Studie von Top-Epidemiologen: Infektionssterblichkeit von Corona 0,15 Prozent Unglaubliche neue Zahlen

Ein Gastbeitrag von Gregor Amelung*

Es ist schon bemerkenswert, wie man in der Corona-Pandemie mit Zahlen und Werten versorgt und informiert wird. Selbst an der Bushaltestelle sieht man sie auf sonst für Werbung reservierten Riesen-Bildschirmen. Der R-Wert. Die 7-Tage-Inzidenz für die Stadt, den Landkreis oder das Bundesland. Auch die Fallsterblichkeit ist allgegenwärtig und gehört zu den Zahlen mit hohem Nachrichtenwert, denn sie bestimmt wie alle anderen Zahlen auch das tägliche Leben in der Corona-Krise.

Die 'Todesrate' von SARS-Cov-2

Unverständlich ist allerdings, wie seit Beginn der Pandemie die Fallsterblichkeit, auch Fall-Verstorbenen-Anteil genannt (Case Fatality Rate / CFR), herausgestellt wird. Bis in den August 2020 stand sie auch ganz oben und gut sichtbar auf den Tagesberichten des RKI.

Täglicher Lagebericht des Robert-Koch-Instituts vom 31. August 2020 (Screenshot)

In den Medien wurde die CFR sogar die »Todesrate« des Coronavirus genannt. Und zwar flächendeckend und bis heute: Süddeutsche am 26. März 2020, n-tv am 31. März 2020, wdr.de Quarks am 9. Mai 2020, ZDF am 19. Juli 2020, inFranken.de am 8. Oktober 2020, RND am 22. Januar 2021 und der Berliner Tagesspiegel am 15. Januar 2021.

Dabei ist die Fallsterblichkeit ein Quotient aus allen Personen, die an und mit SARS-Cov-2 bzw. COVID-19 verstorben sind, geteilt durch alle amtlich erfassten Infizierten.

Die Infektionssterblichkeit

Wesentlich informativer wäre es da gewesen, auch mal über die Infektionssterblichkeit (Infection Fatality Rate / IFR) zu berichten. Denn diese Zahl gibt das Risiko für den Einzelnen deutlich besser wieder als die Fallsterblichkeit (CFR), bei der man als Laie überdies denken könnte, dass sie die Infektionssterblichkeit ohnehin abbilden würde. Was sie nicht tut. Und was man leider bei vielen Grafiken und Artikeln erst bemerkt, wenn man ins Kleingedruckte schaut. Falls das denn überhaupt vorhanden ist.

ntv: »Alle Daten, alle Fakten zum Coronavirus« vom 28.06.2020. Erst über den Link »mehr Informationen« erfuhr man von der CFR (Case Fatality Rate), so dass man auf die Idee kommen konnte, dass es möglicherweise auch noch eine IFR geben könnte. (Screenshot / way back machine)

Die Infektionssterblichkeit ist definiert als der Quotient von allen an und mit SARS-CoV-2 bzw. COVID-19 Verstorbenen, geteilt durch die Summe aller Infizierten und zwar auch derjenigen ohne Symptome, die nicht amtlich erfasst worden sind. Ihre Anzahl wird, vereinfacht gesagt, durch Untersuchungen in abgeschlossenen Populationen beispielsweise mit Virus-Antikörper-Tests ermittelt und dann auf eine größere Bevölkerung hochgerechnet.

Und obwohl die Infektionssterblichkeit (IFR) eigentlich ganz logisch die Maßzahl in einer Pandemie sein sollte, ist sie es nicht. Sie wird meist totgeschwiegen oder überlagert von der zur »Todesrate« geadelten Fallsterblichkeit (CFR).

Die Heinsberg-Studie vom 4. Mai 2020

Eine der ersten Studien, die sich mit dem Thema der Infektionssterblichkeit auseinandergesetzt hatte, war die Cluster-Studie der Gemeinde Gangelt unter Leitung des Bonner Virologen Hendrik Streeck. Besser bekannt als die Heinsberg-Studie. In ihr kamen die Wissenschaftler der Uni Bonn auf eine Infektionssterblichkeit von 0,37 Prozent.

Und obwohl Streecks Erkenntnisse bei aller Vorsicht damals durchaus Anlass zur Hoffnung hätten geben können, weil das Coronavirus offensichtlich eben nicht das »Killervirus« war, für das man es zuerst gehalten hatte, wurde das Studienergebnis nicht etwa als “frohe Botschaft“ von den Medien unter die Leute gebracht, sondern kritisiert.

Mal ging es darum, dass die PR-Agentur Storymachine die Studie medial begleitet hatte. Mal stieß man sich an dem Umstand, dass das Studienergebnis ohne sogenannten Peer-Review veröffentlicht worden war. Ein in der akademischen Welt eher unüblicher Weg, den aber auch viele andere Wissenschaftler angesichts der sich schnell ausbreitenden Corona-Pandemie wählen und gewählt haben, ohne dafür kritisiert zu werden. Im Fall von Hendrik Streeck überlagert die Kritik letztendlich das Ergebnis. Nämlich die 0,37 Prozent.

