Brisant – Ex-Chef der US-Gesundheitsbehörde: Virus kommt aus Labor "Das macht biologisch einfach keinen Sinn."

Ein Gastbeitrag von Gregor Amelung*

Während das Papier des Hamburger Physikers Roland Wiesendanger wenigstens noch durch den medialen Faktencheck-Fleischwolf gedreht wurde, werden neue Aussagen des ehemaligen Chefs der CDC einfach links liegen gelassen.

Am 26. März hat der US-Nachrichtensender CNN Teile eines Interviews mit dem ehemaligen Chef der US-Gesundheitsbehörde CDC ausgestrahlt. Darin erklärte der Ex-CDC-Chef, dass das Coronavirus aus einem chinesischen Labor in Wuhan stamme. Diese bemerkenswerte Aussage schaffte es allerdings nicht in die deutschen Schlagzeilen. Bei der Welt fand man die Äußerung lediglich im Liveticker um 19 Uhr 37 am 26. März. Der Focus schrieb etwas später um 22 Uhr 42: »Der ehemalige Chef der US-Seuchenbehörde glaubt, dass das Coronavirus aus einem Labor in China stammt.« Und die Bildzeitung brachte die Nachricht unter dem Titel »Coronavirus stammt aus Labor in Wuhan« einen Tag später. Der Rest versteckte sich hinter einer Bezahlschranke.

Prof. Dr. Robert R. Redfield

Hatte man den Hamburger Nanophysiker Roland Wiesendanger, der Mitte Februar mit seiner Labor-These für Wirbel gesorgt hatte, noch unter Berufung auf seine Fachfremdheit durch den medialen Fleischwolf drehen können, ist das im Fall von Redfield nicht mehr so leicht möglich. Der Mann ist nämlich vom Fach.

Robert Ray Redfield jr., Jahrgang 1951, hat an der Georgetown Universität in Washington D.C. Medizin studiert. Sein praktisches Jahr machte er am Walter-Reed-Militärkrankenhaus. Das Klinikum ist nicht irgendein Militärlazarett, sondern der Ort, wo auch US-Präsidenten und US-Außenminister behandelt werden. So etwa Ronald Reagan nach den Schüssen eines Attentäters im Jahr 1981.

Nach dem Walter-Reed blieb Redfield bei der Armee. Während seiner insgesamt 20-jährigen Dienstzeit beschäftigte er sich vor allem mit dem HI-Virus und wies als einer der ersten Forscher nach, dass HIV auch bei heterosexuellem Geschlechtsverkehr übertragbar ist. Nach seinem Ausscheiden aus der Armee gründeten er und sein HIV-Forschungskollege Robert Gallo das Institut für Humanvirologie an der Universität Maryland, wo Redfield auch als Professor für Mikrobiologie lehrte. Im März 2018 wurde der inzwischen 66-jährige dann von US-Präsident Trump zum Direktor der CDC ernannt.

Mitglied der Corona Task Force

Wörtlich übersetzt bedeutet CDC (Centers of Disease Control and Prevention) Zentren für Krankheitskontrolle und Vorsorge. Vereinfacht kann man sich unter der Behörde eine Art Super-RKI vorstellen, denn die Befugnisse des CDC sind in vielen Bereichen weiter gefasst als die des deutschen RKIs.

Redfield ist also kein Nobody und sein Wort hatte in den USA während der Corona-Pandemie Gewicht. Denn Redfield war Mitglied der sogenannten Corona Task Force. Damit saßen der “amerikanische Lothar Wieler“ und “amerikanische Christian Drosten“ Tony Fauci gemeinsam an einem Tisch im Weißen Haus. Redfield, der durchaus nicht unumstritten ist, bekleidete die Direktorenstelle beim CDC bis zum 20. Januar 2021. Dann übernahm Dr. Rochelle Walensky – ernannt durch den neuen US-Präsidenten Joe Biden – seine Nachfolge.

Als »irreführend und falsch« kritisiert

Dass die deutsche Version von Wikipedia über den Virologen heute schreibt, Redfields frühe Äußerungen (29.02.2020 und 06.03.2020) über das Virus würden heute »rückblickend als irreführend und falsch kritisiert«, ist ohne eine Einordnung ebenfalls irreführend und unbrauchbar zur Beurteilung von Redfields Expertise.

Hier zum Vergleich eine etwa zeitgleiche Äußerung (02.03.2020) von Prof. Christian Drosten zum Coronavirus: »Diese Erkrankung ist eine milde Erkrankung. Das ist… in erster Linie eine Erkältung, die die unteren Atemwege betrifft. Sie ist im Prinzip für den einzelnen gar kein Problem.« Neben Drosten saßen damals Gesundheitsminister Jens Spahn und RKI-Chef Lothar Wieler in der Bundespressekonferenz.

»COVID WAR: The Pandemic Doctors Speak Out«

Anfang März 2021 wurde Redfield dann von dem CNN-Wissenschaftsjournalist Dr. Sanjay Gupta für einen längere Dokumentarfilm mit dem Titel »COVID WAR: The Pandemic Doctors Speak Out« interviewt. Dabei erklärte Redfield: »Wenn ich es einschätzen sollte, würde ich sagen, die ersten Übertragungen dieses Virus’ sind im September-Oktober [2019] in Wuhan geschehen.«

