Sinneswandel im ÖRR? ZDF-Moderator zerlegt Lauterbach Peinlicher Auftritt des Gesundheitsministers im "Morgenmagazin"

Von Daniel Weinmann

Am 17. März beraten die Abgeordneten im Bundestag in erster Lesung über die allgemeine Impfpflicht gegen das Coronavirus. Auf dem Tisch liegen derzeit fünf verschiedene Entwürfe. Fast paradox: Nur drei Tage später soll eine Reihe von Corona-Maßnahmen wegfallen.

Nicht nur Impf-Apologeten fragen sich, ob es vor diesem Hintergrund überhaupt noch einer Impfpflicht ab 18 Jahren bedarf. Für Karl Lauterbach lautet die Antwort uneingeschränkt „Ja“. Bei der Impfpflicht sei es nie darum gegangen, die Omikron-Welle zu bekämpfen, sagte der Bundesgesundheitsminister im „ZDF-Morgenmagazin“. Es gehe vielmehr um das, was uns im Herbst erwarten kann, nämlich neue und möglicherweise gefährlichere Coronavirus-Varianten, sagte der SPD-Politiker in seinem ureigenen Stil des ewigen Mahners.

So weit, so alltäglich. Doch dann geschieht etwas, was man so im öffentlich-rechtlichen Fernsehen seit Ausbruch der Coronakrise noch nicht erlebt hat. Moderator Andreas Wunn nimmt Lauterbach in die Zange. „Sie scheinen ja manchmal drastisch übers Ziel hinauszuschießen“, so der TV-Journalist – und zählt Beispiele auf: „Sie haben von Gefahren und Erkrankungen bei Kindern gesprochen, die es in dem Ausmaß dann nicht gab. Sie sprachen von Mittvierzigern auf Intensivstationen, die dort aber eher die Ausnahme waren, warnten vor einer Gefährlichkeit von Omikron, die es dann auch so nicht gab. Warum immer wieder von Ihnen diese Ungenauigkeiten und Übertreibungen?“

Lauterbach will das so nicht auf sich sitzen lassen und wehrt ab: „Es sind keine Übertreibungen. Ich wehre mich auch gegen diese Darstellung. Es ist im Wesentlichen eine Darstellung, die der Berichterstattung der „Bild“-Zeitung folgt. Das muss man hier sagen. Ich habe zum Beispiel nicht flächendeckend vor Erkrankungen bei 40-Jährigen gewarnt. Ich habe auch nicht vor Erkrankungen von Kindern gewarnt, die es nicht gegeben hätte.“

«Ich nutze normalerweise realistische Szenarien»

Wunn unterbricht die Lauterbachschen Rechtfertigungen und verweist auf ein weiteres, vom ZDF recherchiertes Beispiel: „Sie haben zuletzt im Heute Journal von 500 Toten gesprochen, wenn es Lockerungen wie zum Beispiel in Israel geben würde. Wir hatten in Ihrem Ministerium nachgefragt, woher diese Zahlen kamen. Das konnte uns dort niemand sagen.“

Lauterbach versucht, sich wieder herauszureden. Die Zahl sei nicht falsch und er habe darauf hingewiesen, dass er selbst Berechnungen mit dem Modell des Robert Koch-Instituts gemacht habe: „Man kann einfach mit diesen Modellen auf der Grundlage der Inzidenzen hochrechnen, was das bedeutet.“ Es sei auch keine Raketenwissenschaft, so der Gesundheitsminister.

Seine Rückfrage an den Moderator ist bezeichnend für das intellektuelle Niveau Lauterbachs: „Wenn wir also eine Inzidenz gehabt hätten, die ungefähr zwei bis zweieinhalb Mal so hoch gewesen wäre. Was hätten Sie denn erwartet, was dann mit den Sterbefällen passiert?“ Er nutze „normalerweise realistische Szenarien“. Dabei spreche er sich sehr eng mit dem Expertenrat ab.

Bleibt zu hoffen, dass derlei Kritik im öffentlich-rechtlichen Fernsehen in Sachen Corona-Politik keine Ausnahme bleibt, sondern zur Regel wird. Umso mehr ist „Morgenmagazin“-Moderator Wunn zu wünschen, dass er seinen Job behält.

 

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Daniel Weinmann arbeitete viele Jahre als Redakteur bei einem der bekanntesten deutschen Medien. Er schreibt hier unter Pseudonym.

Bild: Shutterstock/Juergen Nowak
Text: dw

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