Luca-App-Gründer will Impfpass und Personalausweis zusammenlegen Corona-Apps: Millionengrab für Steuergelder

Von Mario Martin

Die Luca-App wurde letztes Jahr nachträglich zur Corona-Warn-App eingeführt. Sie soll die Menschen darüber informieren, ob im Alltag potenziell Kontakt zu anschließend positiv getesteten Menschen stattgefunden hat.

Auch die Luca-App soll Menschen nachträglich warnen, allerdings funktioniert sie nach dem System der Cluster-Erkennung. Dabei werden alle Menschen, die sich an einem Ort mit der App registriert haben, an diesem Ort gespeichert, um dann später – nach dem Auftreten eines positiven Tests – vom Gesundheitsamt über die Gefahr und ggf. Quarantänevorschriften informiert werden zu können. “Gemeinsam das Leben erleben”, so der Werbeslogan auf der Website – so als wäre dies nur noch durch die erlösende Nutzung der App möglich.

Während die Corona-Warn-App also bilateral funktioniert, nutzt die Luca-App Nutzergruppen, die sich an einem Ort aufgehalten haben.

Über die generelle Sinnhaftigkeit einer “Kontaktnachverfolgung”, die auf einer dysfunktionalen Metrik, dem positiven Test, beruht, soll im Folgenden nicht weiter eingegangen werden. Allein dieser Kritikpunkt lässt die Nutzung dieser Apps in den Augen des Autors als überflüssig erscheinen. Wie kommt es eigentlich, dass früher noch niemand auf die erstaunliche Idee der Kontaktnachverfolgung gestoßen ist? Laut Google war das Interesse an dieser Maßnahme pre-Corona nicht existent.

Dazu kommt, dass Nutzer der App gar nicht validiert werden und sich somit mit Fantasiedaten anmelden können. Das ist zwar ein Weg, um der weitestgehend sinnlosen Verarbeitung der Daten zu entgehen, steht aber natürlich im Widerspruch zum ursprünglich angedachten Zweck. ARD-Plusminus zitiert einen IT-Experten, der erläutert, man könne die App mit gefälschten QR-Codes nutzen.

Erschwindelte Nutzerzahlen?

Laut einem aktuellen Beitrag in der Berliner Zeitung hat die Luca-App 40 Millionen registrierte Nutzer.

Diese Zahl scheint allerdings übertrieben zu sein. Der Google Play Store weist lediglich 10 Millionen + Downloads aus. Die Zahlen für den App Store von Apple liegen nicht vor. Allerdings sind es von reinen Downloads bis zu registrierten Nutzern hin zu tatsächlichen aktiven Nutzern ein weiter Schritt. Die Diskrepanz ist oft riesig.

Laut Mobilfunkanbieter Congstar beträgt der Marktanteil des Betriebssystems Android in Deutschland 71 Prozent, während 28 Prozent auf iOS entfallen. Was erahnen lässt, dass die Downloadzahlen für iOS um mindestens die Hälfte im Vergleich zu Android niedriger liegen.

Demnach kommen die 40 Millionen “Nutzer” nicht einmal annähernd durch die mangelhafte Statistik der Downloadzahlen zustande.

Zahlen zur robusteren Metrik der aktiven Nutzer werden wohl bewusst nicht von den Betreibern der Luca-App genannt, schließlich will man den Menschen eine hohe Nutzung der Mitmenschen suggerieren. Sollten die angegebenen Zahlen zu Registrierungen und Downloads tatsächlich stimmen, registrieren sich also pro gezähltem Download mindestens zwei Nutzer. Fragwürdig.

Entwicklung und Kosten der Apps

Zu den vermutlich erschwindelten Nutzerzahlen kommen Entwicklungs- und Betriebskosten jenseits von Gut und Böse. Die Corona-Warn-App wurde von SAP und der Deutschen Telekom entwickelt.

“Nach Berechnungen des fraktionslosen Bundestagsabgeordneten Uwe Kamann laufen damit bis Ende 2021 Gesamtkosten von 67,45 Millionen Euro auf. Dazu kämen die Kosten für das Marketing”, schreibt das Ärzteblatt.

Die Luca-App wird von der Berliner Firma Culture4life betrieben. Hinter dieser Firma steht allerdings das Berliner Startup neXenio GmbH. Eine Ausgründung des Hasso-Plattner-Instituts mit dem angegebenen Zweck der Social Media Analyse und des Data Minings – also der Sammlung von Daten.

Die Daten der Millionen Nutzer liegen nun auf den Servern einer Firma, deren größter Anteilseigner eine Firma ist, die zum Zweck des Data Minings gegründet wurde. Aber selbstverständlich bekräftigt man, keinen Zugriff auf die Daten zu haben. Das mag stimmen. Aber für wie lange hat die Aussage Bestand?

