Regierungsversagen an der Intensivfront? Jeder dritte Intensivpfleger will Beruf aufgeben Schon 2018 "Notfallversorgung beeinträchtigt"

Unglaublich: Während die Bundesregierung gefühlt einen Großteil ihrer Energie in Sachen Corona-Bekämpfung darauf verwendet, immer neue Einschränkungen für die Bürger einzuführen und die Grundrechte noch weiter einzuschränken, droht an einer anderen Front eine Katastrophe. Weil sich die Arbeitsbelastung auf den Intensivstationen während der Corona-Krise massiv erhöht hat, droht nun eine Kündigungswelle. Nach einer Onlineumfrage der Deutschen Gesellschaft für Internistische Intensivmedizin und Notfallmedizin (DGIIN) gibt ein Drittel der Befragten an, den Beruf in den nächsten zwölf Monaten verlassen zu wollen – drei Viertel davon aufgrund der Belastungen durch die Corona-Pandemie. Die Umfrage wurde zwischen dem 5. April 2021 und dem 16. April 2021 durchgeführt. Die DGIIN schreibt: „Die Ergebnisse der Umfrage zeigen eine dramatische Entwicklung in der Intensivpflege in Deutschland auf – eine Entwicklung, die die gesamte Krankenhausstruktur in Deutschland in den kommenden Jahren nachhaltig verändern wird.“

Heikel: Am Donnerstag hatte ein Intensivpfleger auf der Bundespressekonferenz die Politik von Gesundheitsminister Jens Spahn im Bereich Intensivmedizin regelrecht zerlegt (siehe hier). So erzählte er etwa, dass er den von der Politik so gepriesenen „Pflegebonus“ gar nicht erhalten habe, weil er, wie viele seiner Kollegen, bei einer Zeitarbeitsfirma beschäftigt ist. Tausende Mitarbeiter des Deutschen Bundestags haben indes im Gegensatz zu dem Intensivpfleger einen Corona-Bonus erhalten. „Die Pflege arbeitet seit vielen Jahren schon am Limit, aber leider hat es bislang in diesem Umfang niemanden interessiert“, sagte der Intensivpfleger: „Das ist ja nicht eine Debatte, die wir erst jetzt führen, also wir führen sie erst jetzt, wir hätten sie aber schon vor drei, vier, fünf Jahren führen sollen. Und hätte man früher gehandelt, und hätte man den Personalmangel früher ernst genommen, dann hätten wir heute eine deutlich entspanntere Situation, weil wir eben viel mehr Betten hätten belegen, aber auch betreuen können.“

Gretchenfrage: Aktuell werden Milliarden in alle möglichen Bereiche gepumpt, vor allem, um die Auswirkungen der Corona-Maßnahmen zumindest halbwegs zu lindern. Warum kann nicht ein Bruchteil dieses Geldes in die Pflege gehen? Also dahin, wo sich alles entscheidet? Warum wird nicht zumindest alles getan, um die überlasteten Kräfte an vorderster Front zumindest materiell so weit wie irgend möglich zu entlasten? Wie kann es sein, dass in Zeiten, in denen Mitarbeiter dieser Branche eigentlich mit Gold aufgewogen werden müssten, sie – wie der erwähnte Intensivpfleger – nicht einmal den versprochenen Bonus erhalten?

Besonders brisant: Recherchiert man im Internet zu diesem Thema, kommt man auf Beiträge wie diesen aus dem Ärzteblatt: „Schon heute sind in zahlreichen Krankenhäusern Intensivbetten gesperrt, weil es zu wenig Pflegekräfte gibt. Eine Umfrage unter Intensivpflegern zeigt nun, dass sich die Situation in den nächsten Jahren weiter zuspitzen wird. Um den Status der intensivmedizinischen Versorgung zu halten, sind grundlegende Änderungen notwendig.“ Weiter heißt es dort: „Der Mangel an Pflegepersonal in der Intensivmedizin nimmt immer deutlichere Ausmaße an. Bereits jetzt kommt es in Spitzenzeiten wie der Grippewelle 2017/2018 zu Einschränkungen in der Notfallversorgung der Bevölkerung. Doch auch der Normalbetrieb ist in vielen Intensivstationen angesichts des Personalmangels häufig nicht mehr aufrechtzuerhalten, sodass vielfach Intensivbetten gesperrt werden müssen. Eine 2018 durchgeführte Erhebung hat gezeigt, dass in den teilnehmenden Krankenhäusern mindestens ein bis zwei Betten pro Intensivstation gesperrt sind. Insgesamt 82 Prozent aller befragten Intensivmediziner gaben an, dass dadurch die Notfallversorgung beeinträchtigt sei … Auf die Frage nach einer generellen Unzufriedenheit im Beruf antworteten 68 Prozent mit einem ‚Ja‘. Eine Verschlechterung der Arbeitsbedingungen in den letzten Jahren empfanden 97 Prozent der Befragten. 94 Prozent gaben an, dass das ökonomische Interesse bei der Versorgung im Vordergrund stehe.“ Und: Dieser Text stammt nicht etwa aus dem Frühjahr 2021, sondern aus dem Jahr 2019. Jens Spahn ist seit dem 14. März 2018 Bundesminister für Gesundheit.

Problematisch: Hier drängt sich geradezu die Frage auf, was davon zu halten ist, wenn Politiker jahrelang nichts gegen massive Überlastungen der Intensivmedizin unternehmen. Und dann unter dem Hinweis auf diese Überlastung die Grundrechte der Menschen massiv einschränken und bisher in einem demokratischen System in Friedenszeiten nie gekannte freiheitsentziehende Maßnahmen durchsetzen. Wenn man dies mit der Logik der Befürworter eines harten Corona-Kurses noch mit Gefahr im Verzug begründen könnte, müssten auch diese nicht um die Frage herumkommen, wie die Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen werden sollen. Dass diejenigen, die eine ganz wesentliche Verantwortung für die Misere haben, jetzt bei der Bekämpfung derselben federführend agieren, entbehrt nicht einer gewissen Tragikomik – ist angesichts der dramatischen Folgen aber nur zum Weinen und nicht zum Lachen.

 

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Bild: Shutterstock
Text: red

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