RKI-Erhebungen widerlegen das Pandemie-Narrativ Weit weniger Atemwegserkrankungen in den Corona-Jahren

Ein Gastbeitrag des „Subjektiven Studenten“

Mitte März 2022. Seit mehr als zwei Jahren beherrscht das Corona-Virus weite Teile des öffentlichen Diskurses. Noch immer beeinflussen die getroffenen Maßnahmen das Leben der Menschen massiv und ein Ende scheint nicht wirklich in Sicht. Für den 20. März 2022 war zwar eine Art „Freedom Day“ angedacht, und viele noch bestehende Einschränkungen wie 3G in der Gastronomie oder auch das verpflichtende Tragen der Maske im Einzelhandel sollten eigentlich wegfallen. In der Politik und auch in weiten Teilen der Medien meldete sich jedoch Widerstand. Mit Verweis auf die steigenden Infektionszahlen und Rekordinzidenzen planen viele Bundesländer, die bestehenden Maßnahmen vorerst zu verlängern, wie die Tagesschau berichtete.

Zum Vergleich: Vor weniger als zehn Monaten wurde letzten Sommer schon bei einer Inzidenz von 50 das Leben massiv eingeschränkt. So berichtete der WDR am Donnerstag, dem 29.7.2021 noch:

„Stufe 3 gilt für Kommunen mit einer stabilen 7-Tage-Inzidenz von mehr als 50. Eigentlich durften sich bei Stufe 3 nur noch zwei Haushalte im öffentlichen Raum treffen, Restaurants konnten lediglich ihre Außenbereiche öffnen – und auch das nur noch für Getestete, Genesene und Geimpfte.“

Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung dieses Artikels liegt die aktuelle Inzidenz also bei mehr als dem 20-fachen der damaligen Inzidenz für die „Stufe 3“, in der es verboten war, sich mit drei Haushalten draußen zu treffen. So scheint es zunächst mehr als einleuchtend, dass in der aktuellen Lage an eine weitgehende Öffnung nicht mehr zu denken sein kann. Oder wem käme noch die Idee, doch lockern zu wollen?

Unter anderem dem Autor dieses Artikels, der andere Daten für wesentlich aussagekräftiger hält als die viel zitierte Inzidenz. Daten aus Erhebungen, die methodisch nicht die Schwächen der Inzidenzbestimmung aufweisen. Die Verzerrungen bei letzterer sind vielfältig (Anzahl der Tests, Veränderungen der PCR-Tests, Präselektion durch Schnelltests usw.) und sollen hier nicht weiter erläutert werden.

Was, wenn es Datensätze gäbe, die weitgehend frei von Verzerrungen Informationen über Atemwegserkrankungen in der Bevölkerung geben – und dies schon während der ganzen „Pandemie“?  Im Folgenden aufgezeigt wird eine Erhebung des RKI, die in der Vergangenheit so gut wie keine Aufmerksamkeit bekommen hat, jedoch deutlich weniger methodische Schwachpunkte aufweisen dürfte als die Inzidenzbestimmung und sich daher ideal eignen sollte, die klinische Situation abzubilden (freilich eignet sie sich „leider“ weniger gut, einschneidende Maßnahmen zu begründen). Aber entscheiden Sie selbst:

„GrippeWeb“ ist ein Projekt des Robert Koch-Instituts und beobachtet seit 2011 die Aktivität akuter Atemwegserkrankungen in Deutschland. Über 8.000 registrierte, freiwillige Teilnehmer des „GrippeWeb“ geben regelmäßig über folgendes Fenster an, ob in der vergangenen Woche eine Atemwegserkrankung neu aufgetreten ist:

Quelle: grippeweb.rki.de nach Anmeldung

Auf Grundlage der eingegangenen Meldungen tausender Bürgerinnen und Bürger berechnet das GrippeWeb-Team dann die geschätzte ARE-Rate – also die aktuell geschätzte Rate an Menschen in diesem Land mit einer akuten Atemwegserkrankung. Veröffentlicht wird die ARE-Rate regelmäßig in dem ARE-Wochenbericht des RKI.

Als anschauliches Beispiel: Berichtet diese Woche ein höherer Anteil der Befragten von dem Einsetzen einer Atemwegserkrankung als in der Vorwoche, steigt die ARE-Rate, ist der Anteil geringer, so sinkt auch die ARE-Rate. Es steht zu vermuten, dass kraft Angabe des Alters und des Geschlechts beim Registrieren die Daten um Verzerrungen (bspw. mehr männliche o. mehr jüngere Berichtende) bereinigt werden, um so noch repräsentativere und aussagekräftigere Einschätzungen geben zu können.

