Deutsche Corona-Apokalyptiker wettern gegen Dänemark Angeblich so viele Tote wie nie – aber die meisten „mit“ und nicht „an“ Corona

Von Alexander Wallasch

Wahrscheinlich liegt’s am Klimawandel, wahlweise sind die Russen schuld oder der hohe Fleischkonsum. Ja, man könnte regelrecht sarkastisch werden angesichts von Medienmeldungen wie diesen: „Dänen erklären Corona für beendet. Jetzt melden sie so viele Tote wie noch nie.“

Zunächst einmal warnt diese absurde Focus-Headline die Deutschen davor, denselben Fehler zu machen, wie das leichtsinnige Dänemark. Leider wurde in der Redaktion das logische Denken vorübergehend ausgeschaltet: Das Naheliegende wird zum großen rosa Elefanten, der mitten im Raum steht und den trotzdem niemand sieht.

Denn weiter heißt es da, dass die Zahlen der Neuinfektionen zwar gesunken, aber die Todeszahlen in Dänemark so hoch seien wie nie zuvor in der Pandemie. Das wäre ein „gegenläufiger Trend“, so die Online-Zeitung. Im dazugehörigen Videobeitrag ist hier sogar von einem „gefährlichen Trend“ die Rede.

Aber was empfiehlt der gesunde Menschenverstand, um dieses Paradoxon aufzulösen? Ganz einfach: Der Journalist sollte recherchieren, was hier die Ursachen für die hohe Sterblichkeit sein könnten, wenn es nicht an Corona liegt.

Und was da relevant sein könnte, liefert der Focus sogar mit: Das Magazin findet es offensichtlich zu schockierend, das Naheliegende mitzudenken. Im weiteren Verlauf des Artikels wird nämlich von einer mustergültigen dänischen Impfbereitschaft berichtet: „Mehr als 81 Prozent sind zweifach geimpft, mehr als 60 Prozent zudem geboostert.“

Aber anstatt jetzt die Kühnheit aufzubringen, einen möglichen Zusammenhang zwischen hoher Impfquote und hoher Sterblichkeit herzustellen, heißt es lapidar: „Erklären lässt sich diese Tatsache […] mit der relativ hohen Impfquote.“

Allerdings sind die Neuinfektionen in Deutschland nicht automatisch mit der Impfquote gesunken. Im Gegenteil: Unter der Omikron-Variante gab es die höchsten Inzidenzen bei einer niedrigen Hospitalisierung.

Die dänische Regierungschefin Mette Frederiksen hatte am 1. Februar 2022 das Ende fast aller Maßnahmen ausgerufen. Seitdem sind die Neuinfektionen (mehrheitlich die Omikron-Variante) im Land quasi durchgehend gesunken.

Wichtig ist hier der Zusammenhang zwischen Todesfällen und Hospitalisierungen. Die Krankenhauseinweisungen sind nämlich in Dänemark zuletzt sogar zurückgegangen. Am gestrigen Freitag um 26 Personen.

Und ebenfalls gestern waren offiziell 1.541 Dänen mit oder wegen Corona im Krankenhaus. Aber ein verschwindend geringer Anteil von 28 Personen lag auf der Intensivstation, und von diesen 28 wiederum waren in ganz Dänemark gerade einmal acht Personen an Beatmungsmaschinen angeschlossen.

Aber kommen wir zurück zu den Todesfällen. 27 Personen sind am gestrigen Freitag in Dänemark verstorben und haben Eingang gefunden in die Zählung der COVID-19-Sterbefälle.

Es stirbt also bei weitem nicht jeder an der Beatmungsmaschine. Nein, offensichtlich sterben die meisten nicht einmal an Corona, sondern an allen anderen tödlichen Krankheiten oder schlicht an etwas, was man früher Altersschwäche nannte. Denn zur Erläuterung heißt es in den dänischen Covid-Statistiken unmissverständlich: „COVID-19 ist nicht unbedingt die Todesursache.“

Dazu befragen wir einen hochrangigen deutschen Ärztekammer-Funktionär, der anonym bleiben will und von einer Umkehr auch in deutschen Kliniken spricht, von vielen Gesprächen mit Klinikärzten, die bestätigen: Es sterben heute deutlich mehr Patienten „mit“ als „an“ Corona.

Aber wozu dann der diese Daten verfälschende Alarmismus des eingangs erwähnten Focus? Hier stehen die Altmedien der Politik zu Diensten. Mediales Wassertragen für Lauterbach, Drosten und Co.

Lauterbach hatte zuletzt eindringlich einen deutschen Sonderweg angemahnt: „Die Lage ist objektiv viel schlechter als die Stimmung.“ Geradezu grotesk, wie der Gesundheitsminister hier den Begriff „Stimmungs-Lage“ mit dem Schwert des Apokalyptikers versucht, in zwei Teile zu zerschlagen. Karl Lauterbach als mittelalterlicher Kanzelprediger, der gut von der Angst der Menschen lebt, die er selber zuvor geschürt hatte.

Kommen wir zuletzt noch zum Chefberater der Bundesregierung in Corona-Fragen, zu Christian Drosten. Der nämlich hatte bezogen auf den deutschen Sonderweg in etwa geäußert, dass Omikron in jedem Land anders wirken würde. Medien, Politik und Wissenschaft arbeiten gemeinsam an einem Kartenhaus mit nur einem Ziel:

Deutschland darf ums Verrecken nicht aus den Corona-Maßnahmen aussteigen wie viele andere europäischen Länder. Der deutsche Sonderweg soll Instrument der Einschränkung der persönlichen Freiheit der Menschen bleiben. Was das bedeutet, erzählt die Geschichte. Und wie damit heute im Zweifel umzugehen ist, haben die Väter des Grundgesetzes explizit in selbiges eingeschrieben.

Diejenigen, die selbst wenig haben, bitte ich ausdrücklich darum, das Wenige zu behalten. Umso mehr freut mich Unterstützung von allen, denen sie nicht weh tut!

Namentlich gekennzeichnete Beiträge geben immer die Meinung des Autors wieder, nicht meine.

Alexander Wallasch ist gebürtiger Braunschweiger. Er schrieb schon früh und regelmäßig Kolumnen für Szene-Magazine. Wallasch war 14 Jahre als Texter für eine Agentur für Automotive tätig – zuletzt u. a. als Cheftexter für ein Volkswagen-Magazin. Über „Deutscher Sohn“, den Afghanistan-Heimkehrerroman von Alexander Wallasch (mit Ingo Niermann), schrieb die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung: „Das Ergebnis ist eine streng gefügte Prosa, die das kosmopolitische Erbe der Klassik neu durchdenkt. Ein glasklarer Antihysterisierungsroman, unterwegs im deutschen Verdrängten.“

Bild: Shutterstock
Text: wal

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