Fixierung auf die Fallsterblichkeit verzerrt

Wie verzerrend die Fixierung auf die Fallsterblichkeit ist, kann man anhand dieser Liste erahnen:

Nun hat der griechisch-amerikanische Mediziner und Epidemiologe John Ioannidis, der Professor an der renommierten Stanford University School of Medicine ist, eine neue Studie am 26. März 2021 veröffentlicht.

Einstein Foundation Berlin: »Der Medizin-Professor Dr. John P. A. Ioannidis von der Stanford Universität… zählt zu den weltweit meist-zitierten Wissenschaftlern in diesem Bereich.« (Screenshot / www.einsteinfoundation.de)

Ioannidis hat in dieser Meta-Studie sechs systematische Auswertungen miteinbezogen, die jeweils Daten aus 10 bis 338 Studien (aus 9 bis 50 Ländern) kombiniert haben.

Infektionssterblichkeit etwa 0,15% oder jeder 667

Fazit von Ioannidis‘ Auswertung ist, dass die Infektionssterblichkeit von Corona global bei rund 0,15 % liegt. Überträgt man diese Zahl auf Deutschland, was insofern möglich erscheint, da Ioannidis‘ Datenmaterial zum überwiegenden Teil aus Europa und Amerika stammt, ergibt sich Folgendes: In Deutschland stirbt jede 667. Person, die sich mit SARS-CoV-2 infiziert. Nimmt man dagegen nicht die Infektionssterblichkeit, sondern die Fallsterblichkeit (Stand RKI 30.03.2021), ergibt es ein völlig anderes Bild: In Deutschland stirbt jede 37. Person, die sich mit SARS-CoV-2 infiziert.

Ausschnitt aus dem Artikel zur Studie von John P. A. Ioannidis vom 26. März 2021 mit dem Titel: »Reconciling estimates of global spread and infection fatality rates of COVID‐19: an overview of systematic evaluations« (European Journal of Clinical Investigation / Screenshot)

Das ist nicht nur ein großer Unterschied in den Zahlen, sondern letztendlich auch im Gefühl. Der eine Wert löst Angst und Panik ist. Der andere Wert ist eine realistischere Größe, die durchaus genügen sollte, um sich und andere zu schützen. In diesem Sinne hier noch mal die Werte, die seit dem Beginn der Pandemie genannt worden sind:

Faktenchecker werden an die neue Ioannidis-Zahl wahrscheinlich recht schnell die Axt legen, indem sie darauf verweisen, dass insbesondere Deutschland eine ältere Bevölkerung hat, die deutlich stärker von COVID-19 betroffen ist.

Nun, das ist allgemein bekannt und keine Axt, sondern eine Binsenweisheit, die Prof. Ioannidis niemals bestritten hat. Der angesehene Stanford-Epidemiologe weist im Gegenteil seit März 2020 immer wieder auf die Gefahr hin, die von SARS-Cov-2 für ältere Menschen ausgehen kann. Es wäre also schön, wenn den vielen Faktencheckern und denen, die sich dafür halten, das langsam mal auffallen würde, bevor sie eilig in ihre Tasten klimpern, um einen angesehenen Wissenschaftler abermals unsauber zu „body-checken“.

Vergleich mit der Grippe

Ob das SARS-CoV-2-Virus mit Ioannidis‘ 0,15% nun auch im Bereich der Influenza angekommen ist, ist schwer zu sagen. Der Vergleich ist auch deshalb schwierig, weil die saisonale Grippe Jahre mit vielen Todesopfern (2018) und solche mit vergleichsweise wenigen hat. Hinzu kommt, dass die Grippeschutz-Impfung und ihre – je nach Jahr – schwankende Treffsicherheit die Zahlen zusätzlich verzerren. Insofern finden sich auch fast keine handfesten CFR- und IFR-Werte zur Influenza. Allerdings gibt es aus dem August 2020 eine internationale Studie zur IFR von COVID-19, die die Infektionssterblichkeit für die Grippe im Winter 2018/19 aufgrund der Daten der US-Gesundheitsbehörde CDC mit 0,07% angibt. Andere Forscher interpretieren die CDC-Daten etwas anders und kommen zu einer IFR von 0,05%.

Gleiche Gewichtsklasse

Der Autor dieser Zeilen, der medizinischer Laie ist, würde es insofern eher so formulieren wollen: Wenn die Influenza und das neue Coronavirus Boxer wären, dann würden sie wohl in derselben Gewichtsklasse antreten.

Dass SARS-CoV-2 eher für ältere Menschen ein tödlicher Gegner sein kann, wird zum Teil dadurch aufgehoben, dass die Sense von Corona gerade bei Kindern und Kleinkindern offenbar deutlich stumpfer ist als die der Grippe. Ein positiver Umstand, der in der Corona-Berichterstattung viel zu selten Erwähnung findet.

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*) Der Autor ist in der Medienbranche tätig und schreibt hier unter Pseudonym.

Bild: seyomedo/Shutterstock
Text: Gast

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