Hasso Plattner ist Mitbegründer von SAP und natürlich bestens vernetzt. Und wer so uneigennützig 9,4 Milliarden Dollar an den von Warren Buffett und Bill Gates initiierten ‘Giving Pledge’ “spendet”, der erhält eben auch persönlichen Besuch von Gates bei der eigenen Ausstellungseröffnung.

Lizenzgebühren von über 20 Millionen Euro kassieren die Entwickler ab. Dazu kommen noch die initialen Entwicklungskosten von weiteren 20 Millionen Euro, die ebenfalls aus Steuergeldern finanziert wurden.

Undurchsichtige Auftragsvergabe

Zu den völlig unangemessen Kosten, mit denen sich die Entwickler einer relativ einfachen App großzügig mit Steuergeldern versorgen lassen, kommen zusätzlich noch Tricksereien bei der Auftragsvergabe.

Erst im November 2021 entschied das OLG Rostock, dass ein im März zwischen der Landesregierung Mecklenburg-Vorpommerns und Luca-Anbieter Culture4life geschlossener Vertrag unwirksam ist.

Die 440.000 Euro am 8. März vom Land für die Luca-App bereitgestellten Gelder wurden nicht per Ausschreibungsverfahren vergeben. Jedoch gab es günstigere Konkurrenzangebote, die nicht berücksichtigt wurden. Eine der Firmen klagte daraufhin und bekam Recht.

Sollte sich dieser Filz auch in anderen Bundesländern nachweisen lassen? Sollten Unternehmen ebenfalls Angebote abgegeben haben, könnte sich eine juristische Prüfung lohnen.

Nach Angaben von T-Online hat zumindest auch Baden-Württemberg ebenfalls auf die Ausschreibung verzichtet und die Nutzungslizenz für 3,7 Millionen Euro erworben.

Wer denkt sich solche Preise aus? Und wer ist bereit, das von den Menschen erwirtschaftete Geld dafür zu verschwenden? Es wirkt wie ein verdecktes Subventionsprogramm für Günstlinge.

Am 7. und 8. Januar erschienen zwei Beiträge zur Luca-App in der Berliner Zeitung, die wir nachfolgend betrachten wollen.

Polizei greift Kontaktdaten ab

Die Luca-App geriet nun erneut in die Kritik, da die Mainzer Polizei auf Kontaktdaten zugriff, die durch die Kontaktverfolgung erhoben wurden. Die Mainzer Polizei konnte mithilfe des Gesundheitsamtes die Namen der Gäste einer Kneipe herausfinden, die potenzielle Zeugen eines Unglücksfalls gewesen sein könnten.

Dieses Vorgehen wurde im Anschluss von der Mainzer Staatsanwaltschaft als rechtswidrig bezeichnet. Die Staatsanwaltschaft entschuldigte sich bei den Betroffenen.

Die Gründer des für den Betrieb der App verantwortlichen Unternehmens, Patrick Hennig, wäscht seine Hände in Unschuld. Er verurteilt den Vorgang. Daten der Luca-App dürfen nicht für die Strafverfolgung genutzt werden, sagt er in einem am 8.1. veröffentlichen Interview (inzwischen hinter Paywall). Man selber hätte gar nicht die Möglichkeit, auf die Daten zuzugreifen und nur die Polizei könnte dies in Zusammenarbeit mit dem Gesundheitsamt – so wie es dann auch im vorliegenden Fall passierte.

Das mag zwar stimmen, allerdings bringt es eben auch nichts, wenn Behörden schlichtweg trotzdem auf die Daten zugreifen. Gelegenheit macht Diebe, heißt es. Und das gilt natürlich insbesondere für den Bereich Datenklau. Die Frage ist eher, wie oft unerlaubte Abfragen stattfinden im Vergleich zu den Fällen, die an die Öffentlichkeit gelangen?

Impf- und Personalausweis zusammenführen

Das besagte Interview beinhaltet noch einen weiteren Hammer. Henning plant mir nichts dir nichts die Zusammenlegung von Impfpass und Personalausweis. Dabei gibt er sich als Wohltäter, der den Menschen dadurch die mühsame Arbeit erspare, beim 2G-Einchecken zusätzlich immer noch den Personalausweis vorzeigen zu müssen. Eine nervige Angelegenheit, deren Lösung es natürlich nicht ist, diesen Irrsinn abzuschaffen.

In der letzten Frage gibt Henning Auskunft zur Roadmap des Unternehmens:

“[..] Es war und ist unser Ziel, gesellschaftliches und gemeinsames Leben in Zeiten der Pandemie wieder zu ermöglichen. Hier wollen wir allen Beteiligten bestmöglich helfen und zur Seite stehen, um dieses Ziel zu erreichen. Seit einiger Zeit muss man zusätzlich zum Impf- oder Genesenenausweis auch den Personalausweis oder Pass vorzeigen. Das wollen wir in Luca auch einfach zusammenführen. Dann muss man vielleicht bald nur noch sein Handy zeigen. Und ich gehe davon aus, dass es diese ganzen Anforderungen noch ein paar Jahre geben wird.”

