Ungeimpfte bei VW: Werksausweise ab Mittwoch gesperrt Werksleitung zur Einlasskontrolle: „Wartezeit ist keine Arbeitszeit“

Von Alexander Wallasch

Jetzt ist es amtlich für alle Mitarbeiter des Volkswagen-Konzerns: Ab Mittwoch wird’s eng vor den Werkstoren. Aber nicht etwa, weil dort schon der Weihnachtsstollen verteilt wird oder die Volkswagen-Currywurst im Verkaufsautomaten vor dem Tor (gibt es wirklich bei VW) reduziert angeboten würde – es wird eng für ungeimpfte, nicht genesene Arbeiter und Angestellte des Konzerns.

Mit dem VW-eigenen „Personal Telegramm“, Ausgabe 57 vom 22. November 2021, wurden „Führungskräfte und alle Beschäftigten der Volkswagen AG“ über den „Umgang mit 3G-Zutritt (geimpft, genesen, getestet) im Unternehmen“ informiert.

Volkswagen gibt im Papier zu erkennen, dass dem Konzern die Hände gebunden seien, die Order käme aus der Politik, basierend auf der Änderung des Infektionsschutzgesetzes § 28b Absatz 1. Danach, so Volkswagen an seine Mitarbeiter, „dürfen Arbeitgeber und Beschäftigte Arbeitsstätten, in denen Personenkontakte nicht ausgeschlossen werden können, nur betreten, wenn sie geimpft, genesen oder getestet sind.“

Wie ein Sprecher auf Anfrage berichtet, wurde eigens zur Bewältigung der Herausforderung, welche schon die Kontrollen am Werkstor mit sich bringen würden, eine hauseigene „Taskforce“ gegründet, drei Fragen gehen schriftlich an diese Taskforce, da sie ein Sprecher gern an die Experten zur Beantwortung weiterreichen will.

Das eingangs erwähnte „Personal Telegramm“ wurde gegenüber den Mitarbeitern deutlich. Da heißt es beispielsweise zum Datenschutz: „Der Vorgesetzte ist in der Pflicht, dem Beschäftigten in einem 4-Augen-Gespräch die Möglichkeit zu geben, mitzuteilen, ob er geimpft oder genesen (2G) ist.“

Diese aus dem Blickwinkel jedes Datenschutzbeauftragten lobenswerte Erwähnung, die den Vorgesetzten zu einer Art Beichtvater/-mutter macht, ist allerdings eine Groteske insofern, als im Weiteren darauf hingewiesen wird, dass der Ungeimpfte am Tor – oder einem vorgelagerten Extrator – anstehen muss, während der Geimpfte sich digital am Drehkreuz ausweist und wie gewohnt hindurchgehen kann.

Im Vorfeld wurden die Mitarbeiter heute schon abgefragt und den nachweislich Geimpften und Genesenen wurden ihre Werksausweise entsprechend „freigeschaltet“. Auch am Dienstag wird der Impfstatus vom Vorgesetzten – diskret im Rahmen der betrieblichen Möglichkeiten – abgefragt und entsprechend das Drehkreuz freigeschaltet. Die sich im Rahmen dieser Befragung als nicht Geimpfte zu erkennen gebenden Mitarbeiter wurden entsprechend nicht freigeschaltet.

Im Mitarbeiter-Telegramm heißt es dazu: „Ziel dieser Vorgehensweise ist es, dass geimpfte oder genesene Beschäftigte, wie üblich, die Werkstore passieren können.“

Aber wie soll das am Mittwoch bloß weitergehen? Rechnet Volkswagen überhaupt mit einer größeren Zahl Ungeimpfter? Aber wie und ob überhaupt das im Vorfeld geschätzt wurde, weiß auch ein Sprecher des Konzerns nicht zu sagen. Er berichtet aber, dass das Werk selbst ja auch Impfungen vorgenommen hätte.

Hoffnungsvoll erscheint Volkswagen in der Sache dennoch nicht. Denn im Telegramm an die Mitarbeiter wird die Befürchtung thematisiert, dass sich längere Schlangen mit Wartezeiten dort bilden könnten, wo die Ungeimpften ihren „tagesaktuellen Test (nicht älter als 24 Stunden)“ vorzeigen müssen, weil ihren digitalen Werksausweisen ab Mittwoch früh die Eingangsberechtigung entzogen wurde.

