Von Thomas Rießinger.
Wie gut, dass es Karl Lyssenko Lauterbach gibt, der sich nach seiner Zeit in dem doch eher provinziellen Amt als Bundesgesundheitsminister inzwischen im Auftrag der Weltgesundheitsorganisation WHO unablässig für unser Wohlergehen aufreibt.
Genauer gesagt ist er Mitglied der „Paneuropäische Kommission Klima und Gesundheit“, ins Leben gerufen von der WHO, deren segensreiches Wirken aus der Zeit der sonderbaren PCR-Pandemie noch in bester Erinnerung ist, und freut sich unbändig darüber, dass seine Kommission nun einen Bericht präsentieren durfte. „Die WHO-Kommission „Klima und Gesundheit“, in der ich mitgearbeitet habe, stellt heute in Genf ihren Bericht vor. Das wichtigste Ergebnis: Der Klimawandel hat sich zu einem internationalen Gesundheitsnotfall entwickelt und sollte so behandelt werden“, teilte er am 17. Mai voller Stolz mit.
In der Presse kann man Genaueres lesen: Die Kommission und mit ihr natürlich Lauterbach ist der Auffassung, die WHO solle und müsse die sogenannte Klimakrise „zur gesundheitlichen Notlage internationaler Tragweite ausrufen“, wobei man sich daran erinnern sollte, dass sie eine derartige Notlage auch schon im Rahmen der sonderbaren PCR-Pandemie ausgerufen hatte, mit all den Folgen, an die wir uns noch gerne erinnern.
Dubiose Methode
Es ist kein Wunder, dass Lauterbach dieses Ansinnen unterstützt, denn wann wäre es ihm in seinem Leben jemals besser gegangen als zur Covid-Zeit? Da kommt ihm die Kommission gerade recht. „Die WHO muss der Bekämpfung der Klimakrise mehr Aufmerksamkeit widmen“, sagte er der dpa. „Abwarten im Verlauf der Katastrophe macht keinen Sinn.“ Ja, Katastrophen sieht er gerne, denn nur die sorgen für die nötige Publikumswirksamkeit, ohne die das Leben keinen rechten Spaß macht, und da spielt es keine Rolle, ob die Katastrophen echt sind oder sich nur in Computermodellen abspielen. Doch Lauterbach weiß es genau: „Es wird Zeit, dass wir erkennen, dass wir es mit einem medizinischen Notfall zu tun haben.“ Schließlich ergibt sich aus dem vorgelegten Bericht, dass die Folgen des Nutzens fossiler Brennstoffe allein in Europa jährlich 600.000 Todesfälle verursachen, die noch durch 60.000 Hitzetote ergänzt werden. Dass diese Toten keiner gezählt hat, sondern sie mithilfe von Modellen ausgerechnet wurden, die von ähnlich windiger Qualität sind wie die seinerzeitigen Corona-Modelle, erzählt uns Lauterbach nicht.

Aber unser Gesundheitsexperte weiß es ganz genau. „Klimawandel müsste eigentlich schon lange ganz oben auf der Agenda der WHO stehen, denn was macht ihn denn so gefährlich? Abgesehen von den ökonomischen Folgen sind es die Gesundheitskonsequenzen.“ Bedauerlicherweise stehen seinem und der Kommission Anliegen aber noch immer lästige WHO-Regeln entgegen, denn wie uns der „Spiegel“ berichtet, ist für das Ausrufen einer gesundheitlichen Notlage internationaler Tragweite „zwingend eine akute Bedrohung durch gefährliche Krankheiten erforderlich.“ Um es etwas genauer zu formulieren: Es genügt, wenn eine solche Bedrohung behauptet wird, nachweisen muss man sie nicht, aber wenn nicht einmal eine konkrete Krankheit vorgegeben werden kann, dann lässt sich die erwünschte Notlage eben nicht so einfach ausrufen. So kann das nicht bleiben, das will Lauterbach in seiner Weisheit ändern. „Die Dimension der Gesundheitsgefahr, die vom Klimawandel ausgeht, ist weit jenseits derer, die von den meisten Pandemien droht“, versichert er uns, daher ergebe es einfach „keinen Sinn mehr, die Definition eines Gesundheitsnotfalls auf eine Pandemie zu begrenzen.“ Woraus folgt, dass man die Regeln ändern muss, damit die WHO ihre Neigung zu definitorischer Willkür noch stärker ausleben kann.
Gefährliche Legende
Die Einschätzung des international geschätzten Gesundheitsexperten Lauterbach liegt nun auf dem Tisch. Man sollte jedoch frühere Einschätzungen nicht ganz vergessen, denn sie zeigen seine Expertise auf dem Gebiet der medizinischen Prophezeiung und auch auf dem Gebiet der Logik recht deutlich. Ich erinnere an seine Äußerungen in der mit Recht als wíssenschaftlich hochwertig erachteten Sendung „Anne Will“ vom 13. Februar 2022, man kann sie sich noch heute in einem Video ansehen: „Wir haben einen Virus, was ansteckender und gefährlicher als die Grippe ist. Und die Idee, dass das jetzt immer harmloser wird, demnächst eine Erkältungskrankheit, das ist eine ganz gefährliche Legende. Das mag in 30, 40 Jahren so sein, aber nicht für die nächsten zehn Jahre.“ Märchen konnte er schon immer gut erzählen. Nichts, aber auch gar nichts stimmte an den Worten des Gesundheitsministers der Herzen. Mindestens zehn Jahre lang würde sich die erschreckliche Gefährlichkeit des Virus nicht ändern, vielleicht könne man in 30 oder 40 Jahren Entwarnung geben. Das hätte ihm gefallen, denn wem ginge nicht das Herz auf bei dem Gedanken an weitere zehn Jahre der Panikverbreitung, der Lockdowns und der permanenten Präsenz in Talkshows? Ein gutes Jahr später, am 8. April 2023, entfielen die letzten Corona-Maßnahmen. Nicht dass man sie jemals gebraucht hätte, aber sie entfielen schon ein Ja
Wer noch eine weitere Probe seiner Logik sehen möchte, kann sich freuen, denn nur wenige Wochen zuvor, am 19. Januar 2022, durfte man Lauterbach in der Tagesschau bei der Gedankenarbeit zusehen. „Ich glaube also, dass Ärzte jeden impfen sollten, denjenigen, der geimpft werden will, weil er der Impflicht nachkommt, oder denjenigen, der sich impfen lässt ganz freiwillig. Es wird ja niemand gegen seinen Willen geimpft. Selbst die Impflicht führt ja dazu, dass man sich zum Schluss freiwillig impfen lässt.“ Niemand werde gegen seinen Willen geimpft, denn die Impfpflicht führe dazu, dass man sich freiwillig impfen lasse. Manche Leute haben schon ein wenig Pech beim Denken.
Dieser Mann erzählt uns nun also, man müsse von Seiten der WHO eine internationale gesundheitliche Notlage ausrufen, damit Leute vom Kaliber eines Karl Lauterbach endlich wieder ihr ganzes Talent entfalten können.
Genau darauf hat die Welt gewartet.

Der Autor:
Thomas Rießinger ist promovierter Mathematiker und ehemaliger Professor für Mathematik und Informatik. Er publiziert Fachbücher, philosophische Aufsätze und Beiträge zur Unterhaltungsmathematik. Sein Buch „Wahrheit oder Spiel“ finden Sie hier, „Umgang mit Formen“ über diesen Link.
Bild: Symbolbild/KI/Grok/
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