Summton gegen böse Fragen: Die Bundespressekonferenz rüstet auf Selbstkastration war gestern – jetzt kommt die KI

Schon bisher sorgte die Bundespressekonferenz dafür, dass die Fragen an die Regierung nicht allzu kritisch werden: Ich wurde mit absurder Begründung aus der Runde ausgeschlossen, die bei vielen zu einem Journalisten-Casting nach dem Motto „Wer wird der nächste Regierungssprecher?“ verkommen ist. Anderen kritischen Journalisten wie etwa Henryk M. Broder verweigerte die Runde der regierungsfrommen Claqueure die Aufnahme. Florian Warweg wurde nicht aufgenommen – darf aber per Gerichtsentscheid Fragen stellen (ich nicht, aber das gehört zu den Wundern der deutschen Justiz – Kritik an der Außenpolitik gilt offenbar als weniger gefährlich als Kritik an der Innenpolitik).

Und jetzt das – offenbar sind die selbsternannten Hüter der Regierung auf den Journalistenstühlen in Angst geraten, dass neben der homöopathischen Placebo-Kritik doch noch echte unangenehme Fragen in der Runde der Hofberichterstatter auftauchen könnten. Deshalb führen sie jetzt eine KI-gestützte Wahrheitsprüfung bei Pressekonferenzen ein: Ein neues Tool, das direkt aus dem Kanzleramt geliefert wird, unterbricht Journalistenfragen automatisch durch einen Summton, sobald die Frage als „destruktiv für den gesellschaftlichen Zusammenhalt“ eingestuft wird.

Neid aus China

„Wir haben das gemeinsam mit dem Bundespresseamt entwickelt, und es ist ein großer Segen für unsere Demokratie. Es soll auch sicherstellen, dass sich nicht erneut eine Reitschusteritis in der Bundespressekonferenz ausbreitet – Personen, deren Fragekultur nicht unseren betreuten demokratischen Standards entspricht, wollen wir hier nicht“, sagte der Vorsitzende der Bundespressekonferenz, der ZDF-Journalist Mathis Feldhoff, bei der gemeinsamen Vorstellung der Neuerung mit Merz-Sprecher Stefan Kornelius. Dieser sagte: „Was wir da in Deutschland geschaffen haben – einen Zusammenschluss von Journalisten in einem Verein, der dafür sorgt, dass wirklich nur sauber demokratische Fragen an die Regierung gestellt werden und Journalisten, die Hass und Hetze verbreiten, gar nicht erst für Fragen zugelassen werden –, ist weltweit einmalig. Selbst China beneidet uns darum – die nutzen eher noch den Holzhammer, während wir das Skalpell einsetzen.“

Wenn Sie das jetzt alles nicht glauben wollen – sehen Sie auf das Datum des Berichts. 1. April. Aber das Traurige: Diese Nachricht hat einen wahren Kern. Denn man braucht den Summton in der Bundespressekonferenz gar nicht. Der ist bei den meisten Journalisten eingebaut. Er nennt sich Selbstkastration. Wer will schon seinen Platz am Hof und die Chancen auf einen Wechsel auf die Regierungsbänke vorne vermasseln?

Bild: Symbolbild KI-generiert/Grok