Spahn verspricht erneut Verzicht auf Impfpflicht – diesmal für Kinder Minister: "Schule vor allem ein Risiko für die Älteren"

Sehen Sie hier mein Video mit meinen Kommentaren von den beiden Bundespressekonferenzen heute.

Viele Eltern waren alarmiert durch die Nachricht: „Das Recht auf Bildung mit Kita- und Schulbesuch kann im Winter 2021/2022 nur mit einer rechtzeitigen COVID-19-Impfung gesichert werden“, heißt es in einem Beschluss des Ärztetages, der Hauptversammlung der Bundesärztekammer: „Die gleichberechtigte gesellschaftliche Teilhabe erlangen Familien nur mit geimpften Kindern zurück“. Die Versammlung forderte die Bundesregierung  deshalb auf, „unverzüglich eine COVID-19-Impfstrategie für Kinder und Jugendliche zu entwickeln und vor Einsetzen des Winters 2021/2022 umzusetzen“. Prompt gab es Protest aus der Ärzteschaft. „Wir müssen laut werden“, insistieren die „Ärzte für individuelle Impfentscheidung“ in Anspielung auf den Kollegen-Beschluss. „Der Deutsche Ärztetag hat in diesem Jahr einen in unseren Augen erschreckenden Beschluss gefasst“, konterte nun der Zusammenschluss, dessen Vorstand aus vier Fachärzten für Kinderheilkunde und Jugendmedizin besteht.

Jörg Dötsch, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ), mahnte gegenüber Focus Online: „Es muss also gewährleistet sein, dass das Risiko von Folgeschäden durch eine Impfung geringer ist als das Erkrankungsrisiko“. Daher sei eine noch intensivere Prüfung notwendig, die frei von politischem Druck erfolgen müsse, da es bei Kindern bekanntlich deutlich seltener als bei Erwachsenen zu schweren COVID-19-Verläufen kommt. „Kinder sind ohnehin schon die Leidtragenden der Pandemie, weil sie nicht zur Schule gehen können und durch Bestimmungen eingeschränkt sind, obwohl ihr Erkrankungsrisiko gering ist. Wir dürfen die Pandemie nicht weiter auf ihrem Rücken austragen“, sagte Dötsch zu Focus Online. Der Mediziner lehnt deshalb Erwägungen, künftig zum Beispiel Kinder ausschließlich zum Schutze der Erwachsenen zu impfen, kategorisch ab. „So etwas darf nicht passieren.“ Auch in Israel regt sich Widerstand gegen Impfungen bei Kindern. Wie die Welt schrieb, sprachen sich dort 93 Mediziner in einem offenen Brief gegen eine COVID-19-Impfung von Kindern aus. Es sei fraglich, ob Kinder überhaupt geimpft werden müssten, da schwere Krankheitsverläufe selten seien und die Sterblichkeitsrate fast gegen Null gehe.

Weil das Thema die Menschen so bewegt, fragte ich heute dazu Gesundheitsminister Jens Spahn. Ich wollte seine Meinung zu der Risiko-Nutzen-Abwägung bei Kindern wissen – und wie er zu den Aussagen des Ärztetages steht. Spahn antwortete auf die Frage nach der Abwägung in meinen Augen ausweichend. Auf die Frage, wie er den Eltern die Angst nehmen wolle angesichts des bereits hohen indirekten Impfdrucks, antwortete er: „Indem ich sage, dass es keine verpflichtende Impfung geben wird.“ Auf den Aspekt des indirekten Impfdrucks ging er nicht ein. Forschungsministerin Karliczek verwies in ihrer Antwort auf meine Frage unter anderem auf das Long-Covid-Syndrom. Aber auch hier ist umstritten, wie schwerwiegend dieses ist. Kinderärzte berichten, es sei „selten bis ganz selten“.

Lesen Sie hier im Stenogramm meine Fragen und die Antworten heute auf der Bundespressekonferenz. Oder schauen Sie sich meinen Video-Bericht an.

FRAGE REITSCHUSTER:
Herr Spahn, Kinderärzte warnen vor einer Notfallzulassung der Impfung für Kinder, sie sagen auch, man müsse aufpassen, dass man die Kinder nicht dafür impft, um die Erwachsenen schützen, weil das Risiko bei Kindern ja nicht so groß ist. Wie stehen Sie dazu und wie sind die Pläne, ggf. bei der Notfallzulassung? Danke.