Klingt das nicht „convenient“? Alle Informationen gebündelt in einer einzigen App, die man dann permanent überall vorlegen muss?

Hennings Äußerungen zeigen jedenfalls exemplarisch, wo die Reise hingehen soll.

“Wüsste nicht, was die App noch für einen Nutzen haben sollte.”

Ob es so weit kommt, wird sich wohl zeigen. Henning jedenfalls hat große Pläne und äußert sich selbstbewusst zu der von allen Seiten auf die App einprasselnde Kritik. Die schrille Diskussion über Social Media verfälsche das Bild. Aus einer eigens in Auftrag gegebenen Umfrage leitet er einen klaren Arbeitsauftrag ab:

“Kürzlich haben wir dazu bei Civey eine Umfrage in Auftrag gegeben. Das Ergebnis: 88,2 Prozent der geimpften Bürger wären bereit, ihren Impfstatus mit dem zuständigen Gesundheitsamt zu teilen. Das zeigt, die Menschen haben kein Problem damit, ihre Daten zu übermitteln. Ich glaube, die Bevölkerung will digitale Tools nutzen. Das tut sie ja sowieso über Facebook und Google. Aber ich glaube, die öffentliche Diskussion, die wir dazu haben, die lautstarke, die veröffentlichte Meinung verfälscht oftmals das Bild.”

Nun sind es aber bei weitem nicht nur Kritiker auf Social Media, die sich gegen die App aussprechen. Auch Fachleute stellen die Sinnhaftigkeit in Frage, wie der ‘Stern’ berichtet.

Während eines Vortrags auf dem Chaos-Computer-Club(CCC)-Kongress RC3 äußerte sich Expertin Bianca Kastl zur App: „Ich wüsste jetzt nicht, was die noch für einen Nutzen haben soll“, so ihr Urteil.

Ob die App nun tot sei, wird sie daraufhin gefragt. „Technologisch ja, in der Wirkung auch“, war die Antwort. Da die gesammelten Daten von den Ämtern extra angefragt werden müssen, führe dies bei einer hohen Anzahl von Infektionen (Anm: positiver Tests) zu einem enormen Aufwand, so dass dies fast gar nicht mehr passiere: „Die Arbeitslast ist gerade so hoch, dass man sagen kann: Sie hat keine Wirkung mehr“, konstatierte Kastl.

Eine chronologische Auflistung der Wegpunkte des Versagens finden Sie hier.

Inzwischen äußern sich sogar Politiker der Grünen deutlich hinsichtlich der Nutzung der Luca-App.

Die Lösung der Probleme ist dabei aber nicht die Nutzung der ebenso fragwürdigen Corona-Warn-App, auch wenn der CCC hier weniger Bedenken hat und der App ein gutes Zeugnis hinsichtlich der Datensicherheit ausstellt.

Inzwischen gibt nun aber durch die Einführung eines neuen „Features“ bei der Corona-Warm-App doch Bedenken: Nutzer sollen beim Kauf von Tickets ihren Impfnachweis schon im Voraus validieren lassen können, damit sie diesen nicht mehr beim Eintritt vorzeigen müssen. Der Blog Netzpolitik kommentiert: „Das ist praktisch, aber bricht mit dem Konzept der anonymen Nutzung. [..] Mit der neuen Version 2.15 geht es bald am Einlass einer Veranstaltung oder eines Fluges schneller, weil nur noch die Identität, aber nicht mehr das Zertifikat geprüft werden muss.“

Wie praktisch!

Die Lösung des Problems wäre es, sich von diesen digitalen Nachweisen gänzlich freizumachen und jegliche digitalen Impfpässe, Green Passes, Pass Sanitaires usw. kategorisch abzulehnen und zu verbannen, so wie in diversen US-Bundesstaaten bereits geschehen.

Durch die Nutzung dieser ersten Generation der digitalen Nachweise findet eine Desensibilisierung und Konditionierung der Menschen für die schon in der Planung befindliche Ausbaustufe dieser Kontrollwerkzeuge statt.

Die Apps wären der feuchte Traum von Stasi und Gestapo gewesen. Hier liegt eine akute Bedrohung der offenen Gesellschaft vor. Nicht umsonst warnt der ehemalige Pfizer-Vizepräsident und Forschungsleiter, Dr. Mike Yeadon, bei jeder Gelegenheit vor der weiteren Implementierung der Technik. (Zeitmarke: 1:13:30)

Namentlich gekennzeichnete Beiträge geben immer die Meinung des Autors wieder, nicht meine. Ich schätze meine Leser als erwachsene Menschen und will ihnen unterschiedliche Blickwinkel bieten, damit sie sich selbst eine Meinung bilden können.

Mario Martin ist Ökonom und arbeitet als Software-Projektmanager in Berlin.

Bild: Banksy
Text: mm

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