Darüber durchaus überrascht fragte CNN-Mann Gupta nach: »Wirklich? [Bereits im] September-Oktober?« – Redfield, selbst lange genug in der dünnen Luft von Politik und politischen Entscheidungen unterwegs, gab zurück: »Das ist lediglich meine Meinung, trotzdem ist mir jetzt [wo ich nicht mehr Chef der CDC bin] erlaubt, eine Meinung zu haben. Und mein Standpunkt ist der, dass ich immer noch denke, die wahrscheinlichste Idee ist die, dass das Virus aus dem Labor in Wuhan entwichen ist… Es ist ja nicht so ungewöhnlich, dass pathogene Erreger der Atemwege, an denen in einem Labor gearbeitet wird, Labormitarbeiter infizieren.«

Dr. Robert Redfield im CNN-Interview (Screenshot Youtube)

Gain-of-Function-Forschung

Wuhan ist tatsächlich ein Zentrum der virologischen Forschung in der Volksrepublik China. Insbesondere das Wuhan Institute of Virology mit seinem P4-Sicherheitslabor, an dem in den letzten Jahren ausgiebig an Fledermaus-Coronaviren geforscht worden ist. Hier hat man auch sogenannte Gain-of-Function-Experimente – kurz GoF genannt – durchgeführt.

Bei den GoF-Forschungen verwandelte man Fledermaus-Coronaviren in für den Menschen gefährliche Krankheitserreger. Auf diese Weise hatte man 2015 Hybridviren geschaffen, die in der Lage waren, menschliche Zellen durch Aerosolübertragung zu infizieren. Und das ist kein Geheimnis. Genauso wurde es in der Fachwelt publiziert. Und selbstverständlich ist auch Redfield über diese Forschungen im Bilde. Genauso kennt er das Für und Wider. Befürworter der GoF sehen in ihr einen Weg, zukünftig auftretende Infektionskrankheiten besser vorhersagen zu können und Impfstoffe zu entwickeln. Kritiker lehnen die GoF-Forschung wegen ihrer unkalkulierbaren Risiken ab.

»Das macht biologisch einfach keinen Sinn.«

»Ich bin Virologe und ich habe mein Leben mit Virologie verbracht«, so Redfield weiter: »Und ich glaube nicht, dass das Virus irgendwie von einer Fledermaus auf einen Menschen übergesprungen ist und dass es im selben Moment zu einem der infektiösesten Viren geworden ist, das wir in der Geschichte von Mensch-zu-Mensch-Übertragungen kennen. Normalerweise braucht es eine Weile für diesen Schritt. Eine Zeit, in der das Virus in seiner Übertragbarkeit von Mensch zu Mensch effektiver wird.« So was passiert nicht über Nacht. Entsprechend erklärt der ehemalige Leiter der CDC zu der Theorie, dass das SARS-CoV-2 einen rein natürlichen Ursprung hat: »Das macht biologisch einfach keinen Sinn.«

Der Mann weiß von Dingen, von denen kein normaler Mensch weiß

Damit widerspricht Redfield dem, was die WHO-Inspekteure nach ihrem Besuch in Wuhan Anfang Februar 2021 verlautbaren ließen. Dessen ist man sich auch bei CNN bewusst. Und so kommentierte ein CNN-Moderator das Interview in einer Mischung aus Sensationslust und Ungläubigkeit: »Er ist der ehemalige CDC-Direktor. Und wenn er sagt, das ist nur seine Meinung, dann ist das nicht nur seine Meinung. Der Ex-CDC-Chef weiß Dinge und hat Dinge gesehen, die der Normalsterbliche nicht gesehen hat… Also: Wie viel Nur-seine-Meinung ist das tatsächlich?!«

Auf jeden Fall nicht genug, damit die deutschen Qualitätsmedien darüber berichten.

Fact Sheet des US-Außenministeriums

Dabei hatte US-Außenminister Mike Pompeo sich bereits am 16. April 2020 auf einer Pressekonferenz in die gleiche Richtung wie Redfield geäußert: »Nun, Martha… die bloße Tatsache, dass wir die Antworten nicht kennen und dass China die Antwort auch nicht mit uns teilt, ist doch schon aussagekräftig genug.« 10 Monate später veröffentlichte das US-Außenministerium dann ein sogenanntes »Fact Sheet«.

Fact Sheet des US-Außenministeriums vom 15. Januar 2021 (Screenshot / 2017-2021.state.gov)

Darin heißt es: »Die US-Regierung hat Grund zu der Annahme, dass mehrere Labormitarbeiter innerhalb des WIV [Wuhan Institute of Virology] im Herbst 2019 erkrankt sind … mit Symptomen, die sowohl mit COVID-19 als auch mit häufigen saisonalen Erkrankungen übereinstimmen.(…)

Unbeabsichtigte Übertragungen in Laboren haben in China und andernorts bereits zu mehreren Virusausbrüchen geführt, beispielsweise 2004 zu einem SARS-Ausbruch in Peking. Dabei haben sich neun Menschen infiziert, einer von ihnen ist verstorben.

Vom WIV gibt es zwar eine veröffentlichte Aufzeichnung der dort durchgeführten „Gain of Function“-Forschung zur Herstellung chimärer Viren. Aber die Aufzeichnungen zur Untersuchung von Viren, die dem COVID-19-Virus am ähnlichsten sind, einschließlich [dem Fledermaus-Coronavirus] „RaTG13“, das 2013 aus einer Höhle in der [chinesischen] Provinz Yunnan entnommen worden ist… sind nicht transparent und nicht ohne Widersprüche.

[Und] obwohl sich das WIV nach außen hin als eine zivile Einrichtung präsentiert, haben die USA ermittelt, dass… [dort] mindestens seit 2017… Forschung… im Auftrag des chinesischen Militärs stattfindet.«

Redfields Äußerungen kommen also keineswegs aus dem Nichts.

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*) Der Autor ist in der Medienbranche tätig und schreibt hier unter Pseudonym.

Bild: dokurose/Shutterstock
Text: Gast

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