RKI: Wirksamkeit der Impfstoffe sinkt um 5 Prozentpunkte Erstmals über 10.000 Impfdurchbrüche innerhalb von 7 Tagen

Von Gregor Amelung

Zur Jahreswende 2020/21 überschlugen sich die Meldungen über die hohe Wirksamkeit der Corona-Vakzine. So hieß es bei Tagesschau.de zum Impfstoff von BioNTech „Wirksamkeit von rund 95 Prozent“ (20.11.2020), „95 Prozent Wirksamkeit“ (29.01.2021), „verhindert … zu 95,8 Prozent eine Erkrankung an Covid-19“ (21.02.2021). Noch standfester als bei der ARD war die 95iger Marke beim ZDF. Dort hieß es: „BioNTech-Impfstoff zu 96 Prozent wirksam“ (20.02.2021).

Hohe Wirksamkeit „bekräftigt“

Danach bröckelte die 95 etwas (Reitschuster.de berichtete hier). Am 29. März las man auf Tagesschau.de ohne Einordnung zu den Meldungen von zuvor allerdings erneut von einer Wirksamkeit. Diesmal waren es 89,4 Prozent bezüglich der „Übertragung von Sars-Cov-2“ und 93,7 Prozent bei symptomatischen Fällen. Eingeleitet wurde der Artikel damals mit der Feststellung: „Eine neue Studie aus den USA bekräftigt eine hohe Wirksamkeit von bestimmten Corona-Impfstoffen auch gegen Infektionen ohne Symptome.“

Dazu schrieb der Autor dieser Zeilen am 30. Mai: „Damit man in Zukunft von Tagesschau.de darüber informiert wird, dass die Wirksamkeit des BioNTech-Vakzins abermals in einer Studie ‚bekräftigt‘ worden ist und dass sie aktuell bei 83 oder 78 Prozent liegt, muss möglicherweise nur ein bisschen Zeit vergehen. Zeit, in der die Zweitgeimpften Erfahrung mit dem Virus sammeln.“

Nur 77 Prozent Impfeffektivität bei 60plus

Vier Monate später kam nun der aktuelle Wochenbericht des RKI heraus. In ihm heißt es, dass das Robert Koch-Institut seit der 5. Kalenderwoche 67.661 sogenannter „wahrscheinlicher Impfdurchbrüche“ registriert hat. Damit meldeten die Berliner das erste Mal mehr als zehntausend Impfdurchbrüche (10.824) innerhalb von 7 Tagen (d.h. im Vergleich zum Bericht der Vorwoche). Weiter heißt es im aktuellen Wochenbericht: „Für den Zeitraum der letzten vier Wochen (36. bis 39. KW) liegt die geschätzte Impfeffektivität für die Altersgruppe 18-59 Jahre bei ca. 80% und für die Altersgruppe ≥60 Jahre bei ca. 77%.“

Davon erfuhr man bei Tagesschau.de allerdings nichts. Die letzte Prozentzahl zur „Impfeffektivität“ stammt dort vom 14. August und sie findet sich im Nebensatz eines Artikels mit der Überschrift „Weshalb manche trotz Impfung erkranken“. Weiter heißt es dort: Das RKI „geht aktuell von einer Impfeffektivität von 87 Prozent bei allen Altersgruppen über 18 Jahren aus“. Dabei hatte man allerdings einen wichtigen Teil unter den Tisch fallen lassen: den Zeitraum. Denn das RKI hatte in seinem Wochenbericht vom 12. August die „geschätzte Impfeffektivität“ lediglich „für den Zeitraum 01.02. bis 08.08.2021“ ausgewiesen. Also nicht aktuell, nicht für die letzten Wochen oder den vergangenen Monat.

„Geschätzte Impfeffektivität“ sinkt um 5 Prozentpunkte

Als das RKI das erste Mal die „geschätzte Impfeffektivität“ eher aktuell für die „letzten vier Wochen“ am 2. September angegeben hatte, war es auf folgende Zahlen gekommen: ca. 84 Prozent für die Altersgruppe 18 bis 59 Jahre und ca. 83 Prozent für die Gruppe 60plus.

