Ostern ohne Hoffnung – und warum ich dazu stehe Bela hat mich mehr gelehrt als jede Politikanalyse

Eigentlich sollte das hier eine frohe Osterbotschaft werden. Das hatte ich mir vorgenommen. Und auch in den vergangenen Jahren hatte ich immer eine frohe Osterbotschaft geschickt. Eine voller Hoffnung, passend zum Fest der Wiederauferstehung.

Als ich mich hinsetzte, um zu schreiben, merkte ich: Ich würde mich verbiegen, wenn ich etwas von Hoffnung schreiben würde. Wenn ich – böse ausgedrückt – geschmolzene Osterschokolade gießen würde über all das, was in diesem Land passiert.

Je mehr ich mir den Kopf zerbrach, um einen Hoffnungsschimmer zu finden, umso klarer wurde mir: Hoffnung setzt Veränderungsfähigkeit voraus. Wer hofft, glaubt, dass das Objekt der Hoffnung sich wandeln kann. Aber ich bin inzwischen überzeugt, dass Deutschland in seiner jetzigen Verfassung — strukturell, kulturell, politisch — nicht mehr reformierbar ist, sondern nur noch verwaltet wird.

Das ist keine Hoffnung. Es ist auch keine Resignation. Es ist Diagnose.

Ich bin inzwischen überzeugt: In Deutschland wird sich – wieder einmal – erst etwas ändern, wenn die Katastrophe noch viel heftiger wird.

Und das wird sie.

Keine rosige Prognose

Aber ich will Sie nicht mit dieser ganz düsteren Prognose heute an Ostern stehen lassen. Meine Hoffnung besteht in den vielen Menschen, die anders sind. Das Land ist vor der großen Katastrophe nicht mehr zu retten; aber die vielen wunderbaren Menschen, die es noch gibt, werden die Pfeiler sein, auf denen nach der Katharsis ein Wiederaufbau beginnen wird.

Ich denke, wir müssen das Glück und die Hoffnung im Privaten suchen, im zwischenmenschlichen Bereich.

Verzeihen Sie mir, wenn mein Ostertext dieses Jahr so freudlos ausfällt. Wer mein ganz persönliches Oster-Wunder von 2023 kennt – eine gut überstandene Not-Operation – der weiß, dass ich damals voller Zuversicht war (hier nachzulesen):

Dieses Jahr ist es anders. Vielleicht liegt die Ursache darin, dass alles Beten nicht geholfen hat. Dass die Straßenkatze, von der ich hier berichtet habe, bei der Operation verstorben ist. Die Ärzte waren entsetzt. Der Tod ließ ihnen keine Ruhe. Sie röntgten Belas Überreste. Und stellten fest, dass sie zehn Schrotkugeln in sich trug – eine am Magen.

Als ich vergangene Woche über ihr Schicksal schrieb, glaubte ich, ich trage Mitschuld — weil ich einer KI vertraut hatte statt meiner Frau. Jetzt weiß ich: Bela hätte keine Chance gehabt, auch wenn sie früher operiert worden wäre. Zehn Schrotkugeln. Das war zu viel.

So ist sie ohne Schmerzen gestorben und aus der Operation nicht mehr aufgewacht.

Neben der Trauer habe ich höchsten Respekt für Bela. Wie sich diese arme Katze quälen musste. Vielleicht jahrelang. Und wie sie trotzdem weitergemacht hat. Jeden Tag, ohne Klage, ohne die Möglichkeit, jemandem zu erklären, was ihr angetan wurde, welche Schmerzen sie hat. Wie sie trotzdem wieder Vertrauen zu Menschen finden konnte.

Ein Dach über dem Kopf

Wenigstens hatte Bela im letzten Lebensjahr eine Familie. Menschen, die sie gesehen haben. Das ist vielleicht das Einzige, was wir einander geben können: gesehen werden, bevor es zu spät ist.

Ich bin sicher – Bela sitzt jetzt irgendwo da oben und lächelt.

Deshalb – trotz allem: Frohe Ostern.

PS: Ich erfuhr das von den Schrotkugeln nicht in der Klinik. Ich erfuhr es Tage später — zufällig, beim Einkaufen, als mich die Operateurin ansprach. Sie sagte, der Tod Belas habe ihr und ihrem Team keine Ruhe gelassen. Sie erzählte, wie sie deshalb Belas Körper weiter untersuchten. Und dann die Kugeln entdeckten. „Bela ist nicht mehr aus der Narkose aufgewacht, es war ein schmerzfreier Tod“, sagte sie – und kämpfte mit den Tränen. Ich auch.

Bild: br