Ex-SED-Mitglied Maybritt Illner will Deutschland gegen die AfD impfen Alexander Gauland teeren und federn!

Ein Gastbeitrag von Alexander Wallasch

Maybritt Illner kommt zur sicher großen Überraschung der Fernsehzuschauer an diesem Donnerstagabend mit einem Gast aus der AfD – der Fraktionsvorsitzende Alexander Gauland wurde eingeladen.

Aber was hat das öffentlich-rechtliche Fernsehen mit Gauland vor, so kurz vor der richtungsweisenden Wahl in Sachsen-Anhalt am Sonntag?

Wir werden es gleich erleben: Die Zusammensetzung der übrigen Gäste lässt für die AfD jedenfalls nichts Gutes ahnen. Am prominenten Achtzigjährigen will das Zwangsgebührenfernsehen im Superwahlkampfjahr nichts anbrennen lassen: Wo es die AfD in Sachsen-Anhalt bis hierher einigermaßen schadlos ohne frische Skandale geschafft hat, will man da an Alexander Gauland ein Exempel statuieren? Geht der alte Herr hier schnurstracks in die Falle?

Allerdings: So etwas kann für die Öffentlich-Rechtlichen auch nach hinten losgehen, wie die Vergangenheit gezeigt hat: Wird der AfD-Gast zu sehr gemetzelt, dann weckt das bei einigen Zuschauern diesen Solidaritätseffekt mit dem Underdog – Frauke Petry war zu ihren AfD-Parteivorsitz-Zeiten eine wahre Meisterin im Kopf hinhalten und konnte damit streckenweise gut punkten.

Die AfD in Sachsen-Anhalt schaut heute Abend sicher mit zittrigen Knien ins Fernsehen, denn Gauland gegenüber sitzt gleich die ganz dicke Packung des polit-medialen Einvernehmes: Als wären die beiden Jungpolitiker Kevin Kühnert, stellv. Parteivorsitzender der SPD, und Paul Ziemiak als Generalsekretär der CDU noch nicht genug (beide sind zusammen jünger als Gauland alleine), darf auch noch der ehemalige Chef der Linkspartei, Gregor Gysi, gegen die AfD antreten.

Und damit nun aber wirklich nichts mehr schiefgehen kann, wurde auch noch die langjährige AfD-Jägerin Melanie Amann als frischgebackene „Spiegel“-Chefredakteurin in den Schützengraben auf Seiten der Guten gescheucht.

Maybritt Illner fragt in die Runde: „Warum wählt der Osten immer noch so anders? Erst die Linke, dann die AfD?“ Paul Ziemiak ist per Monitor zugeschaltet. Alle haben eingangs ernste Gesichter, außer Illner schmunzelt hier keiner – hat man sich schon vor dem roten Lämpchen die Köpfe heiß geredet?

Die Mitte als rechter Rand

Der ZDF-Einspieler will schon mal klarstellen für den Osten: „Der rechte Rand reicht weit in die Mitte.“ Merkel hatte sich gerade noch distanziert von der Aussage ihres Ost-Beauftragten Marco Wanderwitz, der den Ostbürgern bescheinigte, sie wären „dikatursozialisiert“ und „nach dreißig Jahren nicht in der Demokratie angekommen“. Man könne nur „auf die nächste Generation hoffen“. Dass das seine Kanzlerin dann aber mit einschließt, kann ja als Eigentor kaum schlimmer sein. Mal ganz davon abgesehen natürlich, wie menschenverachtend, spalterisch, a-historisch und wie kaltschnäuzig so etwas daherkommt.

„Sachsen-Anhalt ist das Land der Innovation“ sagt da Paul Ziemiak (CDU) im Wahlkampfmodus. Und er weist die Stimmen der AfD beim letzten Wahldurchgang gleich mal als Verluste der SPD und der Linken aus. Die AfD hätte bei allen Parteien gesammelt, aber am meisten eben bei der SPD. Maybritt Illner erinnert daran, dass das bei der letzten Bundestagswahl allerdings ganz anders war: Von der CDU gingen 1,4 Millionen zur AfD und von der SPD nur 500.000.

Es geht hier also von Anfang an nicht darum, anständig zu debattieren wie zuletzt noch in der MDR-Wahlarena, hier soll das Böse erst benannt und dann idealerweise an Alexander Gauland exorziert werden.

Gregor Gysi zählt vier Gründe auf, warum sich der Osten als Verlierer der Geschichte begreifen würde: 1. sowjetische Besatzungsmacht, 2. DDR als geschlossene Gesellschaft  ohne Menschen muslimischen Glaubens, 3. bei der Herstellung der Einheit Degradierung als Menschen zweiter Klasse und 4. die anfangs noch sehr hohe Arbeitslosigkeit und die Demütigungen, die sich eingegraben haben.

Kevin Kühnert (31) soll antworten darauf, dass die Menschen im Osten doch viel mehr von der SPD und der CDU sozialisiert wurden in den letzten 30 Jahren. Für Kühnert ist ganz klar die kapitalistische Haltung schuld, die da laute: „Jeder sei seines eigenen Glückes Schmied“, die sich nach 1990 ausgebreitet hätte.