Ausschnitt aus dem Wochenbericht des RKI vom 2. September 2021 (Seite 20)

Fünf Wochen später, also jetzt aktuell lauten die Zahlen: ca. 80 Prozent  für die Altersgruppe 18 bis 59 Jahre und ca. 77 Prozent für die Gruppe 60plus.

Ausschnitt aus dem Wochenbericht des RKI vom 7. Oktober 2021 (Seite 20)

Das entspricht einem Minus von 4 Prozentpunkten in der Altersgruppe 18 bis 59 Jahre und 6 Prozentpunkten in der vulnerablen Gruppe 60plus. Und auch in der trägeren, weil zeitlich weiter gefassten Schätzung der Impfeffektivität über den Zeitraum ab der 5. Kalenderwoche bildet sich dieser Rückgang ab. So gab das RKI die Impfeffektivität in diesem Zeitfenster in seinem Wochenbericht vom 5. August 2021 noch wie folgt an: Ca. 88 Prozent Impfeffektivität für die Altersgruppe 18 bis 59 Jahre und ca. 87 Prozent für die Gruppe 60plus.

Aktuell lauten die Zahlen hier ca. 83 Prozent (18 bis 59 Jahre) und ca. 82 Prozent (60plus), was einer Abnahme von 5 Prozentpunkten entspricht. Insofern kann man ausschließen, dass die nun augenfällig gewordene Abnahme der Wirksamkeit ein Einmaleffekt wäre, hervorgerufen durch irgendetwas ganz Spezielles, das nur der fachmännischste aller Fachmänner beurteilen könnte.

Negativer Trend setzt sich fort

Darüber hinaus folgt die Abnahme der „geschätzten Impfeffektivität“ beim RKI seit Wochen bzw. Monaten einem negativen Trend. Der lässt sich recht gut in der Gruppe der Menschen ablesen, die 60 Jahre oder älter sind. Denn diese Gruppe ist nahezu stabil durchgeimpft. Ihre Impfquote lag Mitte Juli bei mindestens 72,7 Prozent (Ende 27 KW). Aktuell sind es laut RKI 80 bis 85 Prozent (wörtlich: „…in der älteren Bevölkerung (60+ Jahre) [sind] nur etwa 15% noch gar nicht und bereits 80% vollständig geimpft…“).

Weitere Konstanz ergibt sich daraus, dass die Differenz (7,3 Prozent bzw. 12,3 Prozent) in dem Zeitraum (KW 27 bis KW 39) bereits den eingeschränkten Impfschutz nach der 1. Dosis bzw. 2. Dosis hatte (das 1-Dosis-Vakzin von Janssen kann man hier vernachlässigen, da es in Deutschland eher selten verabreicht wird).

Die grau markierte Fläche ist der Zeitraum des nahezu konstanten Impfschutzes (Quelle:
RKI Wochenberichte, Situationsberichte)

Trotz des nahezu konstanten Impfschutzes ist der Anteil der „wahrscheinlichen Impfdurchbrüche“ an den „symptomatischen Covid-19-Fälle“ in der Gruppe 60plus laut RKI von niedrigen 27,5 Prozent auf aktuell 52,6 Prozent angestiegen.

Das entspricht nahezu einer Verdopplung innerhalb von nur 10 Wochen.

2G-Regel und die Impfung von Kindern und Jugendlichen

Die deutliche Veränderung in der Impfeffektivität bzw. Impfstoffwirksamkeit ist eigentlich nicht nur wichtig für die Begründung der 2G-Regeln, sondern auch für die fast schon wieder in Vergessenheit geratene Impfung von Kindern und Jugendlichen. Denn die öffentliche Debatte darüber wurde im Sommer noch mit der 95-prozentigen Wirksamkeit im Ohr geführt.

Nun sind die 95 Prozent vom Tisch und es ist ebenfalls klar, dass sich auch Geimpfte anstecken und das Virus übertragen können. Eigentlich ein guter Grund, um einmal in sich zu gehen, über den politischen Druck auf die STIKO (Ständige Impfkommission) nachzudenken und darüber, ob man Kinder und Jugendlich tatsächlich flächendeckend impfen muss, obwohl sie selbst nahezu nicht von Covid-19 betroffen sind. 

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Der Autor ist in der Medienbranche tätig und schreibt hier unter Pseudonym.

Bild: Shutterstock
Text: Gast

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