autoren für die Diskussion und die Demokratie besonders wertvoll sind. Ich schätze meine Leser als erwachsene Menschen, und will ihnen unterschiedliche Blickwinkel bieten, damit sie sich selbst eine Meinung bilden können.

Josef Kraus (*1949), Oberstudiendirektor a.D., Dipl.-Psychologe, 1987 bis 2017 ehrenamtlicher Präsident des Deutschen Lehrerverbandes, 1991 bis 2013 Mitglied im Beirat für Fragen der Inneren Führung beim Bundesminister der Verteidigung; Träger des Bundesverdienstkreuzes am Bande (2009), Träger des Deutschen Sprachpreises 2018; Buchautor, Publizist; Buchtitel u.a. „Helikoptereltern“ (2013, auf der Spiegel-Bestsellerliste), „Wie man eine Bildungsnation an die Wand fährt“ (2017), „Sternstunden deutscher Sprache“ (2018; herausgegeben zusammen mit Walter Krämer), „50 Jahre Umerziehung – Die 68 und ihre Hinterlassenschaften“ (2018), „Nicht einmal bedingt abwehrbereit – Die Bundeswehr zwischen Elitetruppe und Reformruine“ (2019, zusammen mit Richard Drexl)

Bild:
Text: Gast

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