SPAHN:
Übrigens, die europäische Lösung, kam mir gerade wieder, wurde auf einem Europäischen Rat sogar im Januar beschlossen und war der Startpunkt. Was die Frage Kinder und Jugendliche angeht, gibt es ja wieder zwei oder drei verschiedene Aspekte. Die erste ist die Frage der Zulassung. Und Biontech/Pfizer haben für die Europäische Union eine Zulassung beantragt, die keine Notfallzulassung wird, sondern wenn, dann die Zulassung wie wir sie schon kennen. Wir haben ja einen unterschiedlichen Ansatz als die Vereinigten Staaten in der Frage der Zulassung. Wenn es eine Zulassung geben sollte, wo wir Stand heute, denke ich, optimistisch sein können, aber man weiß nie, dann wird es ein Interesse an dieser Impfung geben bei den 12 bis 18-Jährigen, wie bei den Eltern. Am Ende ist es ja eine freiwillige Entscheidung. Eine freiwillige Entscheidung der Eltern und ab einem bestimmten Alter auch der Jugendlichen selbst, ob sie sich impfen lassen wollen oder nicht. Und dann auch eine Entscheidung, die man gemeinsam mit dem impfenden Arzt trifft. Das gilt aber für jede Impfung, egal ob ich 16 bin oder 60. Es ist eine individuelle Entscheidung ob, und es ist eine Entscheidung mit dem Arzt wann und wie. Hinzu kann kommen eine Empfehlung der ständigen Impfkommission, z.B. wann sie besonders angezeigt ist. Aber die Zulassung ist ja davon unberührt. Das sind zwei verschiedene Aspekte. Und ich nehme jedenfalls wahr, und ich glaub so ist die Debatte auch mit Blick auf Schulen…es geht hier nicht um Urlaub, wie ich heute morgen gelesen habe, es geht darum, dass wir in einer Pandemie sind. Und in einer Pandemie geht es um die Frage, ja wie ist der individuelle Schutz, aber natürlich auch, wie ist der Gruppenschutz und beide Argumente eine Rolle spielen in der Abwägung und wir gerade in dieser Pandemie erlebt haben, wie hart es ist für Kinder wie für Eltern, wenn Schule und die Aktivitäten miteinander nicht so stattfinden können, weil die Schule vor allem ein Risiko für die Älteren ist. Nämlich dadurch, dass in einer Drehscheibe sozusagen die Viren dann in alle Familien getragen werden. Und all diese Aspekte spielen eine Rolle. Mir ist nur eins wichtig: Es bleibt natürlich unbedingt bei einer freiwilligen Impfung. Es ist eine Entscheidung der Eltern mit den Kindern und den Ärzten. Wenn es eine entsprechende Zulassung gibt und entsprechende Empfehlung zum Impfen, fließen die dann da mit ein. Aber die Entscheidung bleibt trotzdem bei den Eltern und den Kindern.

ZUSATZFRAGE REITSCHUSTER:
Sehr viele Eltern haben Angst, dass es nicht bei dieser Freiwilligkeit bleibt. Sie sagen, auch bei den Erwachsenen gäbe es einen hohen indirekten Impfdruck und wie der Ärztetag hat ja schon gesagt hat: Bildung nur noch bei Impfung garantiert von Kindern. Wie wollen sie den Eltern diese Angst nehmen?

SPAHN: Indem ich sage, dass es keine verpflichtende Impfung geben wird.

KARLICZEK: Ich würde das gerne nochmal unter einem Punkt ergänzen. Wir kriegen jetzt dann hoffentlich bald die Impfmöglichkeit für 12 bis 15-Jährige. Und wir wissen, dass die Studien für die Kleineren noch länger dauern. Und auch unter diesem Gesichtspunkt möchte ich sehr dafür werben. Denn ein wichtiger Punkt ist ja, dass er auch weitestgehend vor Infektionen schützt. Und da natürlich die älteren Kinder dann häufig auch noch jüngere Geschwister haben, ist das in Griff kriegen einer Pandemie natürlich gerade dort gegeben oder ist viel schwieriger, wenn eben wenig junge Menschen sich impfen lassen. Also je mehr Menschen sich impfen lassen, je besser schützen wir die, die wir auch noch nicht impfen können. Und das ist natürlich für die Fragen, wie viel Schulbetrieb ist denn unter ganz normalen Bedingungen oder unter relativ normalen Bedingungen ab dem Herbst möglich, ein ganz, ganz wesentlicher Punkt. Und das müssen wir, glaube ich, viel deutlicher sagen. Und ein zweiter Punkt ist, Long-Covid kann auch junge Menschen betreffen und man weiß es noch nicht. Wir werden demnächst uns nochmal explizit mit einer Förderung beschäftigen, um Long-Covid nochmal besser zu entschlüsseln, worauf es zurückzuführen ist. Aber auch die Erkenntnisse dauern natürlich seine Zeit. Und jeder, der sich ansteckt, ist potentiell auch jemand, der langfristig Schäden davon trägt. Insofern kann man unter normalen Umständen das Impfen sehr empfehlen.

 

Diejenigen, die selbst wenig haben, bitte ich ausdrücklich darum, das Wenige zu behalten. Umso mehr freut mich Unterstützung von allen, denen sie nicht weh tut!

[themoneytizer id=“57085-3″]

Bild: Shutterstock
Text: br

[themoneytizer id=“57085-2″]

[themoneytizer id=“57085-1″]

Wer die Wahrheit sagt, braucht ein schnelles Pferd, besagt ein chinesisches Sprichwort. In Deutschland 2021 braucht man dafür eher einen guten Anwalt.

Meine Seite, erst im Dezember 2019 gestartet, hatte allein im Mai 2021  17,5 Millionen Klicks. Und sie hat mächtige Feinde. ARD-Chef-“Faktenfinder” Gensing hat mich verklagt. Immer wieder gibt es Abmahnungen, etwa von linken Aktivisten. Ihre Hilfe ist deshalb besonders wertvoll! Mit jedem Euro setzen Sie ein Zeichen, ärgern gebühren-gepolsterte “Haltungs-Journalisten” und leisten einen wichtigen Beitrag, Journalismus ohne Belehrung und ohne Ideologie zu fördern – und millionenfach zu verbreiten. Ganz herzlichen Dank!


Meine neue Bankverbindung: Bankhaus Bauer, DE70 6003 0100 0012 5710 24, BIC: BHBADES1XXX (das alte Konto bei N26 wurde gekündigt).


Mein Paypal-Konto: Paypal.me/breitschuster.


Bitcoin: Empfängerschlüssel auf Anfrage.


Möglichkeiten für eine Patenschaft finden Sie hier.

 

Unterstützen Sie meine Arbeit

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.