Im Klartext: Der Ungeimpfte soll laut Telegramm an alle Mitarbeiter „unbedingt ausreichend Wartezeit“ einplanen, „da der Prüfprozess durch den Werksschutz zu den jeweiligen Schichtwechseln Zeit in Anspruch nehmen wird.“

Na gut, dann wartet man eben, während die geimpften und genesenen Kollegen rechts durchs Drehkreuz vorbei an ihre Arbeitsplätze marschieren, mag sich der eine oder andere Ungeimpfte so denken. Aber Dickfälligkeit hilft hier keinem. Denn der Konzern will dem ungeimpften Mitarbeiter ans Portemonnaie, der Nachsatz lautet hier nämlich tatsächlich: „Diese Wartezeit ist keine Arbeitszeit.“

„Die Beschäftigten müssen ausreichend Wartezeit an den Kontrollpunkten einplanen, um pünktlich am Arbeitsplatz zu erscheinen. Aus diesem Grund ist bei verspäteter Arbeitsaufnahme von den Belegführern und Führungskräften das Gleiche einzugeben, wie sonst auch bei Verspätungen (TMW-Eintrag: EMA, EAZ, UUT). Die Wartezeit an den Werktoren ist keine Arbeitszeit.“

Wer ungeimpft ist und keinen Test nachweisen kann, der muss „Freizeitkontingente entnehmen“ oder gilt dann eben als unentschuldigt und muss „mit arbeitsrechtlichen Konsequenzen rechnen.“ Auch die Nutzung gefälschter Impf-, Genesenen- oder Testausweise führt zu arbeitsrechtlichen Konsequenzen, heißt es weiter.

Jeder Volkswagenmitarbeiter muss ab Mittwoch seinen Personalausweis und einen Nachweis entsprechend der 3G-Regel bei sich führen.

Ein Sprecher sagt auf weitere Nachfrage, dass die ganze Angelegenheit sehr kurzfristig passiert ist, erst am Wochenende hätte man erfahren, dass es schon am Mittwoch losgehen soll, zunächst war noch der Donnerstag als Starttermin im Gespräch gewesen. Die Mitarbeiter wären um Verständnis gebeten worden.

Allerdings wurden besagte Mitarbeiter auch darüber informiert, dass die längeren Wartezeiten auf ihren Deckel gehen, was dann das erbetene Verständnis beim Ungeimpften gedämpft haben dürfte.

Um hier nicht einseitig abzufragen, wenden wir uns zusätzlich an den Betriebsrat, der sich ebenfalls zurückmelden will (Sollten noch Antworten kommen, werden sie hier umgehend nachgereicht).

Aber kommen wir kurz noch zu jenen, die jetzt nicht mehr daran glauben, dass – wenn nicht mehr durch das Grundgesetz, dann doch per Resolution des Europarates – niemand und auf keine Weise unter Druck gesetzt oder diskriminiert werden darf, wenn er sich nicht impfen lassen will.

Wenn also ein bisher ungeimpfter Mitarbeiter unter so einem Druck impfwillig geworden ist, dann kann er das nicht sofort zeigen und in der Masse der geimpften und Genesenen verschwinden: Denn er muss so lange weiter am Werkstor bei den ungeimpften Paria anstehen und die grinsenden geimpften Kollegen ertragen, bis seine zweite Impfung per Impfzertifikat als wirksam anerkannt ist.

Abschließend soll auch nicht unerwähnt bleiben, dass es echte Zumutung ist, zu was dieser große Konzern da von Staats wegen gegenüber seinen Mitarbeitern genötigt wird. Dabei hat Volkswagen wie alle Automobilhersteller in Deutschland aktuell wohl ganz andere Sorgen. Und die werden unter der kommenden Ampelregierung nicht besser werden für die Industrie.

Dann erreicht uns noch ein guter Kontakt bei Volkswagen, der uns leise zuwispert, es gäbe seines Wissens nach in den ersten Tagen doch keine der angedrohten Konsequenzen für diejenigen Ungeimpften, die zu spät am Arbeitsplatz erscheinen. Auch nicht in finanzieller Hinsicht. Aber das wolle der Konzern wohl nicht offiziell machen, dann nämlich wäre der Druck schon wieder aus den Reihen der Ungeimpften genommen.

Hier wirkt also auch im Volkswagen-Konzern bereits der erzieherische Ansatz, den die Regierung von Anfang an in ihren Maßnahmenkatalog mit aufgenommen hatte.

Die Bundespressekonferenz vom 22.11.2021:

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Alexander Wallasch ist gebürtiger Braunschweiger und betreibt den Blog alexander-wallasch.de. Er schrieb schon früh und regelmäßig Kolumnen für Szene-Magazine. Wallasch war 14 Jahre als Texter für eine Agentur für Automotive tätig – zuletzt u. a. als Cheftexter für ein Volkswagen-Magazin. Über „Deutscher Sohn“, den Afghanistan-Heimkehrerroman von Alexander Wallasch (mit Ingo Niermann), schrieb die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung: „Das Ergebnis ist eine streng gefügte Prosa, die das kosmopolitische Erbe der Klassik neu durchdenkt. Ein glasklarer Antihysterisierungsroman, unterwegs im deutschen Verdrängten.“ Seit August ist Wallasch Mitglied im „Team Reitschuster“.

 
Bild: Shutterstock
Text: wal

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