Schauen wir zum Vergleich einmal auf andere mögliche Indikatoren des Krankheitsgeschehens: Gerade in einer ausgerufenen Pandemie kann es dabei zu unterschiedlichsten Verzerrungen kommen. So können Menschen den Arzt meiden, weshalb Daten zu Arztkonsultationen nicht aussagekräftig sein müssen. Eventuell ist man auch in einer ausgerufenen Pandemie etwas sensibler und sucht schneller ein Krankenhaus auf bei einer an sich normalen Atemwegserkrankung als vor dem Ausrufen der Pandemie, wo man den starken Husten vielleicht allein (oder im Pflegeheim verweilend) auskuriert hätte. All diese Aspekte können den Vergleich von Daten aus der „Pandemiezeit“ zu bisher geführten Statistiken durchaus in Frage stellen.

Die Methode des „GrippeWeb“ hingegen weist diese Verzerrungen nicht auf und dürfte nach Meinung des Autors von der Methodik her eine der besten Erhebungen zu sein, um die klinische Situation des Landes in Bezug auf Atemwegserkrankungen abzubilden. Umso schlimmer, dass sie selbst nach mehr als zwei Jahren „Pandemie“ den meisten Bürgern noch unbekannt sein dürfte (bis jetzt!) und von Journalisten und Ärzten nach Wissen des Autors nie ins (gebührende?) Rampenlicht gerückt wurde.

Wie sieht die aktuelle Lage in Bezug auf Atemwegserkrankungen also genau aus, gemäß „GrippeWeb“? Um es zuvor nochmal ins Gedächtnis zu rufen: Aktuell fürchten sich viele Journalisten und auch Politiker vor den geplanten Öffnungen. Die Infektionen wären viel zu hoch, die Lage zu unsicher und insgesamt wäre der Schritt einfach zu verfrüht. Die Freiheit muss eben warten, wenn die respiratorische Gesundheit auf dem Spiel steht. Also? Schauen Sie selbst:

Quelle: ARE-Wochenbericht für die Kalenderwoche 9, S. 2

Jede einzelne Linie gibt für eine jahresübergreifende Wintersaison die dazugehörige geschätzte ARE-Rate wieder. Die rote Linie stellt die aktuelle Saison 2021/22 dar und liegt aktuell bei knapp unter 6 Prozent. Ist das viel oder wenig? Nun: Die Jahre 2018 (grau), 2019 (hellblau) und 2020 (dunkelblau) wiesen in der gleichen Kalenderwoche durchweg höhere ARE-Raten auf.

Mit anderen Worten: In den zwei Jahren vor der Pandemie litten mehr Menschen zur selben Zeit geschätzt häufiger an Atemwegserkrankungen als aktuell in einer Pandemie mit mehr als 150.000 Neuinfektionen pro Tag und einer Inzidenz von über 1.000.

Nochmal: In den zwei Jahren vor der Pandemie litten mehr Menschen zur selben Zeit geschätzt häufiger an Atemwegserkrankungen als aktuell in einer Pandemie mit mehr als 150.000 Neuinfektionen pro Tag und einer Inzidenz von über 1.000.

So wie jede Erhebung hat auch die gemäß „GrippeWeb“ sicherlich ihre Schwächen, jedoch hält das RKI die Daten für valide und für repräsentativ, sonst würde das RKI diese wohl nicht seit über 10 Jahren regelmäßig veröffentlichen. Stimmt man aber der Aussage dieser Erhebung zu, so muss man konstatieren, dass die klinische Lage keinerlei Einschränkungen rechtfertigt.

Ob der Begriff „Skandal“ hier gerechtfertigt ist, muss jeder Bürger für sich entscheiden. Die Zahlen sprechen eine klare Sprache.

Vielleicht kann ein Fokus auf solche, Teststrategie-unabhängigen Parameter helfen, vielen besorgten Journalisten, Politikern und Bürgern die Angst zu nehmen und so einer freieren Gesellschaft mit weniger Zwangsmaßnahmen den Weg bereiten. Ich hoffe es.

Diejenigen, die selbst wenig haben, bitte ich ausdrücklich darum, das Wenige zu behalten. Umso mehr freut mich Unterstützung von allen, denen sie nicht weh tut!

Gastbeiträge geben immer die Meinung des Autors wieder, nicht meine. Und ich bin der Ansicht, dass gerade Beiträge von streitbaren Autoren für die Diskussion und die Demokratie besonders wertvoll sind. Ich schätze meine Leser als erwachsene Menschen, und will ihnen unterschiedliche Blickwinkel bieten, damit sie sich selbst eine Meinung bilden können.

Der subjektive Student, Jahrgang 1996, wurde im Ruhrgebiet geboren. Er studiert aktuell und hat in der Corona-Krise aus einem persönlichen Leidensdruck heraus begonnen, seine eigene Sicht auf die „Pandemie“ auf seinem YouTube- und Telegram-Kanal mit anderen zu teilen. Als Teil der Gegenbewegung in der Corona-Krise versucht er, sowohl durch inhaltliche Aufklärung, als auch durch seine Betonung auf die eigene subjektive Sicht der Dinge und die Unsicherheit des eigenen Wissens den Debattenraum insgesamt demütiger zu machen und so positiv zu beeinflussen. „Alles ist Vermutung“, wie der bekannte Philosoph Karl Popper es ausdrückte.

Bild: Shutterstock
Text: Gast

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