Alexander Gauland wird als gebürtiger Chemnitzer vorgestellt. Er soll sagen, ob man nahtlos von der DDR-Diktatur in die Merkel-Diktatur und die Corona-Diktatur übergegangen wäre. Das ist schon ein spaßiger Beginn, wobei man sich über den Scherz hinweg fragen darf, ob Merkel und Corona nicht dasselbe sind. Jedenfalls schmunzelt auch Gauland. Er kritisiert die Bundesnotbremse als „gefährlich Richtung Diktatur“ und schon hat Maybritt das erste Zitat parat – irgendwas, was Gauland irgendwann mal im Bundestag gesagt haben soll.

‘Geschätzte‘ Journalistin vom ‘Spiegel‘

Melanie Amann wird von Illner als „geschätzte“ Journalistin vom „Spiegel“-Hauptstadtstudio vorgestellt. Aber von wem geschätzt? Dass Amann umstritten ist mit ihrem unerträglichen Haltungsjournalismus, der im Übrigen die Werte des „Spiegel“-Gründers beerdigt, interessiert hier nicht. Melanie Amann bezeichnet stattdessen das, was Gauland gerade sagte, als „hanebüchenen Unsinn“. Diktatur wäre kein Szenario, „mit dem man einfach mal so rumspielen dürfte nach populistischem Belieben“. Aber darf man mit der Demokratie so rumspielen?

Amann findet, am Ost-Bashing von Wanderwitz sei schon etwas dran. Was für eine verbitterte Steinzeit-Journalistin aus der „Spiegel“-Blase – keine Blase ist wohl dickwandiger als diese. Amann wiederholt es sogar: Der DDR-Bürger sei anfällig für Extremismus und Populismus, geprägt auch durch die DDR.

Dass der Ostdeutsche weniger anfällig ist für den Populismus der etablierten Politik samt Zwangsgebührenfernsehen und Altmedienbegleitung, fällt bei Amann selbstredend aus. Richtiggehend übel wird es da, wo Amann sagt, die AfD sei in der Anfangsphase der Partei noch gemäßigter gewesen. Übel, weil sie hier auslässt, dass auch sie für den „Spiegel“ ihren Teil dazu beigetragen hat, diese Gemäßigten medial zu diffamieren.

Ganz kurz geht dann auch der Vorhang der Inszenierung auf, als Paul Ziemiak sich postwendend bei Amann bedankt – und man muss es zitieren dürfen: „Deswegen bin ich Melanie Amann dankbar, die das ja gerade in sehr differenzierter Weise dargestellt hat.“ Geht so etabliertes PingPong? Das ist, dem Blick nach zu urteilen, sogar Amann deutlich peinlich.

Gauland erinnere an Heribert Prantl von der Süddeutschen, der ebenfalls die Corona-Freiheitseinschränkungen massiv kritisiert hätte. Amann hält ihm entgegen, die AfD würde das große Verständnis für die Ostdeutschen wie eine Monstranz vor sich hertragen.

,Buzzword-Diktatur'

Dann darf wieder Kühnert von „Buzzword-Diktatur“ sprechen und die Sendung ist da angekommen, wo man automatisch Ostdeutscher wird, wo man sich, angewidert von diesen im Kampf um die Deutungshoheit so verzerrten Westgesichtern, auch als Westdeutscher abwenden möchte.

Kevin Kühnert ist da ein fragwürdiger Charakter, wo er Alexander Gauland daran erinnert, dass dieser sich doch gerade zur besten Sendezeit präsentieren könnte – ohne hier allerdings anstandshalber zu erwähnen, dass hier seit sehr langer Zeit mal wieder ein AfDler im Zwangsgebührenfernsehen auftaucht. Und dass Gauland dann noch entsprechend eingerahmt wurde, um offensichtlich nur eines zu erreichen: die AfD richtungsweisend für die Bundestagswahl als stärkste Kraft in Sachsen-Anhalt zu verhindern.

Nur Gregor Gysi kann es für den Moment nicht mehr ertragen, versucht diese Tribunal-Situation irgendwie zu lösen und nimmt sich statt Gauland mal den Björn Höcke (AfD-Thüringen) vor. Was man an der Stelle auch einmal erinnern muss: Maybritt Illner ist ein DDR-Gewächs, war noch in der DDR-Diktatur Journalistin, und trat noch während ihres Journalistik-Studiums in die Diktatur-Partei SED ein.

Illner fragt Gysi, warum es denn nicht gelänge, der AfD Stimmen abzunehmen. Fast so, als wäre dies das Einvernehmen am Tisch, dass es darum ginge, die AfD zu minimieren, nicht die CDU, die SPD, die Linke oder wen immer – ist das noch Journalismus? Wie nennt man das?

