Mehr Arbeit und weniger Urlaub wegen horrender Corona-Kosten Provokanter Vorschlag des Instituts der Deutschen Wirtschaft

Von Christian Euler

Deutschland einig Urlaubsland. Mit dem Frühsommer bessert sich wie zu erwarten die Inzidenz, die Maßnahmen wurden gelockert – und die Bundesbürger freuen sich auf ihre so lange fast unmöglich gemachten Reisen. Just in diesen Moment der Glückseligkeit platzt das arbeitgebernahe Institut der deutschen Wirtschaft mit einer verblüffenden Studie: Die Deutschen sollen bitteschön mehr arbeiten und auf sechs Tage Urlaub verzichten.

Angesichts der erheblichen Zweifel an der Effektivität der Corona-Maßnahmen ist dies ein Schlag ins Gesicht derjenigen, die ohnehin unter den extremen Einschränkungen leiden mussten und müssen.

Die überzogenen Lockdowns rissen tiefe Löcher in die öffentlichen Kassen. Zeigte sich Deutschland seit der Finanzkrise mit einem Rückgang der Schuldenstandsquote (sie spiegelt das Verhältnis zwischen Staatsschulden und Wirtschaftsleistung wider) von 80 auf unter 60 Prozent noch als ökonomischer Musterknabe, wurde dieser Trend mit dem Ausbruch der Coronakrise jäh gestoppt: Im ersten Coronajahr brach das Bruttoinlandsprodukt um knapp fünf Prozent ein, während die Erwerbstätigenzahl um mehr als ein Prozent schrumpfte und das Arbeitsvolumen um 4,7 Prozent zurückging. Dies markierte gleichzeitig das Ende des „goldenen Jahrzehnts“ am hiesigen Arbeitsmarkt.

«Der wesentliche Hebel liegt bei den Arbeitszeiten»

Die Krater im Staatshaushalt sind tief – und es schmerzt, sie zu stopfen. Ein Lösungsansatz wäre, die Steuern zu erhöhen. Doch dies könnte die nun wieder wachsende Wirtschaft ausbremsen. Ein alternativer Vorschlag kommt jetzt vom Institut der deutschen Wirtschaft (IW).

Das Fazit der Studie „Schlummernde Wachstumspotenziale im deutschen Arbeitsmarkt“ lautet kurz und bündig: Mehr arbeiten bei weniger Urlaub. Sein Plädoyer für längere Arbeitszeiten und weniger freie Tage leitet das Wirtschaftsforschungsinstitut aus einem Ländervergleich mit der Schweiz und Schweden ab, in denen die Jahresarbeitszeit um elf bzw. sieben Prozent höher ist als hierzulande.

„Der wesentliche Hebel liegt bei den Arbeitszeiten“, erklären die Verfasser der Studie. Demnach arbeiten Beschäftigte in Deutschland im Schnitt rund 34 Stunden pro Woche und haben 31 Tage Urlaub pro Jahr. Schweizer arbeiten dagegen wöchentlich mehr als 36 Stunden – bei 25 Urlaubstagen. Würde man die schweizerische Wochenarbeitszeit und die Jahresarbeitswochen auf das deutsche Arbeitsmarktmodell übertragen, errechnet sich daraus nach den Berechnungen des IW ein Potenzial von 7,7 Milliarden Stunden, was binnen zehn Jahren zu einer Steigerung des preisbereinigten Bruttoinlandsprodukts um sechs Prozent führen könnte.

Bei einer gleichzeitigen Erhöhung der Erwerbstätigenquote um 2,5 Prozentpunkte läge die Wirtschaftsleistung sogar um knapp acht Prozent höher. Zudem geht mit dem gestiegenen Bruttoinlandsprodukt nach Einschätzung des IW auch eine erhebliche Beschleunigung des Entschuldungsprozesses einher.

«Wir müssen jetzt alle mit anpacken»

Zusätzlich ausschöpfen ließe sich das Potenzial durch den Abbau unfreiwilliger Teilzeit oder eine Angleichung der Wochenarbeitszeit der Frauen an die der Männer. Doch dafür bedarf es laut IW verbesserter Rahmenbedingungen: „Viele Frauen beispielsweise arbeiten unfreiwillig in Teilzeit, weil Kitaplätze fehlen. Allein für die Unter-Dreijährigen fehlen 340.000 Betreuungsplätze. Diese Versäumnisse aus den vergangenen Jahrzehnten kommen uns jetzt teuer zu stehen. Um die Krisenfolgen zu bewältigen, müssen wir jetzt alle mit anpacken“, gab IW-Chef Michael Hüther gegenüber der Bild-Zeitung zu bedenken.

Ob die IW-Studie eine Steilvorlage der Regierung ist, um ihre Wähler vollends zu vergrätzen, muss sich zeigen. Mit dem FDP-Fraktionsvize Michael Theurer zeigte sich zumindest ein Oppositionspolitiker skeptisch: „Höhere Wochenarbeitszeiten führen nicht automatisch zu höherer Produktivität.“ Theurer schlägt stattdessen flexiblere Arbeitszeiten und individuelle Vereinbarungen in den Betrieben vor.

Diejenigen, die selbst wenig haben, bitte ich ausdrücklich darum, das Wenige zu behalten. Umso mehr freut mich Unterstützung von allen, denen sie nicht weh tut!
Dipl.-Volkswirt Christian Euler widmet sich seit 1998 intensiv dem Finanz- und Wirtschaftsjournalismus. Nach Stationen bei Börse Online in München und als Korrespondent beim „Focus“ in Frankfurt schreibt er seit 2006 als Investment Writer und freier Autor u.a. für die „Welt“-Gruppe, Cash und den Wiener Börsen-Kurier.
Bild: Shutterstock
Text: ce
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