Mit voller Giftspritze

Nach dreißig Minuten wechselt Illner über zur Bundeskanzlerin und der Frage „Wohin geht die CDU nach Merkel?“ Das Sperrfeuer gegen Gauland ist demnach vorerst beendet, aber es hätte schlimmer kommen können: Beide Seiten wirken bei diesen Gefechten mittlerweile erschöpft, lediglich Melanie Amann hat die Giftspritze noch voll, aber keiner macht freiwillig den Arm frei.

Nach der AfD, Gauland und Sachsen-Anhalt geht es bei Illner nahtlos zur Bundestagswahl über, zur CDU und hier zur Nachmerkel-Ära und den – wie es ein Einspieler sagt „Rechtsauslegern“ Hans-Georg Maassen und Max Otte von der CDU-Werteunion.

„Die Werteunion gehört nicht zur CDU, das müsste jetzt jeder verstanden haben“, muss sich nun nach Gauland der junge Generalsekretär der CDU pflichtschuldig vor dem kleinen Tribunal abgrenzen. Kühnert interveniert, Ziemiak möchte aber nicht in die Nähe von Rechtsextremen gerückt werden. Fällt den beiden wirklich nicht auf, dass sie über ihre eigenen Füße stolpern? „Kevin!“, „Paul!“, Alexander Gauland kann sich zurücklehnen. Gysi grinst und der Bürger mag denken: Wenn das die Volksparteien sind, dann passt das doch alles gut zu Annalena Baerbock.Wachablösung mit Streit um die Plastikschaufel und den Nachtisch. Ach so: „Keine Zusammenarbeit mit der AfD!“, ergänzt Ziemiak.

Illner zitiert Hans-Georg Maassen – natürlich aus Amanns „Spiegel“ – mit einer eigentlich doch sehr vernünftig klingenden Position zur Demokratie, und wendet sich dann zu Paul Ziemiak, um dem zu sagen: „Auch da wäre es toll, wenn man da was von Ihnen hören würde“, sie meint eine Abbitte bzw. Distanzierung. Ist das noch Journalismus?

Paul Ziemiak sagt es ungefähr fünf Mal oder noch öfter: „Keine Zusammenarbeit mit der AfD!“, dann etwas leiser und noch einmal: „Keine Zusammenarbeit mit der AfD!“ – es hallt regelrecht nach.

Melanie Amann sieht schon Hans-Georg Maassen bei dessen Jungfernrede im Deutschen Bundestag, und dann Applaus von der AfD, das würde doch Leuten wie Paul Ziemiak das Leben richtig schwermachen. Na ja. Wahrscheinlicher ist doch, dass Paul Ziemiak eher Paul Ziemiak das Leben schwermacht. Aber sei’s drum.

Spielen über Bande

Maybritt Illner sagt, was Melanie Amann ihr sogleich grinsend bestätigt: „Wurde der CDU das Konservative ausgetrieben und kommt das jetzt als etwas Reaktionäres zurück?“

Vielleicht sollte jetzt mal eine Entspannungsrunde eingebaut werden mit der Frage an jeden Einzelnen: Was liebst Du eigentlich an Deutschland? Kevin Kühnert mag stattdessen nicht beantworten, was Illner fragt, es wäre ihm zu philosophisch. Aber was hatte sie gefragt? Ob Merkel schuld sei am Zustand der CDU? Wie kommt Maybritt Illner bloß darauf?

Fazit: Alexander Gauland muss sich zwar zum Schluss noch einmal gegen eine Melanie Amann wehren, die merkt, dass nicht gelungen ist, was ihr vorgeschwebt haben mag in der letzten Zwangsgebühren-Talkshow vor der Wahl in Sachsen-Anhalt. Gysi kann es aber wieder nicht mehr hören, leidet irgendwie mit, erinnert sich vielleicht noch, als er mal der Böse der Runde war, und schimpft ablenkend von der Amann-Hatz gegen Gauland über die fehlende Lohnangleichung Ost-West.

Und dann geht der Schlussgong, Gauland steht überraschend noch, Ziemiak stattdessen angeschlagen, aber auch der noch ganz, auch ohne blaues Auge. Nun denn.

 

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Gastbeiträge geben immer die Meinung des Autors wieder, nicht meine. Ich schätze meine Leser als erwachsene Menschen und will ihnen unterschiedliche Blickwinkel bieten, damit sie sich selbst eine Meinung bilden können.

Alexander Wallasch ist gebürtiger Braunschweiger. Er schrieb schon früh und regelmäßig für Szene-Magazine Kolumnen. Wallasch war 14 Jahre als Texter für eine Agentur für Volkswagen tätig – zuletzt u. a. als Cheftexter für ein Volkswagen-Magazin. Über „Deutscher Sohn“, den Afghanistan-Heimkehrerroman von Alexander Wallasch (mit Ingo Niermann) schrieb die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung: „Das Ergebnis ist eine streng gefügte Prosa, die das kosmopolitische Erbe der Klassik neu durchdenkt. Ein glasklarer Antihysterisierungsroman, unterwegs im deutschen Verdrängten.“

Bild: Screenshot/ARD
